Cargobikes für City, Familie und Lastentransport
14 E-Lastenräder im Test

Cargobikes für privat: Die Anwendungsbereiche eines E-Lastenfahrrads sind vielseitig. Und ebenso bunt ist das Angebot. Doch welches Cargobike überzeugt in der Praxis? Wir haben 14 Modelle der Kategorien Long John, Longtail und Trike-Cargobike von Riese und Müller, Tern, Urban Arrow und weiteren Herstellern getestet.

Frau mit Kind und Hund unterwegs mit Babboe Cargobike
Foto: Babboe

Die Vorteile eines E-Lastenfahrrads liegen auf der Hand: Kind(er), Einkäufe und Waren, ja sogar Hunde, können damit emissionsfrei von A nach B transportiert werden. Dabei ist man schneller, verschwendet keine Zeit mit lästiger Parkplatzsuche und tut dabei noch was für die Gesundheit.

Welches E-Lastenfahrrad überzeugt in der Praxis?

Je nach Einsatzbereich empfehlen sich unterschiedliche Lastenrad-Typen: Beim Long John (Frontloader) sitzt der Fahrer hinten und die Last wird vorne befördert. Das Longtail transportiert die Waren auf seinem langen Heck, während der Fahrer vorne sitzt. Und das Cargobike-Trike hat vorne zwei Räder, dadurch wird die Last vorne gleichmäßig verteilt. Unser Test gibt Aufschluss über die Fahreigenschaften und Besonderheiten der einzelnen E-Cargobikes!

Unsere Highlights
Frau auf Riese & Müller E-Cargobike
Riese & Müller


10 Long Johns, 3 Longtails & 1 Cargotrike im Test
Longtail Lastenrad: Bergamont E-Cargoville LJ Expert
Anett Zeppin
Longtail Lastenrad E-Cargoville LT Expert

Fazit: Mit dem E-Cargoville LT baut Bergamont ein robustes Cargobike, dessen Fahreigenschaften jenen eines normalen E-Bikes nahekommen. Es eignet sich nicht nur als Lastenrad, auch der Ausflug mit den Sprösslingen am Heck ist erholsam.

Aus unerklärlichen Gründen scheinen die Bergamont-Techniker Newtons Gesetzmäßigkeiten außer Kraft setzen zu können; so einfach und elegant lässt sich das neue E-Cargoville LT fahren. Beim Anfahren hilft der Performance Line-Antrieb zu flüssiger Beschleunigung, in der Kurve neigt sich das Cargobike brav und steuert souverän hindurch. Auch ein unvorhergesehenes Hindernis am Kurvenausgang (parkendes Auto) konnte das LT nicht in Aufruhr versetzen: Noch mal schnell nachkorrigiert und das Rad nach innen gezogen, die Reifen hielten – trotz Gepäck am Heckträger – locker die Spur. Der für Touren entwickelte Performance Line-Antrieb kommt mit den Anforderungen eines Lastenrades im Wesentlichen gut zurecht. An steilen Stellen reagiert er etwas verhaltender als der Cargo-Motor, schafft aber auch mit Gepäck derartige Hürden. Beim LT trägt die Hauptlast von maximal 54 kg der großzügige Gepäckträger, der je nach Anforderung als Sitz- oder Ladefläche gestaltet werden kann. Zusätzlich nimmt der serienmäßige Frontträger nochmals 15 kg auf. Das Aufständern des beladenen Rades ist recht schwierig, einfach hingegen das Auf- und Absteigen.

Modell: BERGAMONT E-Cargoville LT Expert
Preis: ab 3899 Euro
Zum Hersteller Bergamont

Long John Cargobike: Bergamont E-Cargoville LJ Elite
Anett Zeppin
Long John Cargobike Bergamont E-Cargoville LJ Elite

Fazit: Das E-Cargoville LJ Elite ist ein gut durchdachtes E-Lastenfahrrad mit lastentauglichem Antriebsstrang, klasse Handling. Zahlreiches Zubehör ermöglicht eine individuelle Anpassung.

