Bosch E-Bike-ABS im Test

Test: Bosch E-Bike-ABS

Foto: Holger Schwarz Bosch E-Bike-ABS Riese & Müller Delite

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Mit dem ABS für E-Bikes verspricht Bosch mehr Sicherheit und Kontrolle für Pedelec-Fahrer. Wie schlägt sich die Technik im Praxis-Einsatz? Wir haben sie an einem E-Bike von Riese & Müller getestet.

Im Jahr 1978 hat Bosch begonnen, Anti-Blockier-Systeme für PKW zu produzieren, 1995 folgte das erste ABS für Motorräder. Jetzt bringt der Marktführer in Sachen E-Bike-Antriebe das ABS fürs Pedelec. Zunächst ist es in Trekking- und City-E-Bikes von ausgewählten Rad-Herstellern eingebaut. Ab Herbst/Winter 2018 soll es dann flächendeckend zum Einsatz kommen.

Bosch E-Bike-ABS: Aufbau und Funktionsweise

Das auffälligste Element des E-Bike-ABS von Bosch ist die Kontrolleinheit. Sie hat in etwa die Form eines Würfels und befindet sich zentral unterhalb des Lenkers. Außerdem ist am Vorbau eine gelbe Leuchte angebracht. Sie zeigt in gelben Lettern an, dass das ABS-System betriebsbereit ist.

Den Input bekommt das E-Bike-ABS über Geschwindigkeitssensoren in den Laufrädern. Außerdem hat Bremsenpartner Magura mit der CMe ABS einen speziellen Stopper für das Anti-Blockier-System entwickelt. Die Bremse ist im Vorder- und Hinterrad eingebaut. Besonderheit: Die Bremsscheiben der CMe ABS sind mit einer zusätzlichen Sensorscheibe ausgestattet.

Das komplette Set aus Kontrolleinheit, Leuchte und Magura-Bremsen soll laut Hersteller nur etwa 800 Gramm wiegen und ist ab einer Geschwindigkeit von ca. 6 km/h aktiv. Die Stromversorgung des ABS erfolgt über den Akku des E-Bikes.

Das E-Bike-ABS von Bosch greift lediglich auf die Vorderradbremse des Pedelecs ein. Bei gezogenem Bremshebel verhindert es ein Blockieren des Vorderrades. Dadurch soll die Fahrstabilität und die Lenkbarkeit des E-Bikes verbessert werden, vor allem auf rutschigem Untergrund. Der Fahrer soll durch das E-Bike-ABS eine deutlich höhere Kontrolle über sein Pedelec haben.

Das Bosch E-Bike-ABS im Test

Wir konnten das E-Bike-ABS von Bosch in einem Trekking-E-Bike von Riese & Müller, dem Delite GT touring, bereits testen.

Rein optisch wirkt die würfelförmige Kontrolleinheit unterhalb des Lenkers etwas gewöhnungsbedürftig. Beim Anschalten des Motors meldet sich die ABS-Kontrollleuchte auf dem Vorbau und zeigt in gelb die drei Buchstaben ABS an – das Zeichen, dass das System zur Verfügung steht.

So weit die optischen Details des neuen ABS-Systems von Bosch. Viel spannender ist allerdings die Frage: Wie verrichtet das System seine Aufgabe?

Dazu waren wir eine Woche lang mit dem Riese & Müller Delite GT touring unterwegs – vorzugsweise auf unserem Weg zur Arbeit und wieder zurück. Unsere Pendler-Strecke führte uns vorwiegend über Fahrbahnbeläge aus Asphalt und Schotter.

Keine Frage: Zunächst kostete es uns schon eine gehörige Portion Überwindung, eine Vollbremsung mit dem Vorderrad zu machen – und zwar umso mehr, je höher die Geschwindigkeit und je abschüssiger das Gelände ist. Die Angst vor einem Abgang über den Lenker ist immer im Hinterkopf.

Deshalb tasteten wir uns bei unseren Bremsmanövern geschwindigkeitsmäßig langsam nach oben - zunächst auf Asphalt und auf ebener Strecke. Doch egal ob bei 15, 20, 25 oder 30 km/h, das Ergebnis war immer das gleiche: Das Vorderrad blockierte nie.

Stattdessen machte die Bremse immer wieder auf und bringt uns im Stotter-Modus zum Stehen. Auffällig: Der Bremshebel des Vorderrades ließ sich dabei bis fast an den Lenker ziehen. Ein klarer, definierter Druckpunkt, wie wir es von Bremsen ohne ABS gewohnt sind, war nicht zu spüren.

Mindestens genauso viel Überwindung wie auf Asphalt kosteten uns die Vollbremsungen auf Schotter. Die Angst vor einem unkontrollierten Abschmieren des Vorderrades spielte ständig mit. Doch auch hier der gleiche Effekt: Statt zu blockieren stotterte sich das Vorderrad bis zum Stillstand des E-Bikes und blieb dabei ständig unter Kontrolle.

Selbst bei Vollbremsungen und gleichzeitigem Einlenken in eine Kurve war bei Geschwindigkeiten um 20 km/h auf losem Untergrund kein unkontrolliertes Wegrutschen des Vorderrades zu beobachten.

Besonders deutlich wurde der Unterschied zwischen Vorderradbremse (mit ABS) und Hinterradbremse (ohne ABS) bei einer kompletten Vollbremsung auf Schotter. Beim Verzögern aus etwa 30 km/h hielt das Vorderrad treu die Spur und hinterließ dabei kaum erkennbare Spuren im Untergrund, während das blockierende Hinterrad den Forstwegstaub heftig aufwirbelte und nicht nur laut hörbare Geräusche machte, sondern auch eine deutlich erkennbare Furche in den Forstweg einritzte.

Fazit: Das E-Bike-ABS von Bosch bringt ein erhebliches Plus an Sicherheit für Pedelec-Fahrer. Mit dem E-Bike-ABS besteht selbst bei Vollbremsungen mit höheren Geschwindigkeiten nicht die Gefahr von Überschlägen. Auf losem Untergrund verhindert das ABS ein unkontrolliertes Wegrutschen des Vorderrades. An der Optik kann Bosch beim E-Bike-ABS noch arbeiten. Doch in dieser Hinsicht wird sich in den kommenden Jahren bestimmt noch einiges tun.

Video: Bremsen mit und ohne E-Bike-ABS

Video: Elektrobike / Holger Schwarz

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26.04.2018
Autor: Holger Schwarz
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