E-Bike vs. E-Scooter Lea Bauer
RegioRad Pedelec
RegioRad Pedelec
RegioRad Pedelec
RegioRad Pedelec 13 Bilder

Lime und RegioRad Stuttgart

E-Scooter vs. E-Bike

E-Bikes sind schon ziemlich lange auf dem deutschen Markt vertreten. Im Juni 2019 kam ein neuer Trend hinzu: E-Scooter. Wir vergleichen die „umweltfreundlichen“ Verkehrsmittel.

Themenübersicht

Alles was Sie über E-Scooter wissen müssen

E-Scooter vs. E-Bike
Lea Bauer
Nach einer Eingewöhnungsphase macht das Fahren richtig Spaß.

Seit dem 15. Juni 2019 dürfen E-Scooter legal in Deutschland fahren. Erste Leihunternehmen rüsten nun die Städte mit den elektrischen Rollern aus.

In Stuttgart gehen die Marken Lime, Voi und Circ an den Start. Deutschlandweit agieren zusätzlich weitere Anbieter wie Bird, Tier und Uber Jump.

Die Ausleihdienste arbeiten mit Apps, über die die Scooter geliehen werden können. Nach der Fahrt müssen die Scooter nicht zurück zu einer Ausleihstation gebracht werden, sie können dort abgestellt werden, wo der Fahrer hingefahren ist. Aber Halt: nicht überall ist das Abstellen erlaubt. In den Apps sind alle Bereiche markiert, an denen das Abstellen verboten ist. Das Zustellen von Gehwegen und Zugängen ist darüber hinaus auch untersagt. Landet doch mal ein Scooter in einem verbotenen Bereich, muss er von der Verleihfirma entfernt werden. Hört sich eigentlich ziemlich organisiert an. Allerdings scheinen einige Nutzer die Regeln nicht zu kennen. In Stuttgart beispielsweise können einige Roller gefunden werden, die Gehwege zustellen. Es gibt sogar Leute, die die Roller mit in ihren Hinterhof nehmen und so zum Eigenbedarf reservieren.

Voi-Scooter im Hinterhof
Lea Bauer
Ein Voi-Scooter abgestellt im Hinterhof.

E-Scooterfahren = umweltfreundlich?

  •  Aufladeprozess
  •   verwendeter Strom
  •  Lebensdauer
  •  Herstellung
  •  Entsorgung

Sie sind praktisch, elektrisch betrieben und verursachen weniger CO2-Ausstoß als PKW. Im ersten Moment denken viele, dass diese Parameter ausreichen, um bei E-Scootern von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zu sprechen. Allerdings sollte dabei nie der Vergleichspartner vergessen werden. E-Scooter sind vielleicht umweltschonender als PKW, doch macht sie das allgemein zu umweltschonenden Verkehrsmitteln?

Nach der Benutzung müssen E-Scooter in der Regel nicht zurück zu einer Ladestation gebracht werden. Daher gestaltet sich der Aufladeprozess häufig nicht umweltfreundlich: Transporter fahren nachts durch die Städte, sammeln die Scooter ein und laden die Akkus auf.

Bei den Anbietern Lime und Bird gibt es mittlerweile immerhin eine alternative Methode: Privatpersonen sammeln die Scooter ein und laden sie zuhause an ihren Steckdosen. Allerdings fragt sich, wie viel Erfolg diese Variante haben wird. Wie viele Menschen sind bereit die Scooter mit nach Hause zu nehmen und mit dem eigenen Strom aufzuladen? Immerhin erhalten die sogenannten „Juicer“ von Lime nur circa 4 Euro pro Scooter und das auch nur, wenn sie ihn vor 8 Uhr morgens zu 95 % geladen an eine vorgeschriebene Station gebracht haben. Umweltfreundlich ist diese Version allerdings auch nicht immer, nicht jeder Juicer führt seine Aufsammel- und Abgabeaktion zu Fuß durch, viele fahren auch mit dem Auto.

Der Anbieter Tier bringt im November ein neues Scooter-Modell auf den Markt, das über herausnehmbare Akkus verfügt. Statt die gesamten Scooter zum Laden einzusammeln, will der Anbieter von nun an lediglich den Akku wechseln.

Auch der Strom, mit dem die Scooter fahren, wird nicht unbedingt immer aus nachhaltigen Energiequellen gewonnen. Bei Lime und Bird kommt es vor allem darauf an, woher der „Juicer“ seinen Strom bezieht. In deutschen Haushalten stammen laut „Jahresauswertung zur Stromerzeugung in Deutschland“ (2018) vom Frauenhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) gerade einmal 40 % Strom von erneuerbaren Energiequellen.

Auch wenn die Scooter von den Firmen selbst geladen werden, handelt es sich bei dem Strom nicht immer ausschließlich um Ökostrom. Manche Anbieter, wie beispielsweise Circ, äußern sich zu dieser Thematik gar nicht. Tier redet immerhin gerade „mit verschiedenen Anbietern, um zu einem möglichst hohen Anteil an Ökostrom zu kommen, und im Idealfall ausschließlich Ökostrom zu benutzen“.

Lime E-Scooter
Lea Bauer
Zum Laden werden Lime-E-Scooter von Privatpersonen, sogenannten Juicern, eingesammelt und zuhause geladen.

Genauso spricht auch die Lebensdauer der Scooter nicht für ihre Umweltfreundlichkeit. Das deutsche Umweltbundesamt hat bereits unbestätigte Zahlen aus Kentucky, Louisville (USA) vorliegen, die bei Verleihern von E-Scootern auf eine relativ kurze Nutzungsdauer von 28 bis 32 Tagen hinweisen. Teilweise wird auch von drei Monaten gesprochen, manche Verleiher geben inzwischen immerhin Lebensdauern von über 12 Monaten an.

