Copenhagen Wheel im Test: Hier gibt’s den Fahrbericht

Foto: Lukas Hoffmann Copenhagen Wheel

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Das Copenhagen Wheel macht aus einem ganz normalen Fahrrad ein E-Bike. Wir haben das Hinterrad mit der markanten roten Nabe getestet. Hier gibt’s alle Infos und den Fahrbericht.

Copenhagen Wheel: Man könnte meinen, das Hinterrad mit dem integrierten Antrieb kommt aus der dänischen Hauptstadt. Das würde gut passen, denn Kopenhagen gilt als eine der fahrradfreundlichsten Städte Europas. Doch weit gefehlt. Der Antrieb wurde am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge nahe Boston, also in den USA, entwickelt. In Cambridge sitzt auch der Hersteller des Copenhagen Wheel, die Firma Superpedestrian.

Was verbirgt sich technisch hinter dem Copenhagen Wheel?

Das Copenhagen Wheel ist ein Hinterrad mit einem integrierten E-Antrieb. In der knallroten Nabe sind ein 250-Watt-Motor, ein 279-Wh-Akku, Sensoren, ein Steuerungssystem sowie eine drahtlose Verbindungstechnik verbaut. Per Smartphone-App und einer Bluetooth-Verbindung kann der Antrieb gesteuert werden. Dazu muss der Fahrer die Superpedestrian-App herunterladen und sich in der App mit dem Rad verbinden. Die App ist für iOS und Android erhältlich.

Die Sensoren im Hinterrad messen laut Hersteller über 100 Mal pro Sekunde Parameter wie Drehmoment, Leistung, Geschwindigkeit und Pedalposition. Je nach Ausprägung dieser Parameter schießt der Motor seine Unterstützung zu. Diese soll bis zum 10-fachen der Leistung des Fahrers betragen. Bei 25 km/h ist allerdings, wie bei Pedelecs üblich, Schluss. Das Copenhagen Wheel besitzt außerdem eine Rekuperationsfunktion. Beim Rückwärtstreten und im so genannten Exercise-Modus bremst das Rad und gewinnt so Energie zurück.

Der Akku des Copenhagen Wheel kann laut Superpedestrian bis zu 1000 Mal geladen werden. Die Ladedauer beträgt zwei Stunden für eine 80%-Ladung und vier Stunden für eine 100%-Ladung. Das Rad bringt laut Hersteller 7,6 Kilogramm auf die Waage und kostet 1749 Euro. Während in den USA komplette Fahrräder - zum Beispiel von Marin - mit dem Copenhagen Wheel erhältlich sind, gibt’s den Antrieb in Deutschland nur als Nachrüstsatz.

Superpedestrian bietet auf sein Copenhagen Wheel eine zweijährige Garantie. Sollte ein technisches Problem auftauchen, bei dem das Rad eingeschickt werden muss, stellt der Hersteller für die Übergangszeit ein Ersatzrad zur Verfügung.

In welche Fahrräder passt das Copenhagen Wheel?

Das Copenhagen Wheel kann laut Hersteller in Fahrrädern mit Stahl- oder Aluminiumrahmen verbaut werden. Es passt in Fahrräder mit Felgenbremsen, Räder mit Scheibenbremsen sind aktuell nicht mit dem Copenhagen Wheel kompatibel. Superpedestrian will dies allerdings in Zukunft ändern. Sowohl Single-Speed-Bikes als auch Fahrräder mit 7-, 8-, 9- oder 10-Gang-Kettenschaltungen können mit dem Antrieb nachgerüstet werden.

Das Copenhagen Wheel ist für Räder in 26 und 29 Zoll erhältlich und für Reifenbreiten von 25, 35 oder 50 mm ausgelegt. Der Hersteller empfiehlt für das Copenhagen Wheel ein maximales Gesamtgewicht aus Fahrer, Rad und Gepäck von 150 Kilogramm.

Foto: Lukas Hoffmann Copenhagen Wheel

ElektroBIKE-Redakteur Holger Schwarz auf Testfahrt mit dem Copenhagen Wheel.

Wie fährt sich das Copenhagen Wheel?

Das Copenhagen Wheel war für unsere Testfahrten in einem Marin Fairfax SC1 verbaut, einem Cityrad ohne Schutzbleche, Lichtanlage und Gepäckträger. Das Rad besitzt eine Shimano-Kettenschaltung mit 3x8 Gängen und ist mit Reifen in 29 Zoll Größe und 32 Zentimetern Breite ausgestattet.

