Pranger 2.0: mybikelane.com veröffentlicht Radweg-Blockierer im Internet! Plus: Diskussion im Forum

mybikelane.com virtueller Pranger für Parksünder
Foto: mybikelane.com/parrishioner
"Get out of my bikelane" - mit diesem Aufruf werden Besucher auf mybikelane.com begrüßt. ElektroBIKE online sagt Ihnen, was sich hinter dem virtuellen Pranger verbirgt.

Im Internet findet sich Nützliches, weniger Nützliches und Kurioses auf zahlreichen Webseiten. Sogar ein Pranger für rücksichtslose Autofahrer steht inmitten des World Wide Web.

Was halten Sie von diesem Online-Pranger für Radweg-Blockierer? Sagen Sie uns die Meinung. Wie? Ganz einfach: Füllen Sie das Kommentarfeld unter dem Artikel aus!

Die Community mybikelane.com wurde 2006 von dem New Yorker Gregory Whalin ins Leben gerufen. Whalin gründete die Plattform aus Frustration über falschparkende Autos, die ihn schon mehrmals fast in einen Unfall verwickelt hätten.

Das Prinzip ist einfach: Auf der Webseite befindet sich eine alphabetische Städte-Liste, die von Usern auf der ganzen Welt erweitert werden kann. Registrierte Mitglieder können hier PKW und andere Fahrzeuge in Text und Bild anprangern, die in ihrer Heimatstadt Radwege blockieren.

Dabei machen einige Nutzer lediglich mit Kommentaren wie "10 Meter weiter waren mehrere Parkplätze frei" ihrem Ärger Luft. Rechtskundige User zitieren sogar ganze Gesetzestexte.

Juristisch grenzwertig aber kaum anzuklagen

Das Brisante an mybikelane.com: Whalin ruft dazu auf, ein Foto von PKW und Kennzeichen zu veröffentlichen. Somit kann der Fahrzeughalter erkannt und öffentlich angeprangert werden. Das Fotografieren von KFZ-Kennzeichen steht jedoch - zumindest in Deutschland - im Clinch mit dem Gesetz.

Juristisch können KFZ-Kennzeichen dem sogenannten "erweiterten Persönlichkeitsrecht" unterliegen. Rechtliche Schritte sind jedoch kaum möglich, da die Internetseite in den USA registriert ist und somit nicht der deutschen Gesetzgebung unterliegt.

Trotz der juristischen Grauzone wird die Seite auch in Deutschland genutzt. Zum Redaktionsschluss waren für Berlin 84 Parksünder verzeichnet. Für Köln sind sogar 153 Einträge vermerkt und Trier liegt mit 165 Bekanntmachungen an der Spitze der deutschen Städte.

ADAC und ADFC sind sich einig: Verständnis zeigen statt anprangern

Der Allgemeine-Deutsche-Automobil-Club (ADAC) sieht die Nutzer von mybikelane.com bereits an der Grenze zum "Denunziantentum". Effektiver wäre es, die Polizei zu informieren. In erster Linie ruft der ADAC jedoch zu einem friedlichen Miteinander auf. Man solle sich auch mal in den anderen Verkehrsteilnehmer versetzen, empfiehlt ADAC-Verkehrsexperte Andreas Hölzel. "Radfahrer sind meistens auch Autofahrer. Und der Parksünder ist vielleicht am nächsten Tag selbst mit dem Fahrrad unterwegs."

Auch der ADFC betrachtet den virtuellen Pranger als nicht förderungswürdig. "Die Seite wird den Autofahrer nicht erreichen, da die Plattform vorwiegend von Radfahrern genutzt wird", erklärt Roland Huhn, Rechtsreferent beim ADFC. Wie im Mittelalter dient der moderne Pranger hauptsächlich der Erheiterung des Publikums. "Am Ende soll sich jedoch das Verhalten bessern“, so Huhn.

Übrigens: Gregory Whalin ist in seiner Heimatstadt nicht allein mit seinem Frust: die New Yorker Radfahrer haben bereits 6.642 Einträge auf mybikelane.com hinterlassen.

Diskussion: Was halten Sie von mybikelane.com?

Falschparker im Internet öffentlich an Pranger stellen - ist das der richtige Weg? Oder ist das nicht schon fast genauso schlechter Stil, wie mit seinem Auto einen Radweg zu blockieren? Was kann man sonst noch gegen die Auto-Blockade auf Radwegen unternehmen? Wir sind an Ihrer Meinung interessiert! Diskutieren Sie mit uns im Forum. Nutzen Sie dazu einfach die Kommentarfunktion unter dem Artikel.

Video: Radweg-Nutzungspflicht in New York

Video: Bürgermeister von Vilnius räumt Radwege mit Panzer frei

11.10.2011
Autor: Benjamin Linsner
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