Teil des
UB EB Kaufberatung ElektroBIKE 1/2012 Daniel Geiger

E-Bikes und Pedelecs: Das müssen Sie wissen

Sie interessieren sich für ein E-Bike oder Pedelec, haben aber noch eine Menge Fragen? ElektroBIKE beantwortet die wichtigsten.

E-Bikes und Pedelecs sind der Trend auf dem Fahrrad-Markt. Fast jeder Hersteller hat mindestens ein Elektro-Fahrrad im Angebot - manche aber fünf, zehn oder mehr. Die Vielfalt der verfügbaren E-Bikes/Pedelec-Modelle wächst stetig - und mit ihr die Unsicherheit. Was ist gut? Was ist schlecht? Worauf muss man bei der Probefahrt und beim Kauf achten? Und wie viel darf ein gutes E-Bike oder Pedelec eigentich kosten?

ElektroBIKE gibt Antworten auf die drängendsten Fragen des Pedelec-Aspiranten. Sie sollen Ihnen helfen, ein grundlegendes Verständnis zu erlangen, und Ihnen damit die Kaufentscheidung erleichtern.


E-Bike oder Pedelec? Was ist eigentlich der Unterschied?

Der Begriff Pedelec ist eine Verschmelzung der Worte „Pedal Electric Cycle“. Im Deutschen spricht man am häufig von einem muskel-elekrischen Fahrzeug oder einem Elektrofahrrad. Das heißt in der Praxis, dass der Motor den Fahrer nur unterstützt, wenn er selbst in die Pedale tritt.

Der Markt unterscheidet zwei Typen von Pedelecs. Die normalen Pedelecs, bei denen der Motor bis 25 km/h unterstützt, und die schnellen Pedelecs (auch S-Pedelecs genannt). Bei letzteren schaltet der Motor seine Hilfe erst bei 45 km/h ab.

Wichtig hierbei: Die Pedelecs bis 25 km/h sieht der Gesetzgeber als normale Fahrräder an. Die schnellen Pedelecs hingegen (auch S-Pedelec genannt) laufen unter der gesetzlichen Bezeichnung Kleinkraftrad. Die Folge: Der Fahrer braucht einen Führerschein (M-Klasse) und ein Versicherungskennzeichen am Rad, das Pedelec braucht eine Rückspiegel und darf innerorts nur noch auf Radwegen fahren, wenn Mofas durch ein Zusatzschild ausdrücklich erlaubt sind.

Unter einem E-Bike versteht ElektroBIKE Elektro-Räder, die ohne Muskelkraft bis 20 km/h schnell fahren oder über 45 km/h.

Oft wird in der Fahrrad-Branche "E-Bike" aber auch als Oberbegriff für alle Arten von elektrisch unterstützten oder angetriebenen Fahrrädern benutzt.

Einen Überblick über die Vielfalt und Eigenheiten der E-Bikes und Pedelecs erhalten Sie hier bei ElektroBIKE

Wie viel kostet ein gutes E-Bike/Pedelec?

Nach oben ist allerdings viel Luft - zum Beispiel, wenn Sie ein schnelles S-Pedelec suchen oder ein Mountainbike-Pedelec mit der entsprechenden Ausstattung.

Natürlich kann es immer sein, dass auch Sonderangebote auf dem Markt erhältlich sind - zum Beispiel Vorjahres-Modelle. Aber prüfen Sie diese sorgfältig.

Sie wundern sich über den hohen Preis? Ein Pedelec ist eben kein normales Fahrrad mit angeschraubtem Motor. Sie dürfen die vielen elektrischen und elektronischen Komponenten nicht vergessen: Motor, Batterie, Sensoren (Leistungssensoren, Trittfrequenzsensoren) und Bedienelemte. All das kostet Geld - allein ein Pedelec-Akku kostet mehrere hundert Euro. Zum anderen müssen die Rahmen viel stabiler sein. Denn mit einem Pedelec sind Sie wesentlich schneller unterwegs als mit einem unmotorisierten Rad. Die Rahmenkonstruktion muss viel größere Kräfte aushalten. Das gilt zum Beispiel auch für die Bremsen

Sehen Sie den Preis als Investition in Ihre Sicherheit!

