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Starke Nachfrage & Lieferprobleme : Was uns bewegt

Was uns bewegt - powered by Neodrives Brückenjahr(e)

Auch das Jahr 2021 war für die Fahrrad-Industrie alles außer gewöhnlich. Starke Nachfrage trifft auf Lieferprobleme und Preisdiskussionen. Wie geht es weiter?

Was uns bewegt, Teil 4: Brückenjahr(e)

Es war nicht alles schlecht an diesem zweiten Corona-Jahr. Mir ist die Tragweite dieser Aussage bewusst. Aber ganz ehrlich: Einige Messen und Events konnten wieder stattfinden. Mein Highlight: unsere Teilnahme am Bike-Festival in Brixen. Echte, reale Treffen mit Bike-Freunden unter der Sonne Südtirols – ein Traum! Und ein guter Ausgleich zur Wirklichkeit zwischen gestressten globalen Lieferketten und enttäuschten Noch-Nichtradlern, die ewig auf ihr neues Bike warten müssen. Vor zwei Jahren war es unvorstellbar, dass gestörte Lieferketten solche Auswirkungen haben können. Vor allem in Form von Mehraufwänden, die für den Kunden im Verborgenen bleiben. Er sieht am Ende nur steigende Preise, lange Wartezeiten.

Ändert sich das im kommenden Jahr? Nein. 2022 wird ein Brückenjahr. Ein weiteres. In der Branche gehen viele davon aus, dass wir das, was wir als Normalität bezeichnen und damit den Zustand vor März 2020 meinen, erst wieder 2023 erleben dürfen. Ich gehe davon aus, dass durch das Thema Mobilitätswende vor allem im Bereich der Elektronik-Bauteile und der Batteriezellen die Anspannung sogar weiter steigen wird.

Auch wenn das keine rosigen Aussichten sind, uns also viele der bekannten Herausforderungen erhalten bleiben, möchte ich eines unterstreichen: E-Bikes sind die Triebfeder für weiteres Fahrrad-Wachstum! Jeder zusätzliche mit dem E-Bike gefahrene Kilometer bedeutet hoffentlich einen Kilometer weniger mit dem Auto. Ich habe die Hoffnung, dass uns die turbulenten Brückenjahre in eine neue Mobilitätswelt führen. In eine Welt, in der sich nicht nur Lieferketten und Verfügbarkeiten erholen, sondern Fahrrad und E-Bike die neue Normalität sind. Daher möchte ich 2022 auch wieder möglichst viele Menschen aufs Fahrrad bringen. Ich freue mich darauf.

Der Autor: Andreas Binz leitet bei Alber seit 2017 die Business Unit neodrives und freut sich immer noch über die erste Riesling-Schorle 2021 im lokalen Gartenlokal – nach der Zwangspause.

Was uns bewegt, Teil 3: Alles geregelt!

Wusstest du, dass Radfahrer bei stehendem Verkehr rechts an Autos vorbeifahren dürfen? Ja, langsam und umsichtig. Komischerweise kennen diese Regel sehr viele Radfahrer. Autofahrer haben hier oft einen blinden Fleck. Oder wollen diese Tatsache nicht (ein)sehen. Geht Radfahrern an anderer Stelle genau so. Rote Ampeln? Verleiten nicht unbedingt zum Anhalten. Ein Verstoß gegen das Rot-Signal kann teuer werden. 60 Euro drohen mindestens. Passiert etwas in Folge des Regelbruchs, kann die Geldbuße noch höher ausfallen – einen Punkt in Flensburg gibt’s immer.

Ganz klar: Regeln können nur regeln, wenn sie von allen gekannt und umgesetzt werden. Radfahrer, das wissen wir alle, sind die schwächeren Verkehrsteilnehmer und damit besonders schutzbedürftig und rechtlich auch geschützt. Eine Erkenntnis, die vor allem bei den Starken, bei den Autofahrenden verfangen sollte. Mein Wunsch: Auto- und Radfahrer sehen sich nicht als Konkurrenten. Meine Hoffnung: Die fortschreitende Mobilitätswende baut die Spannung weiter ab, weil beide Verkehrsmittel in ähnlichem Maße genutzt werden.

Wichtig zu wissen: Für Pedelecs, ein Motor der Mobilitätswende, gelten die gleichen Regeln wie für Fahrräder. Vor dem Gesetz sind beide gleich. Lediglich die schnellen Pedelecs sind härter eingeschränkt. Eine Freigabe der Radwege für diese Mobilitätsform würde ich zum Beispiel begrüßen. Solange die Fahrer ihr Tempo der jeweiligen Situation anpassen. Aber ganz ehrlich: Sportwagen dürfen ja auch in 30er-Zonen fahren. Unterm Strich gibt es ganz schön viele Regeln. Vielleicht wäre es eine Idee, auch diese Regularien im Rahmen der Führerscheinprüfung zu wiederholen. Dann müsste ich bei dem Thema seltener fragen: Wusstest du, ...?