Die anschließende Herstellung neuer Exemplare ist vor allem auf Grund der Akkus energieintensiv und ressourcenaufwendig. Beim Akku handelt es sich in der Regel um einen Lithium-Ionen-Akku. Diese Akkus können Kobalt, Nickel, Kupfer, Aluminium und andere teilweise kritische Rohstoffe enthalten. Diese Bestandteile stammen aus weit entfernten Ländern, Kobalt zum Beispiel zur Hälfte aus dem Kongo, wo sie teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen aus den Tiefen der Erde gewonnen werden. m Kongo gibt es einige illegale Mienen, die nicht kontrolliert werden und dadurch einsturzgefährdet sind. Kinderarbeit und Sklaverei sollen hier keine Einzelfälle sein. Genauso sind leider auch Kriege um Rohstoffe keine Ausnahme. Neben den Auswirkungen für die Menschen, ist auch die Umwelt von der Rohstoff-Gewinnung betroffen. Dass gerade die Bohrungen bis tief in die Erde kein umweltfreundliches Vorgehen sind, muss wohl nicht weiter erläutert werden.

In der Regel sind in E-Scootern ähnliche Akkus wie in E-Bikes verbaut. Die CO2-Bilanz der Herstellung einer solchen Lithium-Ionen-Batterie entspricht laut Alexander Jung, Mobilitätsexperte bei der Agora Verkehrswende (Thinktank der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation), in etwa einer Bahnfahrt von Berlin nach Köln.

Die Entsorgung der E-Scooter darf natürlich nicht über den Hausmüll erfolgen. Sie müssen zu Wertstoffhöfen gebracht oder bei großen Händlern, etwa Elektromärkten abgegeben werden. Der Akku muss vor der Entsorgung des E-Scooters, falls dies möglich ist, herausgenommen werden und in der Altbatteriesammlung landen.

Eine EU-Richtlinie schreibt allen Mitgliedstaaten vor, lithiumhaltige Batterien (wie die Akkus der E-Scooter) zu mindestens 50 % zu recyclen. Falk Petrikowski vom Umweltbundesamt weißt darauf hin, dass dieser Prozentsatz zum Großteil bereits durch die automatisierte oder manuelle Demontage von Hülle, Verkabelungen und Komponenten zur Kühlung der Zellen erreicht werden kann.

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E-Scooter als Autoersatz?

  •  Reichweite
  •  Übergangsmedium
  •  Umwelteinflüsse
  •  Transport
  •  Bequemlichkeit
  •  Nutzungsverhalten

Diese Frage, ob E-Scooter als Autoersatz fungieren können, kann nur mit einem „kommt drauf an“ beantwortet werden. Bei kurzen Strecken, die der Nutzer ansonsten auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen kann, ist der E-Scooter sicherlich eine gute Alternative. Gerade die Leih-Scooter von Lime sollen bis zu 60 km zurücklegen können. Auf Grund des Komforts ist allerdings trotzdem davon auszugehen, dass die wenigsten Strecken von über 10 Kilometer auf dem E-Scooter zurücklegen werden. Als Autoersatz kann der Scooter daher nur bei Kurzstrecken dienen. Gerade wenn das Ziel zu Fuß nicht rechtzeitig erreicht werden kann, schafft der E-Scooter Abhilfe.

Am sinnvollsten ist wohl die Verwendung des E-Scooters als Übergangsmedium, zum Beispiel um vom Eigenheim zu einer Bahnhaltestelle zu gelangen.

Allerdings können äußere Umwelteinflüsse dafür sorgen, dass selbst kurze Strecken mit dem Auto gefahren werden: Wenn es regnet, kalt ist, oder der Wind weht, sträuben sich vermutlich einige davor, zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren. Auf den E-Scooter wird die Wahl hier dann wohl auch nicht fallen.

Lime E-Scooter
Lea Bauer
Ausflüge mit E-Scootern? Die Transportmöglichkeiten schränken ein.

Zudem sind die Transportmöglichkeiten am E-Scooter sehr eingeschränkt. Klar, der Rucksack kann auf dem Rücken getragen werden, aber sonst? Größere Transporte wie ein Paket oder die Aktentasche mit dem E-Scooter? Eigentlich undenkbar.

Ein Argument kann bei den Scootern allerdings nicht angeführt werden: Zu faul zum E-Scooter fahren wird wohl niemand sein. Aufsteigen und losfahren!

Zum Nutzungsverhalten gibt es bereits erste Studien: Bei der Datenerhebung „Usages et usageres des Trottinettes électrique en free-floating en france“ von 6t-bureau de recherche wurden 2019 über 4000 Verleih-E-Scooter-Nutzer in Paris befragt. Die Umfrage zeigt, dass 44 % der Befragten ohne Roller zu Fuß gegangen wären, 30 % hätten den öffentlichen Nahverkehr genutzt und 12 % wären per Fahrrad ans Ziel gekommen. Insgesamt hat der Scooter daher zu 86 % Verkehrsmittel ersetzt, die ohnehin umweltschonend sind.

Jetzt sind Sie gefragt:

Umfrage

Welche Fortbewegungsart könnte der E-Scooter für Sie am ehesten ersetzten?
15 Mal abgestimmt
Zu Fuß gehen
Fahrrad fahren
Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Auto- oder Taxifahrten
Sonstiges

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Alles was Sie über E-Bikes wissen müssen

E-Scooter vs. E-Bike
Lea Bauer
Auch wenn das E-Bike nicht perfekt gefedert ist, wurde ich nicht unangenehm durchgeschüttelt.

E-Bikes sind schon länger Verkehrsmittel im deutschen Verkehr. Es wird zwischen Pedelecs und S-Pedelecs unterschieden. Pedelecs unterstützen den Fahrer nur bis zu 25 km/h, während S-Pedelecs auf 45 km/h kommen können.

Mittlerweile gibt es einige Unternehmen, die Pedelecs zum Leihen anbieten. In Stuttgart gibt es die Firma RegioRad, in ganz Deutschland kommen Mobike, Jump, Limebikes und weitere Anbieter zum Einsatz. Die Firmen Mobike, Jump und Limebikes funktionieren ähnlich wie die Scooter-Verleiher: Mit einer App werden die Bikes geliehen, anschließend können sie stationsungebunden wieder abgestellt werden.

Die RegioRad-Modelle hingegen müssen an ausgewiesenen Stationen zurückgegeben werden. Neben E-Bikes bietet der Anbieter auch Lastenbikes und normale Räder an.

E-Bikefahren = umweltfreundlich?

