Politiker-Dienstwagen im Check: Deutsche Umwelthilfe entlarvt die größten Spritfresser

Die deutsche Umwelthilfe (DUH) hat den deutschen Spitzenpolitikern unter die Motorhaube des Dienstwagens geschaut: Wer fährt umweltfreundlich, wer stößt zu viel CO2 aus? Die Ergebnisse im Überblick hier.

Seit 2007 wagt die Deutsche Unmwelthilfe (DUH) den Blick in die (Dienstwagen-)Garagen Deutscher Spitzpolitiker. Die Frage lautet: Predigt das oberste Führungspersonal im Lande nur Klimaschutz oder fahren die Kabinettsmitglieder aus Bund und Ländern tatsächlich voran?

„Wir stellen fest, dass die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Politiker-Limousinen seit dem Start unserer Erhebungen im Jahr 2007 deutlich schneller zurückgehen als die Emissionen aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw. Dieser erfreuliche Trend kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine große Mehrheit der Spitzenpolitiker nach wie vor mit übermotorisierten Limousinen unterwegs ist “, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch bei der Vorstellung der Ergebnisse der DUH-Erhebung unter 171 Spitzenpolitikern.

Immerhin konnte die DUH 2013 18 grüne Karten (CO2-Emission unter 130 Gramm pro Kilometer) verteilen. Allerdings vermisst die DUH bei einer Mehrheit der Landespolitiker und bei allen Bundesministern die klare Bereitschaft, bei der Wahl ihrer