Teil des
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E-Rennräder von Cannondale und Focus im Vergleich

Test: Cannondale Synapse NEO gegen Focus Paralane²

Ein E-Rennrad mit starken Bosch-Motor, eins mit leichtem Fazua-Antrieb. Das Cannondale Synapse NEO und das Focus Paralane² im Vergleich.

Schneller dank Motor­unterstützung? ELEKTROBIKE zeigt, wo die Grenzen von E-Rennrädern liegen, wie unterschiedlich die Modelle sein können – und welches Konzept für wen infrage kommt.

E-Rennräder: ein kontroverses Thema

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Björn Hänssler
Rennrad mit Motor? Für viele Rennradfans immer noch ein Reizthema.

„Ein Rennrad mit Motor? Ist doch gar kein Rennrad!“ Selten waren sich passionierte Radsportler so einig wie beim Reizthema E-Renner. Viele sprechen Rennrädern mit E-Unterstützung schlicht jede Daseinsberechtigung ab. Und selbst die Radindustrie war sich lange unsicher, ob und wie das Rennrad und der in allen anderen Radkategorien boomende Elektroantrieb zusammenpassen. Doch nach vereinzelten Versuchen in den letzten Jahren wagen sich 2019 mehr Anbieter an das Thema E-Rennrad ran – mit ganz unterschiedlichen Ansätzen.

Da bei allem Neuen nur mitreden kann, wer es ausprobiert hat, wollte ELEKTROBIKE wissen: Für wen ist die Anschaffung eines E-Renners überhaupt sinnvoll? Und welches Konzept passt zu wem? Zwei Rennräder mit E-Motor, die unterschiedlicher kaum sein könnten, sollen Antworten liefern.

Zwei unterschiedliche E-Rennrad-Konzepte

Das eine Extrem markiert das Focus Paralane²: Mit seinem kompakten, leichten Fazua-Antrieb orientiert es sich klar am Touren-Rennrad, es kommt mit recht schmalen 28-mm-Reifen, sportlich-komfortabler Fahrerpositionierung und Carbon-Rahmen schon ziemlich sportlich daher.

Das andere Ende des Spektrums „E-Rennrad“ beschreibt das Cannondale Synapse NEO SE: Mit solidem Alu-Rahmen, 27,5-Zoll-Laufrädern samt 40 mm breiten Reifen und entspannt untergebrachtem Fahrer bedient es den aktuellen Gravel-Trend, nur eben mit kraftvollem, aber auch schwerem Bosch-Antrieb (Cannondale bietet dieses Rahmen-Set und den Antrieb auch mit 28-Zoll-Laufrädern und 32-mm-Reifen an).

Unterschiede zwischen Touren-Rennrad und Gravel-Renner

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Björn Hänssler
Das Focus Paralane² ist trotz Motor sehr nah am klassischen Touren-Rennrad.

Bei den Vergleichsfahrten wird schnell deutlich: Der E-Antrieb verstärkt die ohnehin großen Unterschiede zwischen Touren- und Gravel-Renner. Das Focus ist mit seiner tourenfreundlichen Schnittmenge aus gelassenem Geradeauslauf und präziser Lenkung 80 Prozent der Rennradgemeinde auf den Leib geschneidert. Das Gewicht des Motors im Tretlager und des Akkus sorgen für einen tiefen Schwerpunkt, das Paralane² rollt dadurch noch ruhiger, bleibt wegen des Radstands von unter 1000 mm aber folgsam und wirkt recht handlich – handlicher als viele aktuelle Gravel-Bikes ohne Motor. Kurz: Wer gelassene Tourer mag, fühlt sich auf diesem Rad pudelwohl.

Das Cannondale hingegen ist mit seinem langen Radstand (1053 mm) und den 40 mm breiten Reifen voll auf Geradeauslauf ausgelegt. Die Masse des Antriebs – rund sechs Kilo – sorgt für eine satte „Straßenlage“, der E-Graveller marschiert gelassen auch über ruppigen Untergrund. Abenteuerlustige Forstweg-Racer macht dieser unbeirrbare Geradeauslauf glücklich, sie wagen sich auch mal auf einen Singletrail – wünschen sich dann aber schnell griffigere Reifen.

Fazua und Bosch unterstützen unterschiedlich

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Björn Hänssler
Kräftige Unterstützung: So kennt man den Antrieb von Bosch.

Der Gewichtsunterschied zwischen den beiden Rädern ist stattlich: Mit dem insgesamt nur 3,3 Kilo schweren Fazua-Antrieb wiegt das Focus 13,3 Kilo (zum Vergleich kam das leichte, aber teure Top-Modell). Beim Cannondale wiegt allein der Bosch-Motor 3,2, der Akku weitere 2,8 Kilo. Damit bringt das Synapse NEO SE stattliche 18,7 Kilo auf die Waage. Dieses Mehrgewicht spürt man im Vergleich in jeder Kurve: Das Focus legt sich ruhig, aber durchaus kooperativ in jeden Radius, es fährt sich so, wie man das von aktuellen Touren-Rennern kennt. Das Cannondale verlangt dagegen mehr Nachdruck, schiebt spürbar und wirkt um so unwilliger, je enger sich die Kurven zuziehen.