  •   Aufladeprozess
  •   verwendeter Strom
  •  Herstellung
  •  Lebensdauer
  •  Entsorgung

Es liegt auf der Hand, warum E-Bikes häufig als guter Ersatz für Autos angesehen werden: Sie verursachen deutlich weniger CO2-Emissionen, Feinstaub und Stickstoffoxide als PKW. Normale Fahrräder haben diese Vorteile zwar auch, doch für die meisten Fahrer wären langen Distanzen und hohen Geschwindigkeiten ohne Unterstützung vermutlich zu anstrengend. Allerdings gibt es ähnlich wie beim E-Scooter auch einige Aspekte, die gegen die Umweltfreundlichkeit von E-Bikes sprechen können.

Je nach Anbieter müssen die Pedelecs nach der Fahrt wieder zu einer Station gebracht werden. Dort können sie dann auch direkt aufgeladen werden. Der Aufladeprozess gestaltet sich hier daher um einiges leichter als beim E-Scooter. Es bleibt allerdings fragwürdig, woher die Anbieter ihren Strom beziehen. Zudem gibt es beispielsweise bei RegioRad teilweise nur zwei Ladesäulen an einer Bike-Station. Sind diese besetzt, wenn der Fahrer sein Pedelec abgeben möchte, kann dieses nicht sofort geladen werden. Damit doch noch eine Ladung erflogt, muss das Pedelec zu einem späteren Zeitpunkt umgeparkt werden – es fragt sich, wer diese Aktion vollbringt. Wie bereits erwähnt, gibt es zudem einige Anbieter, bei denen die Bikes nicht zurück zur Station gebracht werden müssen. Dann ist der Aufladeprozess genauso umweltbelastend wie bei den E-Scootern.

RegioRad Pedelec
Lea Bauer
Die Pedelecs von RegioRad können nur an blauen Stationen geladen werden.

Genauso wie beim E-Scooter ist auch im E-Bike ein Lithium-Ionen-Akku verbaut. Daher treten hier die gleiche Umweltprobleme wie bei der E-Scooter-Herstellung auf.

Allerdings gibt es für E-Bike-Fahrer eine kleine Entwarnung: Laut dem deutschen Umweltbundesamt sind die CO2-Emissionen der Akkuproduktion nach durchschnittlich 165 Kilometern, die man mit dem E-Bike statt mit dem Auto fährt, kompensiert. Spätestens dann ist der Fahrer mit dem E-Bike umweltfreundlicher unterwegs als mit einem Benzin- oder Diesel-Auto. Die Problematik der Inhaltsstoffe (Kobalt, Nickel,...) bleibt allerdings bestehen.

Auch in puncto Lebensdauer hat das Pedelec im Vergleich zum E-Scooter die Nase vorne. Die Akkus halten je nach Herstellerinformationen zwischen 500 und 1000 Voll-Ladezyklen. Insgesamt entspricht das einer Lebensdauer von circa fünf Jahren.

Die Entsorgung gestaltet sich bei Pedelecs genauso wie bei E-Scootern. Sie dürfen nicht in den Hausmüll und müssen zu ausgewiesenen Wertstoffhöfen gebracht oder in Fahrradfachmärkten abgegeben werden. Natürlich sollte auch hier der Akku zuvor entnommen werden und bei der Altbatteriesammlung landen. Auch in puncto Akku-Recycling gilt hier die Vorschrift von 50%.

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E-Bike als Autoersatz?

  •  Reichweite
  •  Nutzungsverhalten
  •  Umwelteinflüsse
  •  Bequemlichkeit
  •   Übergangsmedium

Diese Frage ist äußerst schwierig zu beantworten. In der Theorie können Pedelecs Autos sicherlich stückweise ersetzen. Gerade bei kürzeren Strecken von ca. 40 Kilometern kann das Elektrobike problemlos eingesetzt werden – soweit die Akkureichweite ausreicht. Daher sind vor allem Pendler Zielgruppe des neuen Trends. Allerdings gibt es sowohl äußere als auch persönliche Bedingungen, die den Griff zum E-Bike erschweren können. So kann es zum Beispiel sein, dass der Fahrer auf Grund von Wind und Regen, doch wieder das Auto verwendet, oder der Pendler schlicht zu faul zum Radfahren ist.

Um die Frage noch einmal direkt zu beantworten, kann die Studie von fahrrad.de mit ca. 1.000 Teilnehmer im Alter zwischen 20-70 Jahren herangezogen werden. 50% der Befragten waren der Meinung, dass das E-Bike das Auto stückweise ersetzen kann. 28% glauben, dass das E-Bike weitestgehend an die Stelle des Autos im Stadtverkehr treten kann. Gerade einmal 16% denken, dass das E-Bike nicht dazu beiträgt, dass das Auto stehen gelassen wird.

Kurz zum Nutzungsverhalten: Fahrräder (auch Pedelecs) werden laut Fahrrad Monitor 2019 (eine Online-Befragung mit 3.053 in Deutschland lebenden Personen zwischen 14 und 69 Jahren) zu 66 % mindestens ein paar mal im Monat für kurze Erledigungen wie beispielsweise zum Einkaufen genutzt. 51 Prozent der Berufstätigen nutzen mindestens ein paar mal pro Monat das Rad auf dem Weg zur Arbeits- oder Fortbildungsstätte, 58 Prozent auf dem Weg zur Bildungsstätte (Schule/Universität/Ausbildung).

RegioRad Pedelec
Lea Bauer
Akkureichweite und Motorleistung bestimmen die Einsatzmöglichkeiten des E-Bikes und inwieweit es das Auto ersetzen kann.

Umwelteinflüsse und Bequemlichkeit: Des Weiteren wurden bei der Studie Gründe identifiziert, warum manche Pendler bei ihren Kurzstrecken nicht zum Fahrrad (egal ob Pedelec oder normales Rad) greifen: 42 % sagen, dass der Weg zu weit ist, 41 % bemängeln, dass sie beim Fahren Wind und Wetter ausgesetzt sind. Weitere 19 Prozent fahren nicht mit dem Rad zur Arbeit/Bildungsstätte, weil es ihnen zu gefährlich ist.

