"Ein E-Bike sollte eigentlich wie ein guter Freund aussehen"

Foto: BMW Designworks BMW E-Bike
Eugene Maslov ist Lead-Designer bei BMW Group Designworks. Aus seiner Feder stammen die BMW E-Bikes mit dem typischen Bullneck, aber auch der neue E-Bike-Sattel eZone von Selle Royal, der in einer Kooperation des italienischen Sattel-Spezialisten mit einem Team von BMW Designworks entwickelt wurde. Im Interview mit ElektroBIKE erklärt der Fahrrad-Enthusiast, worauf es für ihn persönlich beim E-Bike-Design ankommt.

ElektroBIKE: Herr Maslov, was ist für Sie der wichtigste Punkt, wenn Sie ein E-Bike designen?

Eugene Maslov: "Wenn ich ein E-Bike designe, dann näher ich mich diesem Thema über die Emotion. Das Fahrrad und jetzt auch das E-Bike löst bei den Menschen, die sie benutzen, ganz besondere Gefühle aus. Für mich als Designer ist es wichtig, diese Gefühle wieder aufzugreifen – sei es in der Form des Rahmens oder aber durch das haptische Gefühl, wenn man auf dem E-Bike fährt. Im Prinzip muss sich dieses gute Gefühl im gesamten E-Bike widerspiegeln, genauso in den Möglichkeiten, wie ich es laden kann oder wie ich meine mobilen Endgeräte koppeln kann."

Welche Gefühle wollen Sie bei einem E-Bike transportieren?

"Natürlich fangen wir im Designprozess erstmal bei uns an. Wir müssen wissen, welche Botschaft und welches Gefühl wir mit dem Design aufbauen möchten. Bei einem E-Bike, mehr als bei einem normalen Fahrrad, sollten wir versuchen über das Design auch Vertrauen zu vermitteln. Bei einem E-Bike haben wir auf einmal elektronische Komponenten am Fahrrad, die Geschwindigkeit ist wesentlich höher. Vertrauen in das Produkt spielt also eine wesentliche Rolle. Daher sollte ein E-Bike noch mehr wie ein treuer Begleiter, eigentlich wie ein guter Freund aussehen. Unser Ziel ist es hier die passende Designsprache zu finden."

Foto: Björn Gerteis BMW E-Bike Masolov

Er brennt für das Thema Fahrrad und E-Bike: Eugene Maslov, Leaddesigner bei BMW Designworks.

"Ein E-Bike sollte Effizienz und Speed vermitteln"

Wie weit sind Sie mit der Suche?

"Neben Vertrauen sollte ein E-Bike mit seinem Design auch Effizienz und Speed vermitteln. Dabei sollte es nicht wie ein Sport-Fahrrad aussehen oder wie ein Mountainbike, sondern nach einem E-Bike – das ist unser Ziel. Das ist ganz schön schwierig. Im Moment, wenn ich mir den E-Bike-Markt in seiner Gesamtheit anschaue, befinden sich die dominierende Designsprache irgendwo zwischen Fahrrad und dem, was vielleicht mal das echte E-Bike sein wird. Wir Designer freuen uns auf diesen Prozess."

Foto: BMW Designworks BMW E-Bike Designworks Bullneck

Typisches Design-Merkmal der BMW E-Bikes: das Bullneck-Design.

Die Geschichte des E-Bikes erinnert an die des Autos

Ein Prozess, den aber fast alle Produkte in ihrem Lebenszyklus durchlaufen. Und das E-Bike befindet sich hier ja vielleicht gerade noch in der Einführungsphase, oder?

"Wissen Sie, das Ganze erinnert mich ein wenig an die Geschichte des Autos. Seinen Ursprung hat das Auto bei der Pferdekutsche. Kein Wunder also, dass das erste Auto uns in der Designsprache noch sehr an eine Kutsche erinnerte. In diesem Stadium sehe ich die E-Bikes. Die Autoindustrie bekam dann aber relativ schnell ein solides Bild davon, wie ein Auto aussehen soll – nicht wie eine Pferdekutsche und nicht wie eine Mischform aus Kutsche und Auto. Für uns ist es aktuell wichtig, das richtige Bild des E-Bikes zu finden."