Aufsteigen und losfahren! Was wir häufig salopp formulieren, ist bei einem Cargobike oft nicht einfach umzusetzen: Die Masse in Bewegung zu setzen erfordert Übung. Bergamont hat sich beim einspurigen Cargoville LJ Elite genau dafür etwas einfallen lassen: Mittels versenkbarer Sattelstütze steht man zunächst fest auf dem Boden, der anschließende Spagat – das Anfahren – gelingt dann recht leicht. Und einmal in Fahrt gekommen, ist das LJ sehr gut zu beherrschen. Der kräftige Bosch Cargoline-Antrieb unterstützt potent, zum Beispiel am Übergang vom Flachen in eine Steigung hinein. Die Kombination aus Bosch-Motor mit der stufenlosen vollautomatischen Enviolo-Getriebenabe harmoniert prächtig. Beim Set-up wird einmal die bevorzugte Kadenz eingestellt und schon schaltet das System fortan automatisch. So können Sie sich aufs Fahren konzentrieren, das Schaltgetriebe passt die Gänge permanent auf die gewählte Kadenz an – auch wenn die Unterstützungsgrenze überschritten wird. Selbst wenn es ungewohnt ist, nicht selbst zu schalten – Sie werden es lieben! Bei einem Radgewicht von ca. 45 kg (je nach Ausstattung) dürfen noch gute 170 kg zugeladen werden, inklusive Fahrer. Preislich geht’s ab 4759 Euro los.

Modell: BERGAMONT E-Cargoville LT Expert
Preis: ab 3899 Euro
Zum Hersteller Bergamont

Long John Cargobike: Ca Go FS 200
Georg Zeppin
Long John Cargobike Fs 200

Fazit: Das Ca Go FS 200 ist ein Lastenrad, das sich sehr gut und sicher fährt. Außerdem haben die Macher sich über viele kleine Details Gedanken gemacht und diese prima gelöst.

Die noch junge Ca Go GmbH existiert erst seit 2018. Mit ihrem gleichnamigen Lastenrad haben die Koblenzer aber bereits ein dickes Ausrufezeichen in der Cargo-Szene gesetzt. Das Rad ist mit dem kräftigen Cargo Line-Motor von Bosch ausgestattet. Für komfortables Fahren sorgt die automatische Enviolo-Nabenschaltung, bei der der Fahrer seine Zieltrittfrequenz eingibt und sich während der Fahrt keine Gedanken mehr ums Schalten machen muss. Der wartungsarme Riemen rundet das stimmige Antriebskonzept ab. Beim Transportelement setzt das Ca Go auf eine sehr geräumige 200-Liter-Box aus EPP-Schaum. Die kann mit optionalen Zusatzelementen wie einem Deckel, bis zu zwei Kindersitzen, Sonnen- und Regencover ergänzt werden. Sehr gut: Die Wände der Box sind extra hoch gezogen, damit Kinder beim Transport optimal geschützt sind. Um trotzdem leicht in die Kiste klettern zu können, sind seitliche Trittstufen vorhanden. Das Ca Go fährt sich mit Beladung laufruhig und souverän, der Wendekreis ist trotz seiner Länge von 2,70 Metern angenehm klein. Das Lastenrad lässt sich über den zweibeinigen Ständer mit Gasdruckfeder problemlos auf- und wieder abbocken, der Durchstieg ins und aus dem Rad ist angenehm niedrig.

Modell: CA GO Ca Go FS 200
Preis: ab 6600 Euro
Zum Hersteller Ca Go Bike

Cargobike-Trike: Chike E-Kids
Mann auf Trike-Cargobike
Georg Zeppin
Cargobike-Trike Chike E-Kids

Fazit: Mit wenig Last leicht zu steuern, viel Last hingegen verlangt viel Übung.