Ob Pedelecs auch bei längeren Strecken genutzt werden, hängt ganz vom Fahrer ab. Auch ohne elektrischen Antrieb gibt es einige Menschen, die nur mit ihrem Fahrrad weite Strecken zurücklegen. Diese Leute werden wohl auch ihr Pedelec an das 160 Kilometer entfernte Ziel steuern. Wer allerdings nicht so gerne Rad fährt, wird wohl die Finger von einer größeren Reise mit E-Bike lassen. Auch wenn die Transportmöglichkeiten für einen kürzeren Trip sicherlich ausreichen würden.

Natürlich kann das Fahrrad auch als Übergangsmedium verwendet werden. Bei der Umfrage des Fahrrad Monitor 2019 geben 8 Prozent (berufstätig) bzw. 25 Prozent (in Ausbildung) an, das Fahrrad mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kombinieren. Allerdings ist das nur möglich, wenn das Bike stationsunabhänig abgegeben werden kann oder an Ziel- und Startposition eine Leihstation in nächster Nähe vorhanden ist.

Jetzt sind Sie gefragt:

Umfrage

Welche Fortbewegungsart könnte das E-Bike für Sie am ehesten ersetzten, bzw. ersetzt es schon?
15 Mal abgestimmt
Zu Fuß gehen
Fahrrad fahren
Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Auto- oder Taxifahrten
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Zwischenfazit

Das E-Bike gewinnt den Umwelt-Vergleich! Bei Verrechnung der  und  Bewertungen kommt das E-Bike mit einem  davon, der E-Scooter hingegen schneidet mit sechs  ab.

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Straßenverkehrsregeln

  E-Scooter Pedelec
Verwendung von Radwegen und Radstrefen Vorgeschrieben (wenn nicht vorhanden, darf auf der Straße gefahren werden) Vorgeschrieben (wenn nicht vorhanden, darf auf der Straße gefahren werden)
Bremsen und Beleuchtungsanlagen Vorgeschrieben Vorgeschrieben
Fahren auf Gehwegen und in Fußgängerzonen Verboten Verboten
Führerschein Nicht notwendig Nicht notwendig
Mindestalter 14 Jahre Kein Mindestalter
Mindestalter Leihen 18 Jahre 18 Jahre
Max. Geschwindigkeit 20 km/h 25 km/h
Fahren mit Handy Verboten (Punkte in Flensburg) Verboten (55 Euro Strafe)
Fahren über eine rote Ampel Geldstrafe zwischen 60 und 180 Euro Geldstrafe zwischen 60 und 100 Euro und ein Punkt in Flensburg
Einbahnstraßen in entgegengesetzter Richtung befahren Nur, wenn es ein Straßenschild erlaubt Nur, wenn es ein Straßenschild erlaubt
Mitnahme im öffentlichen Verkehr Zusammengeklappt kostenlos, sonst mit Fahrrad-Fahrkarte Meist nur mit Fahrrad-Fahrkarte (Regelungen wie beim normalen Fahrrad beachten)
Alkoholpegel als Ordnungswiedrigkeit 0,5 - 1,09 Promille. Konsequenz: Bußgeldbescheid von 500 Euro, 1 Monat Fahrverbot und 2 Punkte in Flensburg  
Alkoholpegel bei Unfall gilt als Straftat Ab 0,3 Promille und/oder auffälliges Verhalten. Konsequenz: Geldstrafe, 2-3 Punkte in Flensburg, die Entziehung der Fahrerlaubnis, Sperrfrist und gegebenfalls eine Freiheitsstrafe Ab 0,3 Promille und/oder auffälliges Verhalten. Konsequenz: Geldstrafe und Punkte in Flensburg
Alkoholpegel als Straftat Ab 1,1 Promille. Konsequenz: Geldstrafe, 2-3 Punkte in Flensburg, die Entziehung der Fahrerlaubnis, Sperrfrist und gegebenfalls eine Freiheitsstrafe Ab 1,6 Promille. Konsequenz: 3 Punkte in Flensburg, Geldstrafe und medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU)
Gemeinsames Fahren Nicht erlaubt: Fahren im Doppelpack kostet 15 Euro Kinder dürfen in Anhänger oder Fahrrad-Kindersitz mitgenommen werden

In puncto Alkohol richtet sich die Regelung bei E-Scootern nach den Bestimmungen für Autofahrer. E-Bikes hingegen halten sich an die Richtlinien für Fahrräder.

Herne – hier greifen die Regeln eigenhändig durch

Die Stadt Herne hat sich digital abbilden lassen und die Karte mit Zusatzinformationen versehen. Wenn der Scooter sich der Fußgängerzone nähert, wird die Beschleunigung abgeschaltet und muss geschoben werden.

Übrigens: Herne ist die erste deutsche Stadt, die sich mit E-Scootern ausstattete.

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Weitere Problemfelder

Problemzeit Winter

UB Video Mehr Reichweite im Winter: 7 Tipps für E-Biker
Im Winter kann das Fahren eines Scooters oder Bikes gefährlich sein.

E-Scooter zählen bereits an warmen Tagen zu gefährlichen Verkehrsmitteln. Sie verfügen über keinerlei Knautschzone und ziemlich kleine Räder, die ins Wanken geraten können. Genauso sind aber auch Fahrräder Verkehrsmittel, die bei schwierigen Umweltbedingungen gefährlich sein können. Gerade dünne Reifen mit wenig Profil sind je nach Untergrund schwierig zu handeln. Wie sieht die Unfallgefahr im Winter aus, wenn die Straßen nur so von Glatteis überzogen werden?

„In der Regel sind Radwege im Winter schlechter oder später geräumt. Es ist also mit Rinnen im Schnee, Eisflächen oder Pickeln zu rechnen“, erklärt Siegfried Brockmann, Unfallforscher beim Verband der deutschen Versicherer. Probleme, mit denen sowohl Radfahrer als auch E-Scooter-Fahrer zu kämpfen haben. Der kleinere Raddurchmesser der E-Scooter könnte die Situation allerdings verschärfen.

Aus diesem Grund haben die E-Scooter-Anbieter teilweise vor, ihre Scooter bei schlechten Wetterbedingungen abzuschalten oder zu pausieren. Tier bringt zudem im November ein neues Scooter-Modell auf den Markt, das sich auch bei schlechtem Wetter besser fahren soll. Der Scooter kommt mit einem größeren Vorderrad, Hinterradantrieb, verbesserter Bremsleistung und einer helleren Beleuchtung. Des Weiteren verfügt er über ein erhöhtes Gewicht für bessere Bodenhaftung.

