Pedelec-Fahrtechnik: Interview mit E-Bike-Experte Gunnar Fehlau

Tipps vom Pedelec-Profi zu Fahrtechnik, Akku und Reichweite

Foto: flyer.ch/pd-f Berge fahren mit dem E-Bike

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Gunnar Fehlau, Geschäftsführer des Pressedienst Fahrrad, Radbuch-Autor und vor allem Pedelec-Fan, gibt im Interview mit ElektroBIKE wertvolle Tipps, mit denen Ihnen der Einstieg in die Pedelec-Welt noch leichter fällt.
Foto: www.pd-f-de/ pressedienst-fahrrad Gunnar Fehlau Pedelec

Pedelec-Experte Gunnar Fehlau weiß, worauf es bei Elektro-Fahrrädern ankommt.

ElektroBIKE: Muss man mit einem Pedelec anders fahren als mit einem normalen Fahrrad ohne E-Unterstützung?
Gunnar Fehlau: „Ein entschiedenes Jein! Nein, weil das Pedelec prinzipiell wie ein Fahrrad funktioniert. Wer Radfahren kann, der kann auch Pedelec fahren. Ja, weil es sicherlich sinnvoll ist, sich vor der ersten Fahrt mit der Steuerkonsole des Pedelec vertraut zu machen. Auch sollte man sich mit dem Fahrverhalten des Pedelec vertraut machen. Zudem – und das ist der wichtigste Punkt – muss man sich an die 'zusätzliche Kraft' des Rades gewöhnen. Vor allem beim Anfahren und Antreten im Stadtverkehr sollte man ein Gefühl entwickeln, wie viel Schub wann kommt. Nicht dass man schneller in Verkehrssituationen hineinrauscht, als das sinnvoll ist. Das gilt natürlich alles im besonderen für die offenen/schnellen E-Bikes. Die abgeregelten Pedelecs sind zahme und nützliche Stadtponys.“

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Was muss man beim Pedelec fahren unbedingt beachten?
„Man sollte sich stets sicher sein, wie viel Power noch im Akku ist. Das ist wie beim Handy. Nach einigen Wochen hat man ein sehr präzises Gefühl, wie viel man gefahren ist, wann man das letzte Mal an der Steckdose war und kann dann sehr gut schätzen, wann der nächste Ladestopp fällig ist. Da aber auch beim Auto über 50 Prozent der Fahrten unter sechs Kilometer sind, halte ich die Reichweiten-Diskussion für überbewertet.“

Welchen Einfluss hat der persönliche Fahrstil auf die Reichweite?
„Das kennt jeder vom Auto oder Joggen oder auch Rennradfahren. Wer immer voll rein tritt, jeden Hügel angeht, als wäre er der letzte des Tages, dem hängt schnell die Zunge. Was dem eigenen Antrieb gut tut, schont auch den Akku: Immer in einem leichten Gang anfahren, stets vor der Ampel runter schalten, keine 'Burning Wheels' beim Start hinlegen, sondern sachte die Beinkraft und damit die Motorunterstützung steigern, das schont den Akku. Und wichtig ist: Lieber vorzeitig rollen, als stets voll Kanne pedalieren und dann häufig Bremsen. Man kann mit einem optimierten Fahrstil sicherlich 30 Prozent der Akku-Leistung in Reichweite überführen. Oder eben in protzigen Starts usw. verpulvern. Ich entscheide mich da je nach Streckenlänge, Akkuladestand und Tageslaune: Ein bisschen Spaß muss ja immer sein!“

Foto: ElektroBIKE (Titel: Daniel Geiger) ElektroBIKE-Magazin Alles über E-Bikes und Pedelecs

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Mit welchen Tricks lässt sich die Reichweite des Akkus erhöhen?
„Neben der Fahrweise sollte man den Akku sauber erstbeladen, die Bedienungsanleitung gibt da meist alle notwendigen Tipps. Noch streiten die Fachleute, welche Effekte bestimmtes Nutzungsverhalten auf die Akkulebensdauer und -leistungsfähigkeit wirklich hat, aber eines ist klar: Schaden kann es nicht, wenn man den Akku vor allzuhäufigen und extremen Temperaturschwankungen schützt. Auch hilft es, die Akkuschächte und Kontakte sauber zu halten.“

Wie wählt man den richtigen Unterstützungsmodus?
„Tja, der eine fährt gerne sportliche, der andere möchte nur ein bisschen „Rückenwind“ beim Anfahren. So unterschiedlich die Wünsche, so unterschiedlich auch der ideale Unterstützungsmodus. Der Kern der Frage lautet hier: Wie will ich fahren, was ist zweckmäßig und was ist genussvoll. Das erzählt man am besten dem Radhändler und der wählt dann ein bis drei Räder & Motorkonzepte aus, die das am besten umsetzen. Nach Probefahrten mit unterschiedlichen Modi weiß man exakt, was einem gefällt und damit auch gut ist! Doch Vorsicht: Noch ein Tipp, der Ihnen viel Freude verheißt, aber das Konto stutzt: Fahren Sie immer auch mit den Spitzenmodellen Probe. Man sollte wissen was man verpasst, denn die Genusssprünge sind aus meiner Erfahrung noch größer als die Preissprünge.“