16 E-Bikes im Test

Im Test: 16 E-Bikes der Saison 2014


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Trek Powerfly 9
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Hercules Edison Di2
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Kettler Obra Ergo RT
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Kettler Traveller E-Light
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A2B Kuo
Foto: A2B
Vom praktischen Faltrad bis zum heißen Offroad-Sportler: ExtraEnergy hat die neuesten E-Bikes aufwendig getestet.
Zu den getesteten Produkten

Klasse statt Masse! So präsentiert sich das Teilnehmerfeld des aktuellen ExtraEnergy-Tests. 16 mit einem Elektro-Motor ausgestattete Fahrräder haben die Tester ausgiebig untersucht. Und zwar 16 Fahrräder der unterschiedlichsten Gattungen, die ihre Qualitäten beweisen mussten: Vom praktischen Elektro-Faltrad bis zum schnittigen Touren-E-Bike, vom sehr sportlichen E-Mountainbike bis zum Reha-Pedelec und von der vielseitigen Familienkutsche bis zum rasanten S-Pedelec ist alles vertreten.

Darüber hinaus hat der Test auch für so ziemlich jeden Geldbeutel etwas zu bieten. So stehen mit dem Utopia Kranich Dual Drive oder dem Focus Thron Impulse Speed zwei wahre Luxusschlitten zu Preisen um die 5.000 Euro im Aufgebot. Auf der anderen Seite beweist etwa Fischer mit seinen für Elektro-Bikes günstigen Proline-Modellen, dass man schon für etwas mehr als 1.000 Euro ein gutes Pedelec bekommt.

Tausende Testkilometer abgespult

Keine Rolle spielte der Preis allerdings bei dem umfassenden Testprozedere. Ganz gleich ob günstiges Einsteiger-Rad oder sündhaft teure Luxus-Karosse, die E-Bikes wurden durch die Experten von ExtraEnergy für diese ElektroBIKE-Ausgabe richtig rangenommen.

Dazu spulten zahlreiche Testfahrer im mehrwöchigen Dauereinsatz Tausende Kilometer mit den Rädern ab – und achteten dabei auf alle Details, die ein gutes Elektro-Bike auszeichnen.

Motoren auf dem Prüfstand

An vorderster Front steht dabei bei einem E-Bike naturgemäß das Paket aus Motor und Akku. Daher sammelte die sensible Messtechnik an den Rädern während jeder Testfahrt eine wahre Flut wertvoller Daten. Auf ihrer Basis wurden wichtige Werte ermittelt, etwa die Reichweite des Akkus.

Oder der Faktor, mit welchem der Motor den Fahrer unterstützt. Die Fahrer selbst notierten wiederum, wie harmonisch sie den Motor erlebt haben, wie spritzig er das Rad antreibt und ob er direkt oder eher verzögert seine Arbeit aufnimmt. Doch natürlich ist der beste Motor wenig wert, wenn das Fahrrad selbst nicht überzeugt.

Hierbei spielt etwa die Fahrstabilität eine wesentliche Rolle oder die richtige und entsprechend anpassbare Sitzposition. Auch die Qualität der Komponenten kann über Wohl oder Wehe im Sattel entscheiden – von der wertigen und ordentlich eingestellten Schaltung über bequeme Griffe und sicher zupackende Bremsen bis zu sauber rollenden Laufrädern.

Für jeden Zweck das richtige Rad

Vor allem aber muss das perfekte E-Bike auf die individuellen Anforderungen seines Piloten zugeschnitten sein. Schließlich sind für die regelmäßige City-Tour zum Supermarkt oder ins Café andere Faktoren wichtig als für die möglichst flotte Fahrt von zu Hause ins Büro.

Der sportlich orientierte Mountainbiker stellt in der Regel andere Ansprüche an sein E-Bike als Eltern, die täglich ihren Nachwuchs per Fahrrad zum Kindergarten bringen. Und wer ein kleines, kompaktes Rad sucht, wird wohl eher nicht zu einem ausdauernden und belastbaren Touren-Pedelec greifen.

Was E-Bike-Fahrer wollen

Um all diesen unterschiedlichen Anforderungen der Kunden Rechnung zu tragen, haben die Experten von ExtraEnergy 12 Produktgruppen definiert. Vom komfortablen City-Pedelec bis zum flotten Touren-Bike und vom spritzigen Offroad-Sportler bis zum Lasten-Rad wird damit die gesamte Bandbreite der Kundenwünsche abgedeckt.

Als Basis dazu dienen die wesentlichen Anforderungen und Wünsche, die die Kunden an ein E-Bike stellen. Zum Beispiel eine hohe Reichweite, einfache Bedienung, starke Unterstützung oder eine hohe Zuverlässigkeit. Auch die Anschaffungskosten oder der Wartungsaufwand spielen eine Rolle.

Insgesamt 29 Werte fließen so in die Beurteilung ein. Je nach Einsatzzweck werden diese dann unterschiedlich gewichtet. So sind etwa beim Sport-E-Bike die Geschwindigkeit und ein starker Motor besonders wichtig. Beim unkomplizierten Easy-Pedelec hingegen stehen eher der leise Antrieb und ein günstiger Preis im Mittelpunkt. Eine detaillierte Übersicht der verschiedenen Produktgruppen und weitere Infos zum gesamten Testablauf finden Sie hier.

Leichter, weiter, komfortabler

Eine wesentliche Erkenntnis des aktuellen ExtraEnergy-Tests in Zusammenarbeit mit ElektroBIKE: Der Trend zu immer leichteren Rädern und immer größeren Reichweiten hält an. So wiegen die bis 25 km/h unterstützenden E-Bikes im Test im Durchschnitt nur noch 24 Kilogramm. Das sind beachtliche 1,5 Kilo weniger als im Vorjahreszeitraum.

Gleichzeitig kommen die Fahrer damit noch weiter. Im Schnitt halten die Akkus der Räder im Test auf der Tourstrecke fast 67 Kilometer lang – und zwar bei voller Unterstützungsleistung des Motors. Selbst mit dem reichweitenschwächsten Pedelec im Test, dem Faltrad A2B Kuo, sind noch 42 Kilometer drin.

Ordentlich Saft im Akku also, besonders wenn man bedenkt, dass die Batterien in den niedrigeren Unterstützungsmodi noch mal länger durchhalten. Erfreulich ist auch der stetig steigende Komfort der E-Bikes. Kaum ein Hersteller verzichtet noch auf ergonomische Griffe und bequeme Sättel. Ausnahmen bilden in der Regel lediglich die besonders sportlich ausgelegten Bikes. Auch bequeme Federgabeln und gefederte Sattelstützen sind mittlerweile fast bei jedem Pedlec der Standard.

 

So lesen Sie die Testbriefe
Foto: ElektroBIKE 0214

Von neuen Motoren und Rädern

Die auch für erfahrene Testfahrer jedesmal spannendste Frage: Was bringen die neuen Modelle und Ausstattungsvarianten? Die aktuelle Antwort: viel. Alleine die neue Motorengeneration ist breit vertreten. Etwa mit dem Impulse 2.0-Antrieb aus dem Hause Kalkhoff, Boschs Active- und Performance-Motoren oder dem Yamaha-Aggregat im Giant.

Ganz besonderes Augenmerk galt allerdings dem brandneuen Motor aus dem Hause Shimano. Erst Ende des vergangenen Jahrs verkündeten die Japaner die Serienproduktion des Steps-Systems – jetzt sind die ersten Räder in einem Pilotprojekt zwischen Februar und August 2014 mit der ZEG und Bike?&?Co. auf dem Markt. Und der neue Motor ist auch gleich in einem der spannendsten Modelle im Testfeld zu finden: im Hercules Edison Di2.

Mit dem Tiefeinsteiger bietet die Traditionsmarke das E-Bike zum Quadrat. Denn nicht nur die Pedalpower wird per Elektro-Motor unterstützt, auch die Gänge schaltet das Edison Di2 per Elektronik durch. Dazu werden die Schaltbefehle vom Lenker per Digitalsignal an einen Stellmotor in der Nabenschaltung geschickt. Vorteil der im Rennradsport erprobten Technologie: schnellere und präzisere Schaltvorgänge. Und: Zum Schalten genügt ein leichter Tastendruck – im Gegensatz zum kraftaufwändigen herkömmlichen Schalten mit Bowdenzügen.

Giant räumt ordentlich ab

Aber auch die weiteren Räder wurden von den Testern mit großer Neugierde unter die Lupe genommen. Zum Beispiel Giants Prime E+ 1, angetrieben von dem exklusiv für Giant produzierten Yamaha-Mittelmotor. Nachdem der Motor bei seiner Testpremiere im Vorjahr noch nicht durchweg überzeugte, war die Spannung groß, ob er sich im aktuellen Test steigern konnte. So viel vorweg: er konnte! Nicht umsonst glänzt das Prime gleich in drei Kategorien und räumt damit das ExtraEnergy-Siegel in Gold ab.

In der Gruppe der City-Komfort-Pedelecs gefällt es dank guter Unterstützung, hoher Durchschnittsgeschwindigkeit und angenehmer Fahreigenschaften. In der Katergorie der Familien-Pedelecs kommt der starke Motor zum Tragen, daneben punktet das Rad hier unter anderem mit der hohen möglichen Zuladung. Und mit seiner unkomplizierten Art und einer hohen Zuverlässigkeit überzeugt das Giant die Tester auch bei den Klassik-Pedelecs auf ganzer Linie.

ElektroBIKE kürt den Fahrspaß-Sieger!

Als echter Sieger darf sich auch das rassige Trek Powerfly+ 9 fühlen. Das auf 29-Zoll-Reifen rollende E-Mountainbike lag in der Gunst der Testfahrer ganz vorne und sicherte sich so mit deutlichem Vorsprung die erstmals von ElektroBIKE vergebene Fahrspaß-Wertung. Im abschließenden Testurteil gibt’s für das Powerfly das Testsiegel "gut", da die am Berg gemessene Unterstützung sowie die Reichweite im Vergleich zur Konkurrenz etwas geringer ausfällt. In der Praxis störte dies die Tester aber nicht.

Carbon-Fully und E-MTB in einem

Der Testsieg unter den E-Mountainbikes geht an das Erzberg von M1. Das vollgefederte Carbon-Mountainbike begeisterte die Fahrer. Und es besticht durch ein ganz besonderes Feature: Für 249 Euro Aufpreis bekommt der Käufer ein zusätzliches Hinterrad – und zwar eins ohne Motor. Setzt er dies ein und zieht den praktischen Akku in Form einer Trinkflasche aus dem Halter, hat er im Handumdrehen ein konventionelles Mountainbike.

Reha-E-Bikes – gesunde Bewegung

Eine etwas andere Zielgruppe als Trek oder M1 dürfte Raleigh mit seinem Dover Impulse XXL ansprechen. Das Besondere an dem Tiefeinsteiger: Er wurde speziell für den Einsatz im Reha-Bereich konzipiert. Ein Brustgurt misst die Herzfrequenz des Fahrers und übermittelt sie an den Radcomputer.

Erreicht die Herzfrequenz eine zuvor individuell eingestellte Belastungsgrenze, schaltet sich der Elektromotor zu. So gewährleistet der Antrieb, dass der Fahrer im Sattel sich nicht überlastet. Eine sinnvolle Technik, die die Vorteile des E-Bikes ausspielt. Sie eignet sich etwa für Patienten, die nach Herz-Kreislaufproblemen wieder in Tritt kommen wollen.

Gefedertes Speedbike für die Straße

Für Kontroversen unter den Testfahrern sorgte Focus mit dem Thron Impulse Speed. Grund: Die Cloppenburger paaren ein vollgefedertes Mountainbike mit wenig profilierten Straßenreifen und einem spritzigen Motor, der bis Tempo 45 mit Elektro-Power unterstützt.

Auf den ersten Blick fragwürdig, weil man damit nicht in den Wald und auf Radwege darf. Aber: wer mit 45 Sachen über die Straße jagt, braucht auch ein richtiges Fahrwerk. Im Ergebnis macht die Tour auf dem Thron richtig viel Spaß. Für die Fahrt ins Büro sollten allerdings Schutzblech und Gepäckträger an Bord sein.

Fazit: Qualität und Spaß

Der ExtraEnergy-Test zeigt eindrucksvoll: Qualitätsniveau und Vielfalt der E-Bikes steigen weiter stetig an. Nicht ein Rad im Test, bei dem man vom Kauf abraten müsste. Es ist aber wichtig, sich vor dem Kauf über das Einsatzgebiet Gedanken zu machen. Und so gewährleisten die neuen E-Bikes auch 2014 zuverlässige Unterstützung, einen hohen Bewegungsradius und vor allem eins: jede Menge Spaß.


21.11.2014
Autor: Felix Krakow
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