Die erste Kurve bei der Testfahrt birgt ihren Reiz: Schafft man es oder nicht? Eingangs der Kurve gibt’s dann kein Zurück mehr: Mit Schweißperlen auf der Stirn und radlerischer Routine neigt man sich Richtung Kurveninneres und ist verblüfft, wie leicht sich das Chike mit der Neigungstechnik steuern lässt. Ein paar Kurven weiter sind alle Bedenken weggeblasen: Sicher steuert unser Testfahrer das dreirädrige E-Kids durch die Stadt – mit leichtem Gepäck. Doch wie fährt sich das Chike mit entsprechender Ladung? Kurzerhand platzierten wir einen jungen Menschen mit knapp 60 kg – gerade noch unter der max. Zuladung von 60 kg – in die Kabine und fuhren los. Nun verlangt das Chike einen festen Griff und vorausschauendes Fahren. Plötzliches scharfes Abbiegen erfordert viel Fahrtüchtigkeit und Erfahrung, ansonsten wirkt unweigerlich – dank über den Vorderrädern liegendem Schwerpunkt der Kabine – die Erdanziehungskraft. Unser Kabinentester monierte außerdem, dass er ohne Schutz direkt ganz vorne sitzt, was bei ihm unterwegs ein mulmiges Gefühl erzeugte. Losfahren und Anhalten dagegen ist auch beladen einfach: Die Neigetechnik kann im Sitzen ge- und entsperrt werden und ermöglicht diesbezüglich ein einfaches Handling des Chike.

Modell: CHIKE E-Kids
Preis: 5799 Euro
Zum Hersteller Chike

Long John Lastenrad: Cube Cargo Sport Hybrid
Georg Zeppin
Long John Lastenrad Cube Cargo Sport Hybrid

Fazit: Die sportlichen Gene sind beim Cargo Sport Hybrid spürbar. In Sachen Fahrperformance konnte das Rad überzeugen, der Grundpreis mit gut 4500 Euro ist außerdem attraktiv.

Das Cargo Hybrid von Cube gibt es in zwei Varianten: in Schwarz mit einer stufenlosen Enviolo-Nabenschaltung sowie in einer rot-blauen Sport-Version mit einer 10-Gang-Kettenschaltung von Shimano. Beide Versionen sind mit dem kräftigen Cargo Line-Motor von Bosch ausgestattet und kommen mit einem bzw. zwei 500-Wh-Akkus. Wir haben die Sport-Version mit 1000 Wh getestet, die zwei Batterien sind hier hochkant hinter der geräumigen Box angebracht, die mit maximal 60 Kilogramm beladen werden kann. Als Zubehör für die Box sind eine Sitzbank für Kinder und ein Regendeck erhältlich, für das Heck gibt es außerdem einen Gepäckträger. Die Lenkstange am Cube kann in der Höhe angepasst werden – praktisch, wenn unterschiedlich große Fahrer mit dem Rad unterwegs sind. Der breite Lenker verleiht dem Lastenrad ein wenig Mountainbike-Feeling – und sorgt gleichzeitig beim Fahren für eine laufruhige Straßenlage. Durch Kurven ließ sich das Cube ebenfalls sicher und souverän lenken. Vor und nach der Fahrt hatten wir keine Mühe, das Rad ab- und aufzubocken, da die beiden Standfüße weit auseinander liegen und dem Rad einen stabilen Stand bescheren. Lediglich der Durchstieg könnte für mehr Komfort etwas tiefer sein.

Modell: CUBE Cargo Sport Hybrid
Preis: ab 4549 Euro
Zum Hersteller Cube

Long John Lastenrad: Fischer Leo 1.0
Bjoern Haenssler
Long John Lastenrad Fischer Leo 1.0

Fazit: Kräftiger Motor, großzügige Transportbox, agil, günstiger Preis – was braucht man eigentlich mehr?