Wie weit kann ich mit einem Pedelec fahren?

Als Faustregel gilt: Wenn Sie das Pedelec für Stadtfahrten oder zum Pendeln nutzen, müssen Sie sich über die Reichweite keine großen Gedanken machen. Bis zu 50 Kilometern kommen Sie mit den allermeisten aktuellen Pedelecs.

Die Reichweite hängt von einer Reihe von Faktoren wie Außentemperatur, Streckenprofil und Ihrem individuellen Fahrstil ab. Und natürlich davon, ob Sie sich vom Motor immer maximal unterstützen lassen. Bei den meisten Pedelecs können Sie den Grad der Unterstützung wählen. Je stärker die Unterstützung durch den Motor, desto geringer die Reichweite.

Wichtig also: Überlegen Sie, welche Strecken Sie mit dem Pedelec fahren möchten. Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland 50 Prozent aller Autofahrten kürzer als 5 Kilometer sind, spielt das Thema Reichweite des Akkus bei den meisten Fahrten eine eher untergeordnete Rolle.

Wenn Sie mit Ihrem Pedelec auch auf längere Touren gehen möchten, können Sie auf leistungsstärkere Akkus zurückgreifen oder einen Ersatzakku mitnehmen. Oder Sie nehmen einfach das Ladegerät mit und tanken Sie in der Pause oder über Nacht nicht nur Ihre Reserven, sondern auch die Ihres Akkus auf.

UB Reichweite Straße
Beratung

Soll ich mir ein normales oder schnelles Pedelec kaufen?

Denken Sie daran: Für ein schnelles Pedelec brauchen Sie wie für ein Mofa einen Führerschein, eine Haftpflichtversicherung und ein Versicherungskennzeichen.

Die Geschwindigkeit ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Bei bis zu 45 km/h kommt es nicht nur auf Radbeherrschung, sondern auch auf schnelle Reaktionen und Durchsetzungsvermögen an. Denn Sie schwimmen meist mit dem Auto-Verkehr. Radwege dürfen Sie nur in den seltensten Fällen und nur bei entsprechender Kennzeichnung benutzen.

S-Pedelecs eignen sich vor allem für Pendler, die statt mit dem Auto mit dem Fahrrad schnell und bequem zur Arbeit fahren wollen. Besonders dann, wenn der Weg über Landstraßen und längere Strecken führt.

Wollen Sie von ihrem Trekking-Rad auf ein E-Bike umsteigen, bedenken Sie: Die Durchschnittsgeschwindigkeit mit einem Trekking-Rad liegt bei ungefähr 15 bis 17 km/h. Mit einem E-Bike werden Sie selten unter 25 km/h fahren, denn Gegenwind und Hügel sind keine Gegner mehr, die Sie in die Knie zwingen. Sie können also konstant flott fahren. Ein S-Pedelec muss es daher nicht unbedingt sein. Wenn Sie viel im Stadtverkehr fahren und Radwege nutzen wollen, kann es sein, dass sie sogar mit einem "normalen" E-Bike, das bis 25 km/h unterstützt schneller sind.

UB Typologie 2010 Teaserbild
Beratung

Wo kaufe ich ein Pedelec?

Hier werden Sie nicht nur individuell beraten sondern können auch eine Probefahrt auf dem Pedelec machen und so ausprobieren, welcher E-Bike-Typ am besten zu Ihnen passt. Nur bei einer Probefahrt können Sie herausfinden, ob Ihnen die Art des Motors, die Bedienung und das Fahrverhalten des E-Bikes insgesamt gefällt.

Außerdem stimmt der Händler das Rad genau auf Sie ab. Das fängt bei der Sitzposition an und hört bei einem individuellen Sattel auf.