Die Bikesharing-Firmen hingegen wollen die Bikes im Winter auf der Straße lassen. Erst, wenn die Nachfrage rapide sinkt, sehr nied­rige Temperaturen herrschen oder viel Streusalz auf den Straßen liegt, behalten sie sich vor, die Bikes doch noch von den Straßen zu holen.

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Datenschutz – wie viele Daten sendet die App?

Laut Stiftung Warentest zahlen sowohl die User der E-Scooter-Apps von Circ, Lime, Tier und Voi als auch die der E-Bike-Verleiher mit ihren Daten. Die gemeinnützige Organisation ließ den Daten­strom zwischen den Apps und Servern im Internet von IT-Experten auslesen und will so herausgefunden haben, dass die Apps mehr Daten senden, als eigentlich zur Verwendung des jeweiligen Verkehrsmittels notwendig wären.

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Blinken? Wie soll das gehen?

E-Scooter vs. E-Bike
Lea Bauer
Das "Handzeichen" erfolgt auf dem Scooter mit dem Fuß.

Bei E-Bikes ist die Antwort ganz klar: Handzeichen. Doch beim E-Scooter? Einige Anbieter bieten mittlerweile E-Scooter-Kurse an, um Fragen wie diese zu beantworten. Beim Blinken wird geraten, statt des Handzeichens das Bein in die Richtung auszustrecken, in die gefahren werden soll. Wackelige Angelegenheit?

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Erste Skandale

In Marseille werfen Jugendliche E-Scooter in das Hafenbecken der Stadt. Die Bauteile eines E-Scooters sind biologisch nicht abbaubar. Darüber hinaus verschmutzt die Restladung des Akkus das Wasser und ist lebensgefährlich für die Unterwassertiere. Leicht zu bergen sind die Roller leider auch nicht: Teilweise liegen sie bereits auf dem Grund und müssen von Tauchern aus dem Wasser geholt werden.

Auch in Deutschland haben die neuen Verkehrsteilnehmer sicherlich schon Feinde. Es bleibt zu hoffen, dass hier zulande keine solchen Eskapaden vonstatten gehen.

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Reportage – Lea testet RegioRad und Lime in Stuttgart

Um die Vor- und Nachteile von E-Scootern und Pedelecs genauer zu untersuchen, habe ich die beiden Verkehrsmittel in Stuttgart getestet. In puncto E-Scooter habe ich mich für Lime entschieden, bei dem E-Bike kommt RegioRad zum Zug.

Zu Lime

Lime E-Scooter
Lime
In Stuttgart sind bereits die E-Scooter-Verleiher Lime und Voi tätig.

Lime ist eine E-Scooter-Verleihfirma, die in Amerika und Europa vertreten ist. Um einen Lime-Scooter entsperren zu können, muss der Fahrer den QR-Code des E-Scooters mit der Lime-App scannen, oder das Scooter-Kennzeichen in der App eingeben. Dann kann die Fahrt losgehen.

Nach der Fahrt kann der Scooter stationsunabhängig stehen gelassen werden. Der Fahrer muss nur beachten, dass er mit seinem Parkplatz keine anderen Verkehrsteilnehmer behindert, oder einen Bereich verwendet, der in der App als verboten markiert wurde. Zur Einfachheit hat Lime alle verbotenen Plätze rot markiert, und solche, die für die Scooter besonders gut geeignet sind, blau.

Um den Scooter wieder zu sperren, muss einfach der Button „Fahrt beenden“ gedrückt werden. Zur Bestätigung verlangt Lime zudem ein Foto des geparkten E-Scooters.

Ein vollgeladener Lime-Akku soll ca. 60 Kilometer lang halten. Genug um einen längeren Ausflug zu unternehmen oder die Stadt auf dem Scooter zu erkunden. Spaßbremse: Meist muss der Fahrer schnell sein und früh morgens einen Scooter leihen, wenn er möchte, dass er noch 100 % Ladung hat. Darüber hinaus könnten die eingeschränkten Transportmöglichkeiten und der beschränkte Nutzungsraum (meist dürfen die Scooter nur bis zu einem bestimmten Umkreis der Stadt genutzt werden) die Länge der Tour dämpfen.

Zu den Preisen

  • 1 Euro zum Entsperren
  • 0,25 Euro/ Minute

Lime gibt an, dass die Preise je nach Stadt, Wochentag und Tageszeit variieren können. Um also wirklich zu wissen, wie viel der Scooter kostet, muss ihn der Fahrer auf der Karte in der Lime-App anwählen und den angezeigten Tarif beachten.

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Zu RegioRad

RegioRad normales Bike
RegioRad
Neben Pedelecs bietet RegioRad auch Fahrräder ohne Unterstützung (Bild) an.

RegioRad ist die einzige Pedelec-Verleihfirma in Stuttgart, bei der man die Bikes spontan und auch für kurze Strecken ausleihen kann. Bei anderen Verleihstätten kann man die Bikes nur tagesweise bekommen.

RegioRad gehört zu dem „Call a Bike“-Unternehmen der Deutschen Bahn. Deutschlandweit werden über „Call a Bike“ Fahrräder, E-Bikes und teilweise auch Pedelecs angeboten. In Berlin heißt der „Call a Bike“-Service zum Beispiel LIDL Bike.

Die Bikes verfügen nur über eine Unterstützungseinstellung und 5 Gänge. Diese sollen aber laut eigener Angabe für alle Fahrten ausreichen.

Wichtig: Ausgeliehene Bikes müssen nach der Fahrt wieder an einer Station abgegeben werden, sie dürfen nicht, im Gegensatz zu den E-Scootern, irgendwo platziert werden. Längere Ausflüge sind hier daher auch nicht wirklich möglich, das Bike kann nur so weit aus der Stadt geführt werden, wie es Abgabestationen in der Umgebung gibt.

Interessantes Gimmick: Beim Fahren erhält der Kunde sogenannte „Social Coins“, die er auf gemeinnützige und soziale Projekte in seiner Umgebung verteilen kann. Pro Social Coin spendet die Deutsche Bahn 0,01 Cent an das ausgewählte Projekt.