Wer ein bezahlbares Lastenrad sucht, sollte jetzt genau aufpassen: Das Leo 1.0 von Fischer gibt es für ein recht kleines Budget im Lastenradkosmos: 3499 Euro. Mit einer Gesamtlänge von knapp zwei Metern hat es die Dimensionen eines normalen Fahrrades, aufgebaut nach dem Long-John-Prinzip: Der Fahrer sitzt hinter der Transportfläche. Die ist beim Leo im Auslieferzustand mit einer Transportbox ausgestattet – ohne Aufpreis! Als wir aber den Hecknabenmotor entdecken, schütteln alle verwundert mit dem Kopf. Ein Lasten-E-Bike mit Heckmotor? Der kann nicht funktionieren? Bei der ersten Testfahrt sind wir positiv überrascht: Schon kurz nach dem Start zeigt sich der Fischer Silent Drive-Hecknabenmotor im Leo unerwartet kräftig und treibt das Lastenrad mit Fahrer und Beladung vehement nach vorne. Steuern erfordert Routine: Das kleine Vorderrad reagiert direkt auf Steuerkomanndos. Bei der Fahrt über Bodenwellen und abgesenkte Bordsteine schüttelt es den Tester aufgrund des starren Fahrwerks etwas durch. In der 90-Liter-Transportbox lässt sich so einiges verstauen.

Modell: FISCHER Leo 1.0
Preis: 3499 Euro
Zum Hersteller Fischer Bike

Long John Lastenrad: Johnny Loco Twin Cruiser
Georg Zeppin
Long John Lastenrad Johnny Loco Twin Cruiser

Fazit: Das Johnny Loco ist agil mit sehr direktem Fahrwerk und reichlicher Ladekapazität. Genau richtig für versierte Radfahrer, die viel transportieren.

Sattel runter, aufsitzen und losfahren! Das Anfahren, der kritische Moment beim Lastenradfahren, haben die Johnny-Loco-Entwickler beim Twin Cruiser mittels versenkbarer Sattelstütze und flachem Sitzrohr simpel gelöst: Das beladene Rad muss genau im Moment des Anfahrens mit dem Körper ausbalanciert und gleichzeitig senkrecht gehalten werden, um vom Stillstand bis zur stabilen Fahrt beschleunigt zu werden. Hierbei reagiert der Steps E6100 moderat, bringt den Twin Cruiser und dessen Fahrer sanft in Fahrt. Mit leichtem Gepäck unterstützt der Steps recht gut, der Transport des 75 kg schlanken Kollegen bergauf – max. 100 sind in der Transportbox möglich – fordert vom Fahrer Tretarbeit ein. Dann geht’s bergab und wir überfahren die ein oder andere Bodenwelle, was Rad und Besatzung ordentlich durchschüttelt. Das Johnny Loco ist gutmütig, die Dämpfung des starren Fahrwerks über die breiten Schwalbe-Reifen akzeptabel. In Kurven zeigt der Twin Cruiser seine direkte Steuerung, die Routine mit ruhiger Fahrt würdigt.

Modell: JOHNNY LOCO Twin Cruiser
Preis: ab 4999 Euro
Zum Hersteller Johnny Loco

Long John Lastenrad: Kettler Cargoline FS 800
Bjoern Haenssler
Long John Lastenrad Kettler Cargoline FS 800

Fazit: Mit dem Cargoline FS 800 hat Kettler ein neues E-Lastenfahhrad. Die Fahreigenschaften sind sensationell: komfortabel mit leichtem Handling trotz großer Ladekapazität.

Staunend betrachten wir die außergewöhnliche Technik des nigelnagelneuen Kettler Cargoline FS 800. Die Konzeption des Cargobikes als Long John ist zunächst nicht ungewöhnlich, die Dämpfungstechnik macht es jedoch einzigartig: Die Ladeplattform mit einer Fläche von 0,34 m² (42 x 80 cm) liegt zwischen einer konventionellen Hinterradfederung mit 70 mm und der Vorderradfederung mit 45 mm Federweg. Vorne dämpft die geschobene Schwinge durch ein unter dem Rahmen verbautes Elastomer. Doch damit nicht genug: Durch die Vorderachskonstruktion der feststehenden Vorderradnabe verändert das Vorderrad auf der sogenannten Elian-Nabe seine Richtung, während die Achsschenkel stets starr sind. Klingt kompliziert? Ist es auch. Unterm Strich zählt das geniale Fahrgefühl mit Last. Mit drei vollen Wasserkästen machen wir den Test. Selten hat sich Sprudel schöner kutschieren lassen. Trotz des bauartbedingten etwas größeren Wendekreises lässt sich das FS 800 problemlos durch enge Innenstädte steuern – in zügigem Tempo. Das macht richtig Spaß, auch da das Gepäck auf der Ladefläche beim rumpeligen Überfahren von Kanten nicht raushüpft; Lastwechselreaktionen in Schräglage, Aufschaukeln, alles passé.

