Deutsche Hersteller profitieren nicht vom E-Bike-Boom

Foto: Stadt Münster ADFC-Fahrradklima-Test: Münster gewinnt nur knapp
Noch nie waren die Deutschen so fahrradbegeistert wie heute. Und noch nie gaben sie so viel Geld für ihren zweirädrigen Untersatz aus. Doch trotz aller Rekordzahlen – die heimischen Hersteller profitieren davon nicht.

Das Fahrrad ist das neue Auto. Denn tatsächlich ist das Rad dem Auto verkehrstechnisch mitunter überlegen, vor allem in den chronisch verstopften Großstädten. Auch in Deutschland will nicht nur mehr Münster als fahrradfreundliche Stadt gelten. Berlin, Bonn, Hamburg, München – alle basteln an Verkehrskonzepten und Mobilitätsgesetzen, die das Fahrrad in den Mittelpunkt stellen.

Foto: iwd Anstieg der E-Bike Verkäufe

Umsatzplus im Jahr 2017

Von diesem Trend profitiert auch die Fahrradindustrie. Laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), dem rund 90 Hersteller und Importeure von Fahrrädern, E-Bikes und Zubehör angehören, kauften die Verbraucher in Deutschland im Jahr 2017 für knapp 2,7 Milliarden Euro neue Räder. Das war gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 3,2 Prozent.

Damit haben inzwischen nahezu 20 Prozent aller in Deutschland verkauften Fahrräder einen Elektromotor. Und dabei dürfte es nicht bleiben. Mittelfristig rechnet der ZIV mit einem Marktvolumen von 25 Prozent, langfristig sogar mit bis zu 35 Prozent. Verkauft werden fast nur Modelle mit einer Maximalgeschwindigkeit von 25 km/h. Der Anteil der schnellen E-Bikes, die 45 km/h fahren und für die eine Versicherungs- und Helmpflicht besteht, ist noch verschwindend klein: Von 100 Elektrorädern, die 2017 in Deutschland verkauft wurden, war nur eins ein E-Bike 45.

Foto: iwd Welches E-Bike wird gekauft

Trend zu höherer Qualität

Da in diese Durchschnittspreise auch die Verkaufspreise für E-Bikes eingerechnet sind, ist zwar einerseits klar, dass die Ausgaben pro Rad gestiegen sind. Andererseits verweist der Verband aber auch darauf, dass es generell einen Trend zu höherer Qualität und längerer Nutzungsdauer auf dem deutschen Fahrradmarkt gebe.

Die deutschen Fahrradhersteller profitieren von den steigenden Umsätzen der Branche allerdings nur bedingt. So ist ihr Umsatz 2017 mit rund 1 Milliarde Euro um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das lag in erster Linie an der stark rückläufigen Inlandsnachfrage, doch auch der Auslandsumsatz ging um mehr als? 10 Prozent zurück.

Für diesen Einbruch gibt es mehrere Gründe. Zum einen hat die Mifa, einst Deutschlands größter Fahrradproduzent mit Sitz in Sachsen-Anhalt, im Januar 2017 erneut Insolvenz angemeldet. Die Firma existiert zwar weiterhin als Sachsenring Bike Manufaktur, hat aber statt ehemals 520 Mitarbeitern nur noch 130 Beschäftigte.

Zum anderen findet die Fahrradproduktion zu großen Teilen im Ausland statt. Die Rahmen beispielsweise werden fast ausschließlich in Asien gebaut. Es gibt zwar noch einzelne Hersteller in Deutschland, doch selbst Fahrradmanufakturen, die Räder nach dem Baukastensystem zusammenstellen, lassen ihre Rahmen in der Regel im Ausland schweißen.

Knapp die Hälfte aller 2017 nach Deutschland importierten Fahrräder stammte aus Kambodscha, Polen und Bulgarien. Die größten Lieferländer für E-Bikes waren Ungarn, China und Vietnam, aus denen 2017 rund 54 Prozent der eingeführten Räder kamen.

04.05.2018
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