Zu den Preisen

  Basis polygoCard
Je Minute 0,12 Euro 0,10 Euro
Je weitere halbe Stunde 4 Euro 3 Euro
Tagespreis 22,50 Euro 12 Euro

Unabhängig davon, ob sich der Fahrer für die Basic-, oder die polygoCard-Version entscheidet, muss er drei Euro bei der Anmeldung zahlen. Dieses Geld ist die Anmeldegebühr für ein Jahr.

Zum Glück: Egal ob der Fahrer vor Fahrtantritt den Tagestarif gewählt hat, oder nicht, der Preis für die Leihe an einem Tag übersteigt nie den Preis des Tagestarifs.

Interessant: Bei normalen Bikes ohne elektrischen Antrieb, ist die erste halbe Stunde bei Verwendung der polygoCard kostenlos.

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Der Test

Nach dem allgemeinen Vergleich von E-Bike und E-Scooter, kommen wir nun zu meinen persönlichen Erfahrungen.

Der Anmeldevorgang

Leihprozess
Lea Bauer
Die RegioRad-App hilft beim Bike-Leihen.

Bevor ich mit der Testfahrt beginnen konnte, musste ich erstmal die Apps downloaden. Beide Anbieter sind einfach im App-Store zu finden und stehen kostenlos zum Download zur Verfügung. Bei der RegioRad-App ist dann allerdings eine kostenaufwändige Registrierung notwendig, bei Lime ist sie kostenlos.

Auf Grund meiner eigenen Unüberlegtheit kostete mich der Anmeldeprozess bei RegioRad eine Stunde: Statt einer Handynummer trug ich fälschlicherweise meine Haustelefonnummer ein. Als mir das RegioRad-Team dann eine Registrierungs-SMS schicken wollte, war dies natürlich nicht möglich. Also musste ich bei den netten Mitarbeitern anrufen. Die Nummer im Impressum schickte mich allerdings zur falschen Zentrale. Der Mann am Apparat konnte mir dann glücklicherweise die richtige Nummer geben und das Schlamassel beenden.

Die Anmeldung bei Lime verlief glücklicherweise problemlos.

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Die Teststrecke

Nach dem Drunter und Drüber war es dann endlich so weit, mein Test konnte beginnen: E-Scooter vs. E-Bike.

Um E-Scooter und E-Bike miteinander vergleichen zu können, bin ich zwei Teststrecken gefahren. Die erste Strecke führte von meinem Zuhause zur Motorpresse, die zweite Strecke von der Motorpresse zum Hauptbahnhof. Strecke 1 diente dazu, herauszufinden, mit welchem Verkehrsmittel ich schneller an mein Ziel gelange, bei Strecke 2 ging es vor allem um mein Feeling. Wie fühle ich mich auf dem E-Scooter/dem E-Bike in der Stadt, wenn ich auf derselben Straße wie die Autos fahren muss, oder mir viele Passanten entgegenkommen?

Teststrecke 2
komoot
Strecke 2: Die roten Punkte mit dem Fahrrad darüber zeigen an, wo die RegioBike-Stationen sind.

Um das Ergebnis nicht durch meine Unsicherheit zu verfälschen, habe ich die Zeit jeweils auf dem Rückweg gemessen. So hatte ich mich bereits an das Verkehrsmittel gewöhnt.

Natürlich wohne ich nicht direkt bei der RegioRad-Station und auch der Scooter stand nicht direkt vor meiner Tür. Daher musste ich bei meiner Zeitberechnung von Strecke 1 noch jeweils den Fußweg zum Verkehrsmittel dazu berechnen. Der Scooter war 1,15 Minuten Laufweg entfernt, die E-Bike-Station 2,50 Minuten.

Teststrecke 1
komoot
Strecke 1: Der grüne Punkt mit dem Scooter darüber zeigt an, wo ich den Lime-Scooter gefunden habe. Die roten Punkte mit dem Fahrrad kennzeichnen die RegioBike-Stationen.

Anschließend dauerte die Fahrt mit dem E-Bike 15 Minuten, der E-Scooter brauchte nur 11,30. Allerdings gilt zu beachten, dass ich das E-Bike gegen Ende der Fahrt ohne Unterstützung fahren musste.

Angekommen bei der Motorpresse konnte ich den E-Scooter ziemlich direkt vor der Tür abstellen. Insgesamt war ich also nach 12,45 Minuten an meinem Ziel. Das Pedelec musste ich natürlich wieder zurück zur Station bringen. Diese lag ca. 2,30 Minuten Laufweg entfernt. Insgesamt dauerte mich die Tour mit dem E-Bike daher 19,80 Minuten, ganze 7,35 Minuten länger als mit dem E-Scooter.

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Erfahrungen bei der E-Bike-Fahrt

E-Scooter vs. E-Bike
Lea Bauer
Bis 25 km/h gibt's Unterstützung, bergab wurde ich aber noch schneller.

Zuerst startete das E-Bike ins Rennen. 2,50 Minuten entfernt von meinem Zuhause war auch schon die erste Leihstation mit zwei Pedelecs. Allerdings sollten die Startschwierigkeiten vom Anfang noch immer nicht ganz vorüber sein. Kurz gesagt: Ich entsperrte drei Bikes. Und, um das Ganze noch zu toppen, ein Bike darunter war nicht mal ein Pedelec.

Wie es dazu kam? Bei dem Entsperrungsprozess war eine Fehlermeldung auf dem Handy zu sehen, die mir mitteilte, dass ich das Bike nicht entsperren konnte. Dumm nur, dass ich es bereits entsperrt hatte. So recht weiß ich immer noch nicht, warum die Fehlermeldung erschienen ist. Vermutlich habe ich wieder wild auf dem Handy herumgedrückt und RegioRad dachte, ich wolle das geliehene Bike erneut leihen. Tipp von mir daher: Ruhe bewahren.

Wie es dazu kam, dass das eine Bike kein Pedelec war? Ich bin fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die RegioRad-Farben eine Bedeutung haben. Allerdings steht grau nicht für Pedelec, weshalb ich ein graues Straßenbike entsperrte.

