Studie: Wie gesund ist Pedelec fahren? – Teilnehmer gesucht

Foto: Christian Lampe E-Bike-Test
Für eine groß angelegte Studie zum Thema „Wie gesund ist Pedelec fahren?“ werden insgesamt 1200 Radfahrer gesucht.

Wie gesund ist Pedelec fahren? Unter diesem Motto führt die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) in Zusammenarbeit mit der Leibniz Universität Hannover (LUH) und der Zweirad-Einkaufsgenossenschaft (ZEG) eine groß angelegte Studie durch.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) 2020 gefördert.

Foto: Zemo Zemo E-Bike

Wird unter allen Teilnehmern der Studie verlost: Zemo ZE11.

Für die Studie wollen die Verantwortlichen um Sportmediziner Prof. Uwe Tegtbur untersuchen, wie groß die körperliche Beanspruchung von Pedelec-Fahrern im Vergleich zu Fahrradfahrern ohne Motor ist, und welche Folgerungen sich daraus für die Gesundheit ableiten lassen.

Tegtbur und sein Team benötigen für die Studie 800 E-Biker und 400 Radfahrer, die ohne Motor unterwegs sind. Die Probanden messen in zwei Zeiträumen, die knapp ein Jahr auseinander liegen, jeweils einen Monat lang per Garmin-Uhr am Handgelenk Daten wie Herzfrequenz, gefahrene Strecke, Steigung und Geschwindigkeit. Zusätzlich geben sie über einen Fragebogen Infos zum Gesundheitszustand und zum Nutzungsverhalten ihres Rades.

Die Probanden bekommen am Ende der Studie wissenschaftliches Feedback. Als zusätzlicher Anreiz wird unter allen Teilnehmern ein Zemo E-Bike im Wert von 3700 Euro verlost.

Sie wollen bei der Studie als Proband mitmachen? Hier können Sie sich anmelden

Foto: Medizinische Hochschule Hannover Prof. Dr. Uwe Tegtbur

Prof. Uwe Tegtbur, Leiter Institut für Sportmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover

Interview mit Prof. Uwe Tegtbur - Leiter der Studie

Herr Professor Tegtbur, welche Erkenntnisse soll die Studie liefern?
Prof. Tegtbur: Wir wollen wissen, ob die Belastung beim E-Bike fahren ausreichend ist, um einen positiven Aspekt auf das Herz-Kreislauf-System zu haben. Dabei gehen wir davon aus, dass ein moderates Training von ca. 150 Minuten pro Woche einen positiven Aspekt auf die Gesundheit hat.

Die Herzfrequenz der Probanden dient Ihnen dabei als zentrale Messgröße.
Prof. Tegtbur: Ja, anhand von ihr und der zugehörigen Zeit, mit der der Proband auf dem Rad unterwegs ist, können wir erkennen, ob das Training eher intensiv oder eher moderat ist – oder vielleicht sogar im nicht relevanten Bereich liegt, weil die Belastung zu gering ist. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn sich ein E-Biker hauptsächlich vom Motor unterstützen lässt und kaum eigene Energie aufbringt.

Sie messen für ihre Studie die Herzfrequenz per Pulsuhr am Handgelenk. Ist diese Messmethode so gut wie mit einem Gurt im Brustbereich?
Prof. Tegtbur: Die Messung per Pulsgurt am Brustkorb ist sehr genau, ähnlich der eines EKGs. Bei der Messung am Handgelenk kommen wir in Sachen Genauigkeit bis auf 90% an die Brustgurt-Messung heran, und das ist sehr gut.

Geben Sie den Probanden vor, wie viel sie während der Studie fahren sollen?
Prof. Tegtbur: Nein, das dürfen wir nicht. Wir wollen ja den Probanden in seinem Bewegungsverhalten nicht beeinflussen. Stattdessen wollen wir sehen, ob er bzw. sie sein bzw. ihr Alltagsverhalten ändert – beispielsweise das Auto für kürzere Fahrten stehen lässt und stattdessen das E-Bike oder Fahrrad benutzt.

Sie haben in einer Vorstudie bereits die Gewohnheiten von E-Bikern und Fahrradfahrern verglichen. Was kam dabei heraus?
Prof. Tegtbur: Wir haben dort Probanden abwechselnd mit einem E-Bike bzw. mit einem normalen Fahrrad fahren lassen. Eines der Ergebnisse war, dass die Personen mit dem E-Bike 60% mehr gefahren sind als mit dem Rad ohne Motor - beispielsweise, weil sie das E-Bike für die Fahrt zur Arbeit benutzt haben. Gleichzeitig lag die Herzfrequenz bei den E-Bike-Fahrten nur etwa 10 Schläge unter der bei den Fahrrad-Fahrten. Also auch in einem Bereich, der sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt.

Welche Hypothese lässt sich daraus für die aktuelle Studie ableiten?
Prof. Tegtbur: Unsere Hypothese für die aktuelle Studie ist, dass die E-Biker zwar eine etwas geringere Herz-Kreislauf-Belastung bei ihren Aktivitäten haben werden. Aber durch die überproportional hohen Nutzungszeiten des E-Bikes im Vergleich zum Fahrrad werden sich vermutlich positivere Effekte für die Gesundheit ergeben.

Kann sich, anders herum, eine zu hohe Belastung beim Radfahren eigentlich auch negativ auf die Gesundheit auswirken?
Prof. Tegtbur: Das kann man nicht sagen. Es gibt hierzu beispielsweise eine interessante wissenschaftliche Untersuchung, bei der das Sterbealter von französischen Tour-de-France-Fahrern mit dem von Personen gleichen Geburtsjahres verglichen wurde. Das Ergebnis: Die Tour-de-France-Fahrer haben sogar sechs Jahre länger gelebt.

Wie lange können sich die Teilnehmer noch für die Studie anmelden?
Prof. Tegtbur: Die Studie läuft auf jeden Fall noch bis Ende 2017. Wir sind aber gerade dran, dass sich die Teilnehmer auch 2018 noch anmelden können.

Und wann wird es Ergebnisse geben?
Prof. Tegtbur: Erste Zwischenergebnisse wird es vermutlich ab März 2018 geben, also ein Jahr nach dem Start der Studie.

17.10.2017
Autor: Holger Schwarz
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