Georg Zeppin
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Vässla Bike: E-Scouter mit Sitzbank im Test

Lässig: E-Scouter mit Sitzbank Nicht Pedelec, nicht Scouter: Vässla Bike

Vässla Bike ist die schwedische Antwort auf die Vespa. Der puristische E-Roller ist weder ein E-Bike, kein E-Scouter und auch kein klassischer E-Roller. Mit der Form eines E-Bikes und der Lässigkeit eines Rollers schafft sich das Vässla-Bike seine eigene Kategorie.

Mit cleveren und innovativen Ansätzen Raum für pfiffige Lösungen zu schaffen schreibt sich die schwedische Firma Vässla auf ihre Fahnen. Die beiden Macher, Prof. Uwe Hager und Rickard Bröms, verstehen Mobilität nicht als eine eingleisige Eisenbahn, sondern als vielgefächertes Angebot an Möglichkeiten der Fortbewegung im urbanen Raum. Nicht eine Lösung sei denkbar, sondern Flexibilität im Angebot. Die Frage ist, wer wie lange unterwegs sei, also welche Reichweiten mit den Fahrzeugen erfoderlich sein müssen.

Vässla Bike als urbane Mittelstreckenlösung

Die beiden Visionäre analysierten, dass es zwischen den kurzen Strecken eines Scouters und den ausgedehnten Touren eines E-Bikes bislang noch keine passende Lösung gibt. Also ein Art Fahrzeug für urbane Mittelstrecken. Es soll sicherer und stabiler zu fahren sein als ein E-Scouter und gleichzeitig dessen angenehme – weil vollelektrischer Antrieb – Fortbewegung anzubieten ohne selbst treten zu müssen.

Aus dieser Idee heraus entstand das Vässla Bike. Es sieht ein bischen aus wie ein Tiefeinsteiger E-Bike, hat aber keinen Antriebsstrang. Es bewegt sich allein durch den Hecknabenmotor. Die 14 Zoll Laufräder gewähren ein kultiviertes Fahrverhalten, der Sattel oder Sitz stabilisiert die Fahrperformance als drittem Kontaktpunkt zum Körper wie bei einem Fahrrad. Die Wackelei eines E-Scouters kennt das Vässla Bike nicht. Der Antrieb ist kein Hybrid, es muss nicht selbst getreten werden: jeder kommt entspannt am Ziel an. Im Grunde ist es ein leichter E-Roller mit einfacher Handhabung. Mit handgewogenen 27,97 kg ist das Test-Vässla Bike fahrfertig (mit Akku) auch deutlich leichter als ein herkömmlicher E-Roller und kann immer noch – etwas Tragekraft vorausgesetzt – im Zweifel auch mal ein paar Stufen getragen werden. Das geht mit einem klassischen E-Roller nicht.

Dreistufiger Hecknabenantrieb

Der Hecknabenmotor im Vässla leistet 450 W und das Antriebssystem lässt sich in drei Stufen variieren: Stufe eins bescheunigt das Vässla bis 15 km/h, Stufe zwei bis 20 und Stufe drei bis zur Endgeschwindigkeit 25 km/h. Damit fährt der E-Roller genauso schnell wie ein E-Bike bei maximaler Unterstützung. Bergab rollt es ein klein wenig schneller. Da das Vässla Bike komplett ohne Muskelantrieb, nur mit Maschinenkraft schneller als 6 Km/h angetrieben wird, ist es eben kein Fahrrad mehr, sondern ein (Leicht-)Kraftfahrzeug und benötigt somit ein Versicherungskennzeichen.

Criusen ohne Anstrengung

Übung benötigt man im Grund keine, um mit dem Vässla zu starten: Aufsetzen, Spiegel ausrichten, einen Fuß auf die Fußraste und am Gasgriff drehen. Los geht’s. Rauf auf den kleinen Hügel, der Hecktriebler treibt Rad und Fahrer locker voran bis zur Höchstgeschwindigkeit der gewählten Unterstützungsstufe. Beim Kurvenfahren dagegen verlangt das Vässla ein wenig Steuerkunst. Es steuert sehr direkt und fährt sich ob der 14" Laufräder sehr agil. Wer abrupt verzögert wird überrascht sein, wie gut die mechanischen Scheibenbremsen von Tektro greifen. Ist man auf Tour, stellt man die Füße lässig mit den Versen auf die Fußrasten darf sich wie Dennis Hopper und Peter Fonda in Easy Rider fühlen. Einen Wheelie wird man mit dem Vässla nicht machen können, aber zum criusen ist der schlanke E-Roller klasse.