Modell: KETTLER Cargoline FS 800
Preis: 7499 Euro
Zum Hersteller Kettler

Longtail Cargobike: Kettler Familiano L-N
Bjoern Haenssler
Longtail Cargobike Kettler Familiano L-N

Fazit: Mit bis zu zwei Kindern oder dem Wocheneinkauf beladen, fährt sich das Familiano L-N extra agil und dank des kräftigen Bosch-Antrieb auch sehr flott. Für routinierte Radfahrer.

Verblüfft schaut unser Tester, als er die ersten Runden mit dem neuen Familiano L-N dreht: Die durch die kompakten Laufräder generierte Agilität des E-Bikes ist klasse, es lässt sich herrlich direkt steuern. Das Fahrgefühl: nah dran am normalen Fahrrad. Da haben die Kettler-Ingenieure einiges richtig gemacht. Der Kontakt zur Straße ist, ganz im Gegensatz zu seinem großen Bruder Cargoline, sehr direkt. Dämpfung erzeugen nur die Pneus bei richtig eingestelltem Luftdruck. So testen die Redakteure das Familiano mit zwei Wasserkästen im Heck, die exakt in den Träger passen, auf der Strecke, die durch die Riesenbaustelle Stuttgart 21 führt: rechts, links, auf und ab, Ampel hier, Fußgänger da. Das fordert Nerven und erhöhte Aufmerksamkeit. Wenn ein Rad aber so gut funktioniert wie das Familiano, dann gehört die Aufmerksamkeit ganz dem Verkehr. Die stufenlose Nabenschaltung ist mit der Drehgriffschaltung leicht zu bedienen und lässt sich auch unter Tretlast gut schalten. Das Ab- und Aufständern verlangt etwas Routine, durch die Geometrie mit dem recht flachen Sitzrohr findet man beim Anhalten leicht sicheren Stand. Auf- und Absteigen ist ohne Akrobatik-Kurs möglich.

Modell: KETTLER Familiano L-N
Preis: 4899 Euro
Zum Hersteller Kettler

Long John Lastenrad: Muli E-Muli ST
Georg Zeppin
Long John Lastenrad Muli E-Muli ST

Fazit: Das Muli E-Muli ST ist ein flinkes Cargobike mit sanftem Antrieb, cleverem Ladekorb für Mamas, Papas und Einkaufslustige.

Der Shimano Steps-Mittelmotor des Muli unterstützt beim Test schon vom ersten Pedaltritt an: Der zuverlässige E6100 beschleunigt moderat, leise, gleichmäßig und exakt synchron zum Treteinsatz. Das wendige 1,97 m lange Lastenrad reagiert sehr direkt auf Lenkbefehle, enge Kurven manövriert unser Tester mit viel Schräglage. Hier zeigt sich: Das Kurvenfahren mit dem Muli will geübt sein, mit dem kleinen Vorderrad zeigt es sich äußerst agil. Daher aufgepasst: Lässiges oder unruhiges Fahr- und Lenkverhalten des Piloten wird mit nervösem Geradeauslauf quittiert. Nicht nur die Lenkung, auch das starre Fahrwerk kommt Freunden von wendigen und flinken Fahrrädern sehr entgegen, gewährt es schließlich sehr direkten Kontakt zur Straße. Auf unebener Oberfläche wie Bodenwellen und abgesenkten Bordsteinkanten lässt sich die Dämpfung über den Reifendruck regulieren, die im Testrad eingebaute Federsattelstütze filtert Schläge weg. Pfiffig finden wir den Ladekorb, der zum Transport ausgeklappt wird, Kind, Kegel oder beides aufnimmt.