Wichtig: Auch nach dem Kauf brauchen Sie eine Anlaufstelle, die Ihnen bei der Wartung (Kette und Bremsen sowie andere Verschleißteile müssen häufiger geprüft werden als bei normalen Rädern) des E-Bikes/Pedelecs hilft, falls Sie dies nicht selbst machen wollen oder können.

Zudem lassen sich immer mehr Fachhändler schulen und zertifizieren, um auch den Anforderungen der Elektrotechnik voll gewachsen zu sein.

UB EB Kaufberatung ElektroBIKE 1/2012
Beratung

Soll ich vor dem Kauf eines E-Bikes eine Probefahrt machen?

Sie wollen ein E-Bike kaufen? Falls Sie noch nie auf einem E-Bike gesessen haben: Gehen Sie zu einem Händler oder Testcenter und lassen Sie sich vom E-Bike-Virus anstecken. Viele Händler vermieten Ihnen auch ein E-Bike übers Wochenende und rechnen dann ggf. beim Kauf den Mietpreis an.

Die Faszination dieser Fortbewegungsmethode lernen Sie nur kennen, wenn Sie es ausprobieren.

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E-Bike-Test
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Worauf soll ich bei der Probefahrt achten?

Machen Sie sich zunächst klar, was Sie mit Ihrem E-Bike machen wollen. Stellen Sie sich zum Beispiel folgende Fragen: Wollen Sie nur gemütlich in der Stadt fahren? Wollen Sie auch mal größere Touren machen? Wollen Sie sportlich unterwegs sein? Wollen Sie möglichst hohe Geschwindigkeiten erreichen? Wollen Sie auch mal schwere Sachen transportieren oder einen Kinderanhänger ziehen?

Ihr Radhändler wird auf dieser Basis für Sie ein E-Bike aussuchen, das zu Ihren Ansprüchen passt.

Bei guten Radhändlern können Sie sich ein Rad auch mal für einen Tag ausleihen. Die Leihgebühr liegt zwischen 20 und 40 Euro. Entscheiden Sie sich dann für einen E-Bike-Kauf, rechnet der Händler die Leihgebühr auf den Kaufpreis an.

Wie und wo lade ich den Akku auf?

Bei den meisten Pedelecs oder E-Bikes lässt sich der Akku aus der Rahmenhalterung entnehmen, so dass Sie ihn bequem in der Wohnung laden können. Natürlich können Sie den Akku auch am E-Bike direkt laden.

Für unterwegs gibt es in Deutschland bereits einige E-Bike-Tankstellen, an denen Sie zum Beispiel während einer Pause Ihren Akku wieder laden können. Auch in vielen Biergärten dürfte sich eine offene Steckdose finden lassen.

UB Bosch Akku
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Gibt es auch Pedelecs mit Energie-Rückgewinnung?

Generell ist die Energie-Rückgewinnung bei E-Bikes/Pedelecs mit einem Vorderrad- oder Hinterradmotor möglich. Allerdings ist die Vorderrad-Variante eher selten, da die Rekuperation zu einem Durchrutschen der Reifen führen kann.

Was bringt die Rekuperation beim Fahrrad? Wirklich nennenswerte Energiemengen bringt die Rekuperation nur bei langen, steilen Abfahrten. Für den Alltagsradler ist es also kein Entscheidungskriterium beim Kauf, ob mit dem Motor Energie-Rückgewinnung möglich ist oder nicht.

MB 1010 E-Bikes BionX Motor 2011
Bionx
Mit diesem Motor ist bei E-Bikes Energierückgewinnung möglich

Welche Rahmenform ist die beste für ein E-Bike/Pedelec?

Der Diamantrahmen ist nicht nur die am häufigsten vorkommende Rahmenform, sondern auch noch eine besonders stabile. Das Hauptdreieck dieses Rahmens wird aus Oberrohr, Unterrohr und Sitzrohr gebildet (plus Dreieck zwei aus Sitzrohr, Kettenstrebe und Sitzstrebe). Wegen der höheren Steifigkeit neigt der Rahmen am wenigsten zu seitlichem Verwinden, was allgemein als "Flattern" bekannt ist.