Akkukapazität mit 691 Wh ausreichend?

Im Sitzrohr integriert beherrbergt das Vässla Bike den 691 Wh Akku, der zum Laden herausgenommen werden kann. Vergleich: Beim einem Pedelec ist man mit 691 Wh im Akku schon sehr gut aufgestellt und sollte mindestens 80 Km mit einem Tank fahren können. Beim Vässla reicht’s nicht ganz so weit, aber rund 40 km sind immerhin drin. Vergisst man versehentlich – wie unser Tester – das Vässla am Hauptschalter am Rahmen abzuschalten, bleibt das Licht dennoch an. Dank LED ist der Stromverbrauch allerdings sehr gering und die Restkapazität im Akku bleibt auch nach einer Nacht mit angeschaltetem Licht noch weitgehend erhalten und verringert sich nur kaum merklich.

Wo darf man damit fahren?

Grundsätzlich muss das Vässla Bike auf die Straße. Da es unser Gesetzgeber als Leichtkraftrad ähnlich einem Mofa einstuft, darf es den Radweg leider nicht benutzen.

Es gibt allerdings ein paar Ausnahmen: Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen Mofas auch Radwege benutzen, § 2 Abs. 4 StVO. Wenn innerorts das Zusatzschild "Mofa frei" (VZ 1022-11) die Radwegbeschilderung ergänzt, dann dürfen Mofas und Mopeds bis 40 km/h bauartbedingter Höchstgeschwindigkeit auch auf den Radweg, auch das Vässla. Eine weitere Ausnahme besteht bei Fahrradstraßen, die durch eine entsprechende Zusatzbeschilderung für den Kraftverkehr geöffnet sind. Aber Achtung: Ein Befahren ist dann möglich, der Fahrradfahrer genießt aber unbedingten Vorrang.

Was kostet ein Vässla Bike?

Das Vässla Bike ist für 1995,- € entweder über die Homepage vassla.de oder über den stationären angeschlossenen Fachhandel zu beziehen. Dann darf man das Vässla Bike sein eigen nennen.

Darüber hinaus hat sich Vässla eine neue pfiffige Möglichkeit einfallen lassen: Im Vässla Club kann man eine Mitgliedschaft abschließen. Mit einer monatlichen Gebühr in Höhe von 79,- € (zzgl. einer einmaligen Einrichtungsgebühr in Höhe von 49,- €) darf man ein neues Vässla Bike inklusive Versicherung, Helm, Schloss und Service fahren. Diese Möglichkeit bietet Vässla bereits in Stockholm an und auch im Laufe des Jahres in Wien und Berlin. Vorab besteht die Möglichkeit für Interessierte sich auf eine Warteliste setzen zu lassen (vassla.de/club).

Fazit

Das Vässla Bike ist fährt sich sicher wie ein Fahrrad und so bequem wie ein Scouter. Mit einer Reichweite von ca. 40 Km ist es für Besorgungsfahrten oder zum Pendeln gut aufgestellt. Die Geschwindigkeit von maximal 25 km/h ist zwar nicht berauschend, jedoch im Vergleich zum E-Roller sparsamer und effizienter. Geschwindigkeit ist sicher relativ und ein Gewöhnungsfaktor. Hier limitiert der deutsche Gesetzgeber eine schnellere Variante. Die Klassifizierung als Leichtkraftrad schränkt leider die Nutzung des Vässla Bikes ein. Wäre die grundsätzliche Nutzung von Radwegen möglich, würde sich der Korridor, in welchem sich das Vässla Bike bewegen könnte, deutliche erweitert. Sowohl in Schweden und in Österreich darf sich diese Art Fahrzeug auf dem Radweg bedenkenlos bewegen. Die Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h sollte auch auf bundesdeutschen Radwegen kein Risiko darstellen. Sicherlich ist in der Diskussion noch Gestaltungsspuielraum für den Gesetzgeber vorhanden. Man muss es nur wollen.

Preislich liegt das Vässla mit 1995 auf Augenhöhe mit soliden E-Scootern und günstigen E-Bikes. Es kostet aber im Vergleich zu einem klassischer Marken E-Roller jedoch deutlich weniger und stellt diesbezüglich eine preisattraktive Alternative dar.

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