Münchner Alpenverein: Keine Ladestationen für E-Bikes auf Berghütten

Foto: Benjamin Hahn E-Bike-Test 2018 E-MTB
Erstmals spricht sich eine Alpenvereinssektion öffentlich gegen einen Ausbau der Infrastrukturen am Berg aus.

Auch wenn es immer mehr E-Bikes gibt: Jetzt gibt es Orte in den Bergen, an denen sie nicht unbedingt willkommen sind. "Der Besucherdruck hat solche Ausmaße angenommen, dass man sich fragt: Wie geht das weiter?", zitiert die Süddeutsche Zeitung den Pressesprecher der Münchner Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV), Frank Martin Siefarth.

Gegen den Trend zum E-Bike hat sich die Münchner Sektion auf ihrer Mitgliederversammlung entschieden, dass es Ladestationen für E-Bike-Akkus auf den sektionseigenen Hütten nicht geben wird. Das gelte unter anderem für die Reintalangerhütte bei Garmisch-Partenkirchen, die Albert-Link-Hütte am Spitzingsee und auch das Taschachhaus in den Ötztaler Alpen.

"Wir wollen E-Biker nicht ausschließen", sagt Siefarth. Aber jeder solle da hinkommen, "wo er von selbst hinkommt". Die Münchner Sektion ist mit 170.000 Mitgliedern zusammen mit der Sektion Oberland die größte in Deutschland. Und bemerkenswert ist die Entscheidung deshalb, da sich bislang keine Sektion öffentlich gegen den Ausbau der Infrastruktur in den Bergen ausgesprochen hat.

Die Entscheidung der Münchner Alpenvereins-Sektion unterstützen nicht wenige Mountainbiker. "Das schmälert jegliche Herausforderung", und "wer nicht mit Muskelkraft hochkommt, hat auf dem Berg nichts verloren", das sind nur einige Reaktionen auf die Frage nach dem Sinn von Elektrofahrrädern am Berg.

Keine Ahnung, wie man sich am Berg verhält

Der Geschäftsbereichsleiter Alpine Raumordnung, Hanspeter Mair, drückt es noch drastischer aus: Mittlerweile zögen E-Bikes zunehmend eine Käuferschicht an, die mit den Bergen bisher nichts zu tun hatten, "und ab geht die Post". Dass das Fahrrad mit seinen 20 Kilogramm deutlich schwerer zu fahren ist als ein normales Mountainbike, wüssten diese Leute oft ebenso wenig wie die Frage, wie man sich am Berg und auch gegenüber Wanderern verhält. "Die beschäftigen sich gar nicht mit dem Thema", kritisiert Mair in der SZ.

Er glaube, dass die Entscheidung der Münchner Sektion gegen Ladestationen ohnehin in zwei Jahren obsolet sein wird. Denn bis dahin werden die Akkus stark genug sein, dass sie noch weitere Strecken schaffen, ohne auf Hütten nachgeladen werden zu müssen.

28.06.2018
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