Nach einer halben Stunde waren die überflüssigen Bikes dann wieder gesperrt und ich saß auf einem Pedelec mit 49 % Ladung. Die Fahrt gestaltete sich zunächst ziemlich problemlos. Zwar hatte das Bike weder vorne noch hinten eine Federung, doch so wirklich durchgeschüttelt wurde ich trotzdem nicht. Egal ob bergauf oder bergab, Unterstützung und Bremsen ließen mich nicht im Stich. Einen weiteren Daumen hoch gibt es für den Gepäckträger, auf dem ich meine Tasche problemlos und sicher befestigen konnte. Genauso sind auch die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten top. Der Sitz kann einfach auf die eigene Größe eingestellt werden.

Irgendwann wurde ich dann allerdings wieder von meinem Pech eingeholt. Am Hauptbahnhof, dem Ende meiner Tour, gab es keine Abgabestation in nächster Nähe. Da ich mich zuvor natürlich nicht informiert hatte, musste ich ein Stück meines Wegs zurückfahren. Daher mein Tipp: vorher informieren, wo das Bike abgegeben werden kann.

Teststrecke 2
komoot
Strecke 2: Die roten Punkte mit dem Fahrrad darüber zeigen an, wo die RegioBike-Stationen sind.

Leider war das immer noch nicht alles. Auf dem Rückweg streikte irgendwann meine elektrische Unterstützung. Eine bestimmte Art des Tretens holte sie für kurze Zeit zurück, bis sie erneut verschwand. Ohne Unterstützung fährt sich das Bike natürlich anstrengender als ein normales Fahrrad, weswegen die Fahrt sehr ermüdend war.

Kurzes Fazit: Wenn die Unterstützung funktioniert, macht das Fahren Spaß. Auch wenn ich manchmal auf die Straße ausweichen musste, weil der Fahrradweg zu Ende war, habe ich mich nie unsicher gefühlt. Allerdings wiegt das Bike ziemlich viel, was das Einparken in die Abgabestationen erschwert hat.

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Erfahrungen bei der E-Scooter-Fahrt

E-Scooter vs. E-Bike
Lea Bauer
Bei 20 km/h stellt die Handykamera nicht mehr scharf.

Beim E-Scooter verlief der Leihprozess problemlos. Ich musste den QR-Code am Lenker scannen, den Scooter entsperren und los ging die Fahrt. Top: Beim Entsperrungsprozess bekommt der Fahrer eine kurze Einführung in sicheres E-Scooter-Fahren. Lime empfiehlt, erst etwas mit dem Fuß anzustoßen, dann auf den Roller zu steigen und Gas zu geben.

Das erste Gefühl auf dem Scooter war Unsicherheit. Der Gashebel reagiert ziemlich empfindlich und erhöht die Geschwindigkeit sehr schnell. Daher hatte ich am Anfang manchmal das Gefühl, bald über den Lenker geschleudert zu werden – ist aber natürlich nicht passiert.

Lime E-Scooter
Lea Bauer
Traditionell: Die Hinterradbremse wird mit dem Fuß betätigit.

Die Bremsvorrichtung fand ich auch etwas gewöhnungsbedürftig. Die Hinterradbremse des Scooters befindet sich oberhalb des hinteren Reifens und muss mit dem Fuß betätigt werden. Trotz guter Koordination besteht Gefahr, die Position in brenzlichen Situationen nicht zu treffen.

Darüber hinaus wurde ich ziemlich durchgeschüttelt. Der Lime-Scooter verfügt zwar über eine Federung vorne, konnte jedoch nicht die Unebenheiten der Pflastersteine ausgleichen. Nach der Fahrt fühlten sich meine Gliedmaßen daher zunächst etwas wackelig an. Damit die Fahrt richtig Spaß macht, muss der Untergrund daher eigentlich ziemlich eben sein.

In puncto Gewicht ist der E-Scooter ähnlich unhandlich wie das E-Bike. Das empfohlene Anstoßen am Anfang hat den Scooter nur sehr dürftig in Bewegung versetzt, Schieben war auch nicht wirklich angenehm. Transportieren kann man auf dem Lime-Scooter eigentlich nichts, der Rucksack muss also auf die Schultern genommen werden.

Kurzes Fazit: Zunächst fühlte ich mich unsicher auf dem Scooter, das legte sich dann aber mit der Zeit. Insgesamt hat das Fahren Spaß gemacht, zumindest solange der Untergrund eben war.

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Benutzerfreundlichkeit

E-Scooter vs. E-Bike
Lea Bauer
Vor Fahrtantritt gibt Lime Tipps zum Scooter-Fahren: Bevor der Gashebel betätigt wird, soll der Scooter ein wenig angestumpt werden.

Bei der Benutzerfreundlichkeit hat der E-Scooter die Nase vorne. Ich habe direkt verstanden, wie ich den E-Scooter entleihen kann. Während der Fahrt zeigte das Display dann Geschwindigkeit und Akku-Ladung an. Genauso intuitiv war auch die Abgabe des Rollers: Im erlaubten Bereich abstellen, sperren und ein kleines Foto schießen – fertig.

Die App hat mir auch ziemlich gut gefallen. Eine Karte hat genau gezeigt, wo ich mich befinde und wo der nächste Roller ist. Zudem konnte ich bereits abrufen, wie viel Ladung der Scooter hat und wie viele Kilometer er vorraussichtlich noch schaffen wird. Entgegen der Datenschutz-Bedenken von Stiftung Warentest, wurde ich von der App nach äußerst wenigen Daten gefragt. Ich musste weder Adresse, E-Mail, noch meinen Namen angeben.

Wie bereits erwähnt, fand ich den Leihprozess des RegioRads etwas verwirrend. Die Anweisungen waren sehr kurz und nicht wirklich ausführlich. Der Ensperrungsknopf am Fahrrad musste ich beispielsweise lange suchen – er war etwas unter dem Gepäckträger versteckt. Nachdem ich den Prozess allerdings einmal verstanden hatte, war er ziemlich einfach und schnell zu erledigen. Mein Tipp ist trotzdem, vor dem Entsperren die Sitzhöhe einzustellen und das Gepäck auf dem Gepäckträger zu verstauen. Dann muss man für diese Zeit noch nicht zahlen.