Was uns bewegt, Teil 2: Gut gependelt

Vor Kurzem hat mir jemand die Frage gestellt, was ich unter dem Begriff Commuting verstehe. Ehrlich gesagt, habe ich mir nie intensive Gedanken dazu gemacht, weil es für mich bislang nur das neudeutsche Wort für Pendeln war. Also die regelmäßige Fahrt zwischen dem Wohnort und dem Arbeitsplatz. Aber wann trifft die Bezeichnung Pendler eigentlich zu? Wenn ich die Stadtgrenze von meinem Wohnort überschreite? Sobald ich besonders lang, 45 Minuten und mehr, bis zu meiner Arbeitsstelle unterwegs bin? Ich sage: Jeder, der regelmäßig von Ort A nach B fährt, ist für mich ein Commuter. Mit dem Fahrrad versteht sich. Das Pendler-Erlebnis auf zwei Rädern, jetzt immer öfter mit zwei Rädern und einem Elektro-Motor, ist unerreicht: Ich bin unabhängig, flexibel in der Zeit, muss mich nicht nach dem Fahrplan öffentlicher Verkehrsmittel richten, und Staus kenne ich nur, wenn ich an den stehenden Blechkolonnen vorbeifahre.

Auch wenn ich gerade die meiste Zeit im Homeoffice arbeite, freue ich mich auf die Tage im Büro. Rauf aufs Rad, frische Luft schnappen – das bedeutet für mich aktive Erholung. Vor und nach der Arbeit. Welches Rad dabei in Frage kommt? Da gibt es individuell sehr viele Unterschiede und Präferenzen. Sicherheit und Wartungsarmut stehen für Pendler im Vordergrund. Da viele relativ kurze Strecken fahren, erübrigt sich die Frage nach großen Akkus. Außer bei einem S-Pedelec, das gerne auf längeren Strecken zum Einsatz kommt. Da braucht es Sprit im Tank. Was es außerdem bedarf: eine Förderung für Bike-Commuter: in Form einer besseren Infrastruktur, aber vielleicht auch eine finanzielle Unterstützung – abhängig von der Nutzungshäufigkeit oder auch für Pendlerkleidung. Es lohnt sich sehr, übers Commuting nachzudenken. Wann fängst du an?

Was uns bewegt, Teil 1: E-Bike und Reichweite

"Das geht mir jetzt aber zu weit." Diesen Satz hören wir von einem E-Bike-Fahrer in der Regel nicht. Reichweite bleibt das Top-Thema beim E-Bike-Kauf. Und die Angst, irgendwann mit dem Rad stehen zu bleiben, führt leider zu der Handlungsmaxime: Mehr ist mehr – und damit zu einem Wettrüsten bei der Akku-Größe. Dabei bleibt ein E-Bike ohne Saft immer noch ein Fahrrad. Die Furcht, völlig allein auf Wald und Flur stehen zu bleiben, existiert also nur im Kopf.

Verstehen kann ich sie trotzdem. Viele Einsteiger haben noch keinerlei Erfahrung mit dem Thema Reichweite. Da bleibt die Akku-Kapazität die greifbare Größe, von der man die Reichweite ableiten kann. Je mehr Wattstunden, desto mehr Reichweite. Eine einfache Rechnung, die aber viele Einflussvariablen links liegen lässt.

Ich kann hier nur einige beispielhaft nennen: Geschwindigkeit, Unterstützungsstufe, Anfahrhäufigkeit, Jahreszeit, Trittfrequenz – die Liste der Spritfresser und -sparer ist lang. Aber braucht man auf dem E-Bike nicht gerade deshalb einen großen Tank? Nein. Die gängigen Akkugrößen reichen völlig aus. Vor allem, weil man an jeder normalen Steckdose nachladen kann. Einen Akku mit einer Kilowattstunde oder mehr brauchen Vielfahrer auf längeren Strecken oder Radreisende. Touren, die solche Kapazitäten erfordern, wollen und können viele Alltagsradler gar nicht im Sattel bewältigen.

Übrigens: Jede Wattstunde mehr kostet bares Geld. Ich rechne mit 1,25 Euro. Da lässt sich mit weniger Reichweite ganz schön Geld sparen. Beim urbanen Pendeln reicht zum Beispiel ein kleiner Akku. Der muss zwar öfter an den Strom, aber das ist am Ende nur eine Frage der Routine. Mit unseren Smartphones haben wir alle das kluge Akkulademanagement ja auch schnell gelernt.

Der Autor: Andreas Binz leitet bei Alber seit 2017 die Business Unit neodrives. Die Marke stellt Heckmotoren, Akkus und Displays für Pedelecs und S-Pedelecs her.