Modell: MULI E-Muli ST
Preis: ab 4815 Euro
Zum Hersteller Muli Cycles

Long John Lastenrad : Radkutsche Rapid
Georg Zeppin
Long John Lastenrad Radkutsche Rapid

Fazit: Das Rapid punktet mit den individuellen Ausstattungsoptionen. In Sachen Fahrperformance hat die Version mit Frontmotor dagegen noch Luft nach oben.

Das Rapid der schwäbischen Cargobike-Schmiede Radkutsche kommt mit einem Stahlrahmen. Der Käufer hat vielfältige Möglichkeiten, das Lastenrad nach seinen Wünschen zu gestalten – etwa komplett ohne E-Antrieb, mit Front- oder Mittelmotor. Auch in Sachen Schaltung, bei den Frontaufbauten und sogar bei der Rahmenlackierung sind ganz individuelle Konfigurationen möglich. Wir sind das Rapid mit einem eZee-Frontmotor und der sogenannten Familienwanne inklusive Sitzbank gefahren. Der Motor unterstützt sehr kräftig, setzt jedoch mit etwas Verzögerung ein und hat merklichen Nachlauf. Positiv fiel die kräftige Schiebehilfe auf, die sich per Drehgriff bedienen lässt. Das Rad liegt relativ unruhig auf der Straße, die Lenkung erweist sich als eher schwergängig. Da das Rapid auf eine Federung am Vorderrad verzichtet, schlagen Unebenheiten von der Straße direkt auf Kinder, die in der Box sitzen, durch. Gefallen hat uns, dass sich das Rapid sehr einfach auf den Ständer aufbocken lässt, das Aufsteigen auf das Rad ist dank tiefem Zustieg ebenfalls leicht möglich.

Modell: RADKUTSCHE Rapid
Preis: mit E-Antrieb ab 4798 Euro
Zum Hersteller Radkutsche

Long John Lastenrad: Riese & Müller Load 75 Vario
Georg Zeppin
Long John Lastenrad Riese & Müller Load 75 Vario

Fazit: Beim Load 75 fällt auf, dass Hersteller Riese & Müller langjährige Erfahrungen in Sachen Cargobike-Bau mitbringt – und diese bei diesem Modell auch gekonnt umgesetzt hat.

Das Load 75 ist das größte Cargobike im Portfolio von Riese & Müller. In der Vario-Version ist es mit einer stufenlosen Enviolo-Schaltung und einem wartungsarmen Gates-Riemen ausgestattet. Angetrieben wird das Rad vom kräftigen Bosch Cargo Line-Motor. Ein 500-Wh-Akku ist serienmäßig, eine zweite Batterie in gleicher Größe kann optional dazubestellt werden. In Sachen Zubehör hat das Load einiges zu bieten: Für die Ladefläche gibt’s Boxen mit verschieden hohen Seitenwänden und Abdeckungen, bis zu drei Kindersitze können integriert werden. Für alle, die mit dem Rad auch abseits asphaltierter Straßen fahren wollen, ist eine sogenannte GX-Option mit Stollenreifen erhältlich. Wer gerne schnell unterwegs ist, wählt die Version als S-Pedelec. Der Fahrkomfort auf dem Load 75 ist dank Vollfederung sehr hoch. Ebenfalls gut: Der Schwerpunkt ist durch die tief sitzende Box niedrig. Beim Anfahren zeigt sich das Riese & Müller etwas unruhig. Kommt das Rad erst einmal in Fahrt, dann liegt es allerdings laufruhig auf der Straße und lässt sich souverän durch Kurven manövrieren. Gut gelöst: Das Cockpit kann in der Höhe und im Neigungswinkel verstellt werden – praktisch, wenn unterschiedlich große Personen mit dem Bike unterwegs sind.

