Frisierte E-Bikes bergen Risiken

Foto: Continental Continental stellt ersten 48-Volt-Elektroantrieb für E-Bikes vor
Manche Radler tunen ihre E-Bikes, um sie noch schneller zu machen. Doch das ist risikoreich. Welche Gefahren lauern, erläutert Dr. Tim Jülicher vom Oberlandesgericht Düsseldorf.

Mehr als dreieinhalb Millionen E-Bikes rollen mittlerweile auf Deutschlands Straßen. Unterstützt werden darf in Deutschland nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Alles darüber hinaus benötigt gesonderte Vorschriften und Sicherheiten.

Doch mit manchen Tuning-Kits lässt sich die Geschwindigkeit von E-Bikes hochrüsten. Die Fahrer begeben sich damit nicht nur in Sachen Verkehrssicherheit, sondern auch in rechtlicher Hinsicht auf dünnes Eis, so Dr. Tim Jülicher vom Oberlandesgericht Düsseldorf.

Heikles Tuning

Wer nun sein normales E-Bike"frisieren" will, begibt sich in mehr als eine Grauzone:

  • Garantieansprüche: Diese erlöschen mit dem Tuning restlos.
  • Konstruktion: Viel heikler ist jedoch, dass getunte Drahtesel konstruktionsbedingt nicht auf Highspeed-Fahrten ausgelegt sind. Damit erhöht der Umbau nicht nur den Materialverschleiß, sondern kann zu lebensgefährlichen Unfällen führen.

Jülicher bezieht sich auf einen Beschluss des OLG Hamm (Beschl. v. 28.2.2013, Az. 4 RBs 47/13), dass von Kraftfahrzeugen wegen der Geschwindigkeit nicht nur "eine höhere Gefährlichkeit ausgeht als von einem bloß pedalbetriebenen Fahrrad", sondern auch, dass sie insgesamt "höhere Leistungsanforderungen an den Fahrer" stellen. Dies gelte umso mehr, wenn das Fahrrad nicht für Highspeed-Fahrten konstruiert wurde.

  • Haftung: Während Pedelecs den allgemeinen Haftungsregeln der §§ 823 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) unterfallen, gilt für Kraftfahrzeuge und schnelle E-Bikes (S-Pedelecs) die besondere Gefährdungshaftung des § 7 StVG. Dies kann bei einem Unfall zu einer dramatischen Haftungsverschärfung führen – auf einen Nachweis des Verschuldens kommt es in diesem Fall nämlich nicht mehr an.

Es bräuchte für das schnellere Gefährt daher eine besondere Haftpflichtversicherung. Allerdings lehnen die meisten Haftpflichtversicherer bei Anzeichen für ein eigenhändiges Tuning jede Schadensregulierung ablehnen, so dass Bastler auf ihren Unfallkosten sitzen bleiben.

  • Radweg oder Straße: Wer auf dem Radweg fahren darf, hängt von der erreichbaren Geschwindigkeit ab. Grundsätzlich darf der Radweg nur von Fahrrädern genutzt werden. Allen anderen Verkehrsteilnehmern ist die Radwegnutzung untersagt. Frisierte Elektroräder sind dagegen von der Nutzung ausgeschlossen.
  • Promillegrenze: Hier kommen unterschiedliche Grenzwerte zum Tragen. Während die absolute Fahruntüchtigkeit von Rad- und Pedelecfahrern erst ab 1,6 Promille unwiderleglich vermutet wird, gilt für Führer von Kraftfahrzeugen und getunten E-Bikes ein deutlich strengerer Grenzwert von 1,1 Promille.
08.06.2018
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