Wann werden wir das echte, das richtige E-Bike sehen?

„Wahrscheinlich schon sehr bald. Aber als Basis brauchen wir noch die ein oder andere Revolution. Als erstes muss die Größe aller Komponenten so kompakt und so leicht wie möglich sein. Außerdem sollte in der Laufrad-Technik noch etwas passieren. Im Moment befinden wir uns in einem Zwischenstadium zwischen der alten und der neuen Welt. Wir können mit dem Rahmen, mit dem Motor beinahe alles anstellen, was wir nur möchten, aber wir haben immer noch die ganz klassischen Laufräder. Ich denke jetzt nicht gleich an schwebende Fahrräder, aber wenn man sich einmal anschaut, was gerade passiert – Stichwort Drohnen. Sie sind mittlerweile fast überall zu sehen. Und wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass sie so kompakt und günstig sein würden. In diese Richtung sollte es sich auch bei E-Bikes entwickeln. Allerdings gibt es hier noch eine ganz wichtige Voraussetzung: die Infrastruktur in Städten muss dafür bereit sein. Solche Revolutionen sind unmöglich, wenn die Strukturen und Umgebungen nicht darauf eingestellt sind.

Sie denken an das Thema Infrastruktur im urbanen Raum …

"Ich denke, wir brauchen eine völlig neue Art das Thema Stadt zu denken, es muss eine ganz neue Mentalität der urbanen Mobilität entstehen. Dabei darf es nicht darum gehen Menschen in ihrer Mobilität zu limitieren, sondern zusätzliche Mobilität anzubieten. Es soll hier nicht darum gehen Auto oder E-Bike, sondern das System sollte Anreize schaffen, sich für das E-Bike oder auch Fahrrad in der Stadt zu entscheiden."

Foto: BMW Designworks BMW E-Bike Designworks

Eine Skizze des neuen BMW E-Bikes von Eugene Masolov.

Das E-Bike ist erst der Anfang

Hier kann das Trendthema Konnektivität sicher ein Wegbereiter sein.

"Ich denke, dass das E-Bike vor allem in Sachen Konnektivität einen Schritt weitergeht und sie hier sogar auf zwei Ebenen eine Rolle spielt. Zum einen kann ich mein Handy, meine Smartwatch oder was auch immer verbinden. Zum anderen stellt das E-Bike darüber hinaus eine Art physische Verbindung her. Für mich geht es beim Thema E-Bike nicht in erster Linie darum, ob es nun ein Sportgerät oder ein Transportmittel ist. Für mich geht es um Verbindungen. Wir können unsere Freunde per E-Mail oder über Facebook kontaktieren. Oder wir nehmen das E-Bike und kommen sehr schnell bei unseren Freunden vor der Wohnungstür an. Aber auch die Verbindung von unserem Zuhause und dem Büro können wir auf eine neue Art meistern – sogar schon direkt im Anzug. Für mich ist das eine ganz neue Art der Konnektivität. Aber nicht nur das. Meiner Meinung nach symbolisiert das E-Bike den Beginn einer Serie von vielen weiteren smarten, elektrischen Fahrzeugen."

Hat das Produkt E-Bike die Chance, das Auto abzulösen?

"Ein E-Bike ist viel kleiner als ein Auto, aber dafür viel persönlicher. Vielleicht wird das E-Bike in der Zukunft seinen Fahrer erkennen, sich ein Bild darüber machen können, wie fit der Fahrer ist, welche Wege er gerne fährt. Für mich spielt das E-Bike eine Zwitterrolle zwischen einem echten Transportmittel und einem beliebten digitalen Gadget. Diese Positionierung erklärt vielleicht einen Teil seines großen Erfolgs."

Das BMW Active Hybrid E-Bike 2018 in Bildern

09.11.2017
Autor: Björn Gerteis
© ElektroBIKE online