Der Antrieb arbeitete während unserer Testfahrten nahezu geräuschlos und äußerst harmonisch. Die drei Unterstützungsstufen Eco, Standard und Turbo waren in ihrer Power deutlich voneinander zu unterscheiden. Im Turbo-Modus unterstützte der Antrieb kraftvoll, laut Anzeige in der App schoss das Copenhagen Wheel in diesem Modus etwa das fünf- bis sechsfache der eigenen Pedalpower zu. Bei Schaltvorgängen und gleichzeitigem Tritt in die Pedale setzte der Motor nicht aus, sondern unterstützte permanent weiter.

Bei 25 km/h riegelte der Antrieb spürbar, aber nicht aprupt, ab. Fährt man schneller als 25 km/h, hat man nicht das Gefühl, gegen einen Widerstand zu treten. Das gleiche gilt bei ausgeschaltetem Motor. Einzig im Exercise-Modus, dem Rekuperationsmodus mit Energierückgewinnung, tritt der Fahrer gegen einen Widerstand.

Ungewohnt war zunächst die Rekuperationsfunktion beim rückwärts Treten – vor allem, wenn man es nicht gewohnt ist. Beim rückwärts Pedalieren bremst das Copenhagen Wheel noch stärker als im Exercise-Modus. Hat man sich allerdings an die Bremswirkung beim rückwärts Treten gewöhnt, kann man diese als zusätzliche Bremse bergab oder an Ampeln sinnvoll einsetzen. Wechselt man vom rückwärts ins vorwärts Pedalieren, dann setzt die Unterstützung unverzüglich wieder ein.

Die Display-Anzeige in der App ist übersichtlich und aufgeräumt. Der Fahrer bekommt dort in einem Kreisdiagramm die eigene Pedalkraft (in blau) und die Unterstützung des Antriebs (rot) dargestellt. Außerdem sind die aktuelle Geschwindigkeit und die gefahrenen Kilometer dargestellt.

Über ein Balkendiagramm mit %-Angabe ist zudem der aktuelle Ladestand des Akkus dargestellt. Interessant: Im Exercise-Modus und beim rückwärts Pedalieren - also immer, wenn der Antrieb Energie zurückgewinnt - verfärbt sich die Ladestandanzeige von Schwarz zu Grün. Der Antrieb ist über das Smartphone-Display leicht zu bedienen. Störend ist lediglich, dass man bei kalten Temperaturen Touchscreen-sensitive Handschuhe zum Bedienen benötigt. Hier haben Bedieneinheiten mit herkömmlichen Tasten Vorteile gegenüber der Steuerung per Smartphone-App.

Den 279-Wh-Akku des Copenhagen Wheel haben wir bei unseren Testfahrten nicht komplett leer gefahren. Ein Anhaltspunkt für Hochrechnungen in Sachen Laufleistung kann allerdings folgender Wert dienen: Nach 22 Kilometern und 250 Höhenmetern, bei der wir zum größten Teil im Turbo-Modus unterwegs waren, zeigte der zuvor komplett geladene Akku noch eine Restkapazität von 33%.

Rückblick Oktober 2017: Copenhagen Wheel jetzt auch in Deutschland erhältlich

Copenhagen Wheel ist ein vorgefertigtes Hinterrad mit einem Motor (250 W), Batterie (279 Wh), Sensoren und Steuerungselementen. Es verwandelt ganz normale Fahrräder per Radtausch in ein Pedelec. Das heißt, der Fahrer wird beim Treten bis 25 km/h unterstützt.

Hersteller Superpedestrian bietet das Rad nun auch in Deutschland an. Zwei Größen sind laut Online-Shop vorhanden: 26 Inch und 29er, erhältlich sind drei Reifentypen: Straßenrad, Hybrid-Rad und Mountainbike. Allerdings darf das umzurüstende Fahrrad keine Scheibenbremsen haben.

Die Reichweite beträgt dem Hersteller zufolge durchschnittlich 50 Kilometer. Einen Teil der benötigten Energie gewinnt der Motor regenerativ beim Bremsen. Eine Bluetooth-Verbindung ermöglicht die Verbindung zum Smartphone.

Das Copenhagen Wheel wurde bereits 2009 vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt. Ein Spin-off mit dem Namen "Superpedestrian" lizensierte diese Idee und bietet das Umbau-Set zum Verkauf an. Die Räder werden in den Niederlanden vormontiert und sollen laut Hersteller binnen einer Woche versandfertig sein.

Alle neuen E-Bikes 2018:

01.01.2017
Autor: Holger Schwarz
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