Modell: RIESE & MÜLLER Load 75 Vario
Preis: ab 6499 Euro
Zum Hersteller Riese & Müller

Longtail Cargobike: Tern GSD S10
Georg Zeppin
Longtail Cargobike Tern GSD S10

Fazit: Wer auf der Suche nach einem kompakten Cargobike mit dem Fahrgefühl eines normalen Rades ist, für den ist das Tern GSD mit seinem umfangreichen Zubehör ein heißer Tipp.

Das Tern GSD ist mit seinen kleinen 20-Zoll-Reifen und dem langen Heck eine Mischung aus Kompaktrad und Cargobike. Es ist mit verschiedenen Schaltungsoptionen erhältlich, wir sind die Version S10 mit 10-Gang-Kettenschaltung von Shimano gefahren. Am GSD arbeitet der kräftige Bosch Cargo Line-Antrieb, als Akku gibt’s 500 Wh serienmäßig, weitere 500 sind optional. Sehr vielfältig zeigt sich das Tern in Sachen Zubehör. Auf das lange Heck passen bis zu zwei Kindersitze, außerdem sind zahlreiche Taschen und Gepäckträger-Optionen für vorne und hinten erhältlich. Unser Testrad war mit dem neuen Clubhouse Fort-Heckaufbau, der Kinder trocken ans Ziel bringt, und einem Gepäckträger an der Front ausgestattet. Großes Plus am GSD: Es fährt sich dank seiner geringen Gesamtlänge und der Bauweise mit verlängertem Heck fast wie ein normales Fahrrad und hat im Vergleich zu den meisten Long-John-Modellen einen extrem kleinen Wendekreis. Durch die kleinen Räder wirkt es in Kurven allerdings etwas nervös. Fürs Be- und Entladen lässt sich das GSD ohne Probleme auf den Zweibeinständer heben, wo es sicher steht. Praktisch: Die Lenkstange kann eingeklappt werden, zum Beispiel um das Rad im Kofferraum eines Autos zu transportieren.

Modell: TERN GSD S10
Preis: ab 4899 Euro
Zum Hersteller Tern Bicycles

Long John Lastenrad: Urban Arrow Family
Mann auf Long John E-Lastenrad von Urban Arrow.
Georg Zeppin
Long John Lastenrad Urban Arrow Family

Fazit: Das Urban Arrow glänzt mit leichter Handhabung und souveränen Fahreigenschaften bei voller Ladung. Klasse gemacht.

Job ist Job, so nimmt diesmal Redakteur Holger Schwarz trotz mulmigem Gefühl vorne in der großzügigen Wanne des Urban Arrow Platz. Schließlich interessiert es die Tester, wie sich das Cargobike fast voll geladen verhält. Mit 145 kg sind die beiden immer noch 4 kg leichter als die maximale Zuladung von 149 kg. Die erste Hürde, losfahren aus dem Stand an einer leichten Steigung, schafft das Family ganz locker. Die Unterstützung des Bosch Cargo LineAntriebs hatten wir auf Turbo gestellt, und bereits bei leichtem Druck aufs Pedal fährt das Lastenrad mitsamt seiner Fracht unbeirrt los und ohne Schlangenlinien lässt es sich sofort in eine fahrstabile Lage pilotieren. Dann folgt die erste Kurve, Kollege Schwarz ruft noch: „Mach langsam!“, was der ehemalige Radrennfahrer und Kollege jedoch überhört und mit Schmackes hineinfährt. Siehe da: Trotz kleinem Kurvenradius gleitet das Family souverän hindurch! Weiter geht’s – ein leichtes Gefälle hinab und absichtlich lässt Testredakteur Georg Zeppin das Family über Bodenwellen und Rinnen rumpeln – das Cargobike pflügt unbeeindruckt darüber. Die Bremsen am niederländischen Lastenrad sind gut zu dosieren und verzögern auf der Testrunde auch bei einer kontrollierten Vollbremsung vehement.

Modell: URBAN ARROW Family
Preis: ab 4390 Euro
Zum Hersteller Urban Arrow

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Erscheinungsdatum 16.03.2022