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Kalkhoff
Beispiel für ein E-Bike mit einem Diamantrahmen: Das Kalkhoff Integrale.

Tiefeinsteiger

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Benjamin Hahn Fotografie
Beispiel für ein Pedelec mit einem Tiefeinsteiger-Rahmen: Das Centurion E-Co Style.

Dies kann bei den sogenannten Tiefeinsteigern auch schon bei geringeren Geschwindigkeiten auftreten. Aber keine Angst: Moderne, qualitativ hochwertige Tiefeinsteiger-Rahmen sind mittlerweile so konstruiert, dass Sie ohne Probleme mit ihnen unterwegs sein können.

Sie bieten im Vergleich zu Diamantrahmen den Vorteil, dass sie sehr komfortabel sind. So können Frauen zum Beispiel auch im Rock fahren. Der Einstieg ist allgemein konstruktionsbedingt erleichtert. Daher eignet sich der Rahmen für ältere Fahrer und Fahrerinnen.

Wenn Sie aber oft sportlich und mit viel Kraft fahren, sollten Sie auf jeden Fall zu Diamant- und ähnlichen Rahmen greifen.

Trapezrahmen

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Michael Gielen
Raleighs Stoker mit einem Trapezrahmen.

Ein etwas tiefer gezogenes Oberrohr als bei den Diamantrahmen finden Sie bei sogenannten Trapezrahmen. Der Vorteil: Ein etwas tieferer Einstieg ins Rad und eine geringere und damit komfortablere Überstandshöhe. Genau richtig für alle, die zwar ein sportliches E-Bike wünschen, aber z.B. beim Anhalten bequem stehen wollen.

Kann ich nicht auch mein altes Rad zu einem Pedelec umrüsten?

Beim 3. DVM-Workshop "Sicherheit von Elektrofahrrädern" in Darmstadt Anfang Februar 2011 wurde vermehrt auf die höheren Lasten hingewiesen, die bei einem E-Bike/Pedelec im Vergleich zu einem normalen Fahrrad auftreten. Selbst bei Serien-Pedelecs kommt es immer wieder einmal zu Rahmenbrüchen aufgrund der höhren Kräfte, die bei höheren Geschwindigkeiten wirken.

Beim elektrisch unterstützten Fahrrad muss das komplette System an die höheren Anforderungen angpasst sein, also Bremsen, Rahmen und Schaltung.

Das Nachrüsten von alten Fahrrädern ist nur in Ausnahmen sinnvoll und unbedingt von einem Fachmann vorzunehemn, der prüft, ob der Nachrüstsatz mit Ihrem Rad überhaupt kompatibel ist.

Nicht zu vergessen: die Preisfrage. Zwischen 1.000 Euro und 2.000 Euro müssen Sie für ein Nachrüst-Kit investieren. Gute Pedelecs (bis 25 km/h Motorunterstützung) hingegen gibt es bereits ab 1.700 Euro.

ElektroBIKE meint: Sowohl aus sicherheitstechnischer als auch aus finanzieller Sicht ist das Nachrüsten eines herkömmlichen Rads eigentlich unattraktiv und lohnt sich höchstens, wenn Sie bereits über eine sehr hochwertiges und stabiles Rad verfügen.

UB Übersicht Nachrüstsatz Hinterradnabenmotor BIFIS teaser kopie
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Was für Bremsen soll mein Pedelec/E-Bike haben?

Pedelec fahren macht auch wegen der höheren Geschwindigkeiten Spaß - dieses Tempo müssen Sie aber im Griff haben, und dafür taugen altmodische V-Brakes (Felgenbremsen) mit Stahlzug nur bedingt.

Ein Pedelec sollte also möglichst hydraulische Felgenbremsen mitbringen. Wenn Sie aber über den Kauf eines S-Pedelecs (Unterstützung bis 45 km/h) nachdenken oder oft längere Strecken bergab fahren werden, sollten Sie unbedingt auf Scheibenbremsen setzen.

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