Doch nicht nur das Handling, auch die E-Unterstützung erfolgt bei den ungleichen Rennern sehr unterschiedlich. Der Bosch-Motor mit seinen vier wählbaren Unterstützungsmodi schiebt grundsätzlich schwungvoll an, in der stärksten Stufe „Turbo“ ist der Vortrieb eindrucksvoll. Schon auf der Ebene hilft der Motor spürbar mit, am Berg beflügelt er regelrecht: Man pedaliert freudig am 25-km/h-Limit, ab dem die Unterstützung endet.

Wer sich kräftige Unterstützung wünscht – oder sie braucht –, wird davon begeistert sein. Wer etwas weniger Hilfe benötigt – also eher um Belastungsspitzen abzufedern –, ist mit dem Focus und dem Fazua-System besser unterwegs: Der Motor unterstützt bedarfsorientiert. Wirkungsvoll, aber selbst in der stärksten der drei Stufen eher zurückhaltend. Das Fazua-Konzept: Hilfe, wenn nötig, so unauffällig wie möglich.

Was beide Antriebe gemeinsam haben: Ohne Motorunterstützung – also ab 25 km/h – ist so gut wie kein Widerstand spürbar, was bei anderen E-Antrieben noch häufig der Fall ist. Man pedaliert so weiter, wie man das von einem normalen Rad gewohnt ist, nur eben mit Mehrgewicht. Während man mit dem Focus recht entspannt weiterfährt, wirkt das Cannondale ohne E-Unterstützung eher wie der viel zitierte Klotz am Bein.

Wie lange hält der Akku?

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Björn Hänssler
Akku und Motor von Fazua lassen sich komplett entnehmen.

Entscheidend neben der Motorleistung ist natürlich auch die des Akkus – und damit die Reichweite. Der Bosch-Akku speichert mit 500 Wh doppelt so viel Energie, wie der von Fazua. Das bekannte Problem: Mehr Akku bedeutet mehr Gewicht. Vergleicht man die beiden Antriebe nach der normierten Berechnung von ELEKTRO­BIKE, ist die Reichweite des Cannondale fast doppelt so groß, wie die des Focus, egal ob bei einer welligen Tour oder am Berg.

Rechnet man allerdings das Systemgewicht mit ein, so ist die Effizienz beider Systeme sehr gut – Focus hat mit dem leichten Fazua-Antrieb aber die Nase vorn und erreicht hier Bestwerte. Bedenkt man, dass Fazua ohnehin nicht auf Dauerunterstützung ausgelegt ist, passt dieser Antrieb also hervorragend zum Rennrad.

Auch das grundsätzliche Dilemma des E-Rennradlers erscheint mit dem Fazua-Rad von Focus weniger gravierend: der Umstand, dass der Motor bei maximal 25 km/h aufhört, mitzuarbeiten – so will es der Gesetzgeber. Schneller zu fahren als 25 km/h, etwa um in einer Gruppe mitzuhalten, fällt mit dem Focus definitiv leichter.

Testfazit kompakt

Ein Rennrad kann auch mit Motor ein Rennrad sein – da waren sich die Tester nach den Vergleichsfahrten schnell einig –, wenn er so unauffällig integriert ist und arbeitet wie der Fazua-Motor im Focus. Pendler und Rennradfahrer, die nur etwas Unterstützung bei Belastungsspitzen suchen, werden hier bestens bedient.

Cannondale hingegen macht mit dem starken E-Graveller gleich eine neue Kategorie auf: Die Spaßrakete ist schnell, abenteuerlustig, bereit selbst für ruppige Einsätze. Ein Gravelbike 2.0 – aber auch weit weg vom Rennrad.

Cannondale Synapse Neo SE im Detail

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Björn Hänssler
Cannondale Synapse Neo SE E-Rennrad
  • Reichweite/Effizienz Tour*: 56 km/0,88 (max. 1,0)
  • Reichweite/Effizienz Berg*: 19 km/0,91 (max. 1,0)
  • Antrieb: Bosch Active Line Plus
  • Schaltung: Sram Apex1
  • Laufräder: WTB STi29 TCS 2.0
  • Reifen: WTB Byway TCS
  • Gewicht: 18,7 kg
  • Preis: 3.699 Euro

*Reichweite: normierte Berechnung bei konstanter Volllast/Effizienz: Reichweite im Verhältnis zum Systemgewicht, Bestwert: 1,0

Positiv

  • Offroad-tauglich
  • bequem
  • sehr ruhiges Handling

Negativ

  • schwer
  • Reifen mit wenig Grip
  • Unterstützung nur bis 25 km/h

Focus Paralane² 9.8 im Detail

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Björn Hänssler
Focus Paralane2 E-Rennrad
  • Reichweite/Effizienz Tour*:33 km/0,99 (max. 1,0)
  • Reichweite/Effizienz Berg*: 11 km/1,0 (max. 1,0)
  • Antrieb: Fazua Evation
  • Schaltung: Shimano Ultegra Di2
  • Laufräder: DT Swiss ERC1450
  • Reifen: WTB Byway TCS
  • Gewicht: 13,3 kg
  • Preis: 6.999 Euro

*Reichweite: normierte Berechnung bei konstanter Volllast/Effizienz: Reichweite im Verhältnis zum Systemgewicht, Bestwert: 1,0

Positiv

  • nah am Touren-Renner
  • relativ leicht
  • Schutzbleche serienmäßig

Negativ

  • relativ geringe Reichweite
  • teuer
  • Unterstützung nur bis 25 km/h
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