Während der Fahrt war es mir nicht möglich, meinen Akku-Stand abzurufen – daher auch die Strampeleinheit am Ende meiner Tour. In der Bike-Bedienungsanleitung gibt RegioRad an, den Ladezustand aus Sicherheitsgründen nicht während der Fahrt, sondern nur im Stand nach Öffnungsvorgang des Schlosses zu aktualisieren.

Die Rückgabe fiel mir etwas leichter, immerhin hatte ich den Grundprozess mittlerweile zu Genüge gemeistert (wegen der drei geliehenen Bikes am Anfang).

In puncto App hat mich RegioRad leider auch nicht komplett überzeugt. Aus irgendeinem Grund konnte mir die App meinen Standort nicht anzeigen, obwohl ich ihr die Erlaubnis erteilt hatte.

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Batteriecheck und Preisvergleich

Akku-Detail
RegioBike
An den RegioRad-Stationen gibt es Ladeplätze für die Pedelecs.

In puncto Batterie liegen E-Scooter und E-Bike ziemlich gleichauf. In 22 Minuten (2,9 km) entlud sich das E-Bike um 13 %, der E-Scooter um 13,5 %.

Lime gibt an, ein vollgeladener Scooter würde 60 Kilometer lang halten. Ich habe mein Ergebnis hochgerechnet und herausgefunden, dass sich der Akku nach ca. 21,5 Kilometern vollkommen entladen haben müsste.

Allerdings wird die Elektronik nicht immer gleich stark beansprucht. Bergab beispielsweise habe ich keine Tretunterstützung gebraucht und auch beim Scooter nicht wirklich aufs Gas gedrückt. Bergauf hingegen muss vor allem der E-Scooter ganz schön arbeiten und auch der E-Bike-Motor wird an seine Grenzen gebracht. Die Entladung kann daher von Strecke zu Strecke variieren. Bezogen auf die gemessenen Angaben allerdings, würde ein vollgeladener Akku jeweils ca. zweieinhalb Stunden halten.

Zum Schluss noch ein paar Worte über den Preis: Bei RegioRad zahlte ich 5,42 Euro für meine Testfahrten hin- und zurück (ca. 40 Minuten). Hierbei ist natürlich zu beachten, dass ich 1,12 Euro für die falsch geliehenen Bikes zahlen musste. Der E-Scooter-Ausflug kostete mich 10,58 Euro für dieselbe Tour hin und zurück (ca. 38 Minuten). Der E-Scooter ist somit definitiv der teurere Spaß.

Daumen hoch für RegioRad: Meine gesamte Fahrt von einer Stunde und 22 Minuten brachte 400 Social Coins. Damit kann ich 4 Euro an ein Projekt meiner Wahl spenden lassen.

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Fazit

E-Scooter vs. E-Bike
Lea Bauer
Sowohl der getestete E-Scooter als auch das E-Bike sind ausbaufähig.

Tatsächlich ist es relativ schwer einen Testsieger zu bestimmen. Bei der RegioRad-Testfahrt ist einiges schiefgelaufen, der E-Scooter schneidet zwar im Test recht gut ab, kann aber in meiner Recherche und vor allem in puncto Umwelt nicht überzeugen. Das RegioRad enttäuschte mit verwirrendem Entsperrungs- und Rückgabeprozess. Zudem fehlte irgendwann die Unterstützung und die Abgabe an festen Stationen war zeitaufwändig. Der E-Scooter floppte dafür in puncto Sicherheitsgefühl, lieferte eine äußerst wackelige Fahrt und hatte keine gute Transportmöglichkeit zu bieten.

Meiner Meinung nach sind die getesteten Verkehrsmittel in unterschiedlichen Bereichen anzusiedeln. Während der E-Scooter vor allem bei kurzen Strecken Sinn macht, eignet sich das Bike tatsächlich eher für längere Fahrten.

Der Lime-Scooter ist extrem leicht auszuleihen und somit ideal für spontane Fahrten geeignet. Wenn der Passant beispielsweise weiß, dass er sein Ziel nicht mehr rechtzeitig zu Fuß erreichen wird, kann er schnell einen E-Scooter leihen. Dadurch spart er zwar zunächst nur seinen Fußweg, doch wenn das Ziel beispielsweise die Bahnhaltestelle ist, wäre er ohne Scooter womöglich die gesamte Strecke (Fuß- und Bahnweg) mit dem Auto gefahren.

Nicht so gut: Leider ist die Fahrt sehr wackelig – vor allem bei unebenen Straßen. Mein Wunsch daher: bessere Federelemente, damit der Fahrer nicht so durchgeschüttelt wird. Um die Umweltfreundlichkeit zu verbessern sollte der Aufladeprozess zudem mittels entnehmbarer Akkus erleichtert werden. Dann ist es auch nicht mehr so notwendig ein Auto zum Einsammeln zu verwenden. Klar, günstiger könnte der Spaß auch sein.

Das RegioRad E-Bike hingegen lohnt sich meiner Meinung nach eher für längere, geplante Fahrten. Die Ausleihe ist etwas aufwändiger und die Abgabe muss an festen Stationen erfolgen. Diese Stationsbindung sorgt dafür, dass es zu keiner wirklich spontanen Fahrt kommen kann. Der Fahrer muss sich immer zuerst informieren, ob an seinem Zielort auch eine Station vorhanden ist. Die Fahrt selbst ist hier allerdings um einiges entspannter – zumindest solange der Akku noch ausreichend gefüllt ist. Mein Verbesserungswunsch ist daher: ein länger haltender Akku. Um den Komfort noch ein wenig zu verbessern, wären darüber hinaus Federelemente sinnvoll.

In manchen deutschen Städten gibt es bereits E-Bikes, die stationsungebunden abgegeben werden können. Solch eine Entwicklung halte ich nur für sinnvoll, wenn der Ladeprozess über entnehmbare Akkus erfolgt. Gerade bei Bikes, die um einiges größer und sperriger als Roller sind, würde der Aufladeprozess ansonsten äußerst nicht umweltfreundlich werden. Vorteil dieser Entwicklung: Das Bike lohnt sich auch bei spontanen kürzeren Strecken.

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Stadt-E-Bikes Test 2019 Fischer Viator Fischer Viator 5.0i Damen im Test (2019) Test: Fischer Viator 5.0i Damen

Fischer Viator 5.0i Damen im ELEKTROBIKE-Test

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