E-Bike-Test 2016: das müssen Sie wissen

Meister aller Klassen


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E-Bike-Test 2016
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ElektroBIKE E-Bike-Test 2016 Testsieger Kompakt-E-Bikes Hartje Isy
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ElektroBIKE E-Bike-Test 2016 Kauftipp Kompakt-E-Bikes Orbea Katu-E-20A
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So bunt, so stark, so anders: Der große E-Bike-Test 2016 ist extrem vielseitig und abwechslungsreich besetzt. In sechs Kategorien zeigen 55 der spannendsten E-Bikes des Jahres, was sie draufhaben.

Viel hat der E-Bike-Testfahrer schon gehört und gelesen. Manches Modell hat er schon unter dem Allerwertesten gehabt. Und doch steigt die Spannung exponentiell an, je näher der Test kommt. 55 brandneue E-Bikes aus allen Kategorien hat sich die ElektroBIKE-Crew diesmal vorgenommen.

Dabei ist für jeden Elektrogeschmack etwas dabei, ob vom kleinen Kompakten bis zum schnellen S-Pedelec, vom stilvoll reduzierten Hipster-E-Bike bis zur Offroadmaschine und vom eher günstigen Radon Scart Hybrid für 1999 Euro bis zum sündhaft teuren Rotwild R.X+ FS 27.5 Evo. Für dieses todschicke, voll gefederte und von Broses neuem Mittelmotor angetriebene E-Mountainbike werden stolze 6999 Euro fällig.

All diese E-Bikes haben eins gemeinsam: Sie mussten sich im großen ElektroBIKE-Test 2016 sowohl auf der Straße als auch im Labortest auf dem eChecker-Prüfstand den harten Herausforderungen stellen.

Details zum Testprozedere finden Sie hier.

Doch der alljährliche Leistungsvergleich des ElektroBIKE-Magazins informiert nicht nur die Leser umfassend und objektiv, er sorgt auch für Kribbeln bei der Testcrew.

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E-Bikes und Innovationen

Wie fährt sich Scotts E-Genius 710 Plus E-Mountainbike auf seinen extrabreiten Reifen wirklich? Kann Kalkhoffs Integrale S11 technisch genauso überzeugen wie optisch? Was haben die neuen Motoren von Bosch, Brose und Co. drauf? Und überhaupt: Was haben sich die Hersteller eigentlich alles einfallen lassen für die neue E-Bike-Saison? Antwort: eine ganze Menge!

Der Innovationskreisel E-Bike und Pedelec dreht sich nach wie vor in hohem Tempo. Das zeigt schon der Blick in die jüngere Vergangenheit. Da machte Bosch sich auf, den E-Bike-Markt zu erobern. Mit einem starken, ausgewogenen Mittelmotor, 288 Wh-Akku und großem Namen. Das ist gerade mal sechs Jahre her. Doch heute wirken die boschbefeuerten E-Bikes der ersten Generation fast schon wie Museumsstücke. Keine Frage, sie funktionieren oft noch so gut wie am ersten Tag. Doch die Technologie hat sich einfach rasant weiterentwickelt.

Einen deutlichen Technologiesprung gibt es dabei, etwa im Bereich der Batterien zu verzeichnen. Allein im Vergleich zum ElektroBIKE-Test 2015 stieg die durchschnittliche Akkukapazität um fast 10 Prozent. Gegenüber des Tests aus dem Jahr 2012 wuchs die Kapazität gar um knapp 30 Prozent. Entsprechend erlauben die E-Bikes heute deutlich höhere Reichweiten als vor wenigen Jahren.

Smartphone verdrängt Radcomputer am E-Bike

Ein großes Thema ist auch die Konnektivität, also das Zusammenspiel von Fahrrad und Smartphone. Bosch zeigt mit dem Nyon-Computer bereits, das Navigation und mehr am E-Bike funktioniert. Viele Hersteller gehen einen ähnlichen Weg, setzten dabei aber aufs Smartphone. So können Impulse Evo sowie Xion-Antrieb per Smartphoneapp bereits Abbiegehinweise aufs E-Bike-Display zaubern. Bei BH spricht das Rad per Bluetooth-Upgrade mit dem Handy. Und Specialized überträgt der Mission Control App gar wesentliche Einstellungsoptionen für den Motor.

Experten rechnen damit, dass das Smartphone in wenigen Jahren den Bikecomputer komplett ersetzen wird. Eine Schlüsselrolle dabei könnte dem Start-up Cobi mit seiner Schnittstelle zwischen Fahrrad und Smartphone zuteilwerden. Die ersten entsprechend ausgerüsteten E-Bikes waren aber leider nicht pünktlich zum Test verfügbar.

Die inneren Werte der E-Bikes

Der optisch auffälligste Trend heißt Integration. Unscheinbar im Inneren des Rahmens verlaufende Kabel und Schaltzüge gelten mittlerweile als Standard. Doch immer mehr Hersteller zeigen, was möglich ist, wenn ein Fahrrad konsequent um Motor und Komponenten herum entwickelt wird. So wirken Motor und Akku längst nicht mehr wie ein klobiger Fremdkörper am ansonsten normalen Fahrrad. Stattdessen werden die Antriebskomponenten immer mehr zu integrativen Bestandteilen des Systems. Das E-Bike als Gesamtkunstwerk. Beispiele für diese Kunstfertigkeit finden sich in beinahe allen Testfeldern. Beispielsweise mit dem Tiefeinsteiger Koga E-Tour, den schnellen S-Pedelecs von BH Bikes, Kalkhoff und Specialized oder den E-Mountainbikes von Giant und Rotwild.

Motorenvielfalt nimmt bei E-Bikes zu

Möglich machen diese Entwicklung unter anderem Motorenanbieter wie Yamaha und Brose. Anders als Bosch erlauben sie den Herstellern die komplette Integration des Akkus in den Rahmen. Auf diesem Feld hat der Marktführer Nachholbedarf. Das ist auch ein Grund dafür, dass Hans Schmucker von ElektroBIKE Prüfstanddienstleister eChecker Bewegung im Markt sieht: „Boschs Allmachtsstellung erodiert. Die Konkurrenz holt auf“, sagt er.

Im aktuellen Test kann davon indes noch keine Rede sein. Zumindest wenn man dort auf die Verteilung schaut. 60 Prozent der Räder werden von Bosch angetrieben.

Bosch bekommt Konkurrenz im E-Bike-Markt

Dabei muss sich die Konkurrenz nicht verstecken. „Was die Performance anbelangt, kommen die Mitbewerber näher an Bosch heran“, bilanziert ElektroBIKE-Testpilot Benjamin Pfrommer. Der Brose-Antrieb im Rotwild-MTB etwa beweist, wie viel Spaß ein harmonischer Motor mit hoher Reichweite machen kann. Shimanos Steps-Motor im Rose-Multitrack treibt den Tourer sportlich an. Und Derby Cycles liefert mit seinen Impulse-Evo-Modellen die höchsten Reichweiten im Testfeld. Ganz zu schweigen von den heckgetriebenen Testkandidaten von Specialized oder Koga. Sie beweisen, dass der Hinterradantrieb konkurrenzfähig ist. Wichtig beim Thema Kraft und Ausdauer: Die Relation muss stimmen und zum Einsatzzweck passen. Aus diesem Grund fließt das Verhältnis aus Reichweite und Unterstützung des Motors in die ElektroBIKE-Bewertung mit ein.

Dabei wird der EBUK (ElektroBIKE-Unterstützungs-Koeffizient) gedeckelt. Sprich: Schießt ein Motor mehr als die dreifache Leistung des Fahrers zu, wird er dafür nicht mit zusätzlichen Punkten belohnt. Schließlich hat es nicht mehr viel mit der Idee einer motorgestützten Tretleistung zu tun, wenn der Motor das Rad schon anpeitscht, obwohl der Fahrer zwar pedaliert, aber kaum Kraft aufs Pedal bringt. Im aktuellen Test legten speziell die heckgetriebenen Modelle Klever Q Power und BH Bikes Nitro Cross genau dieses Verhalten an den Tag.

Doch nicht nur das Zusammenspiel zwischen Motor und Akku muss stimmen, auch das E-Bike insgesamt sollte stimmig aufgebaut sein. „Manchmal wirkt das Konzept nicht unbedingt durchschaubar“, so Testfahrerin Christiane Rauscher. Wurde das Elektrofahrrad jedoch konsequent auf eine Zielgruppe ausgerichtet, gibt es in der Regel wenig zu beanstanden.

E-Bikes 2016: Viel Licht, kaum Schatten

So lautet das Gesamtfazit des aktuellen Tests: wenig zu beanstanden. Oder um es positiver zu formulieren: Die modernen E-Bikes machen Spaß. Die Kandidaten bestechen durchweg mit wertiger Verarbeitung. Je nach Anspruch geht es mal rasant, mal eher entspannt zur Sache. Bei den Motoren gelingt meist das Zusammenspiel aus kraftvollem Vortrieb und harmonischer Unterstützung. Und die Reichweiten sind über jeden Zweifel erhaben. So bietet jedes Modell im Test seine spezifischen Vorteile. Und die müssen dann nur noch zu den Vorlieben des potenziellen Käufers passen.

Kleiner Wermutstropfen zum Schluss: Neben dem Gesamteindruck macht auch der Preis einen ordentlichen Sprung nach vorn. Mit Blick auf bessere Ausstattung, etwa größere Akkus, und Wechselkurse schlagen viele Hersteller zwischen 5 und 15 Prozent auf. Und das entspricht bei den hochwertigen E-Bikes im Test schnell ein paar Hundert Euro mehr.

Fotostrecke: E-Bike-Test 2016: die Tiefeinsteiger

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ElektroBIKE Das Magazin E-Bike Test 2016 Bergamont E-Ville C N380 Harmony 500 Foto: Bergamont
ElektroBIKE-Test 2016 Tiefeinsteiger Carver Cityzen Foto: Carver
ElektroBIKE Das Magazin E-Bike Test 2016 Diamant Zagora+ Foto: Diamant

Die Stars des E-Bikes-Tests 2016: Testsieger & Kauftipps

24.05.2016
Autor: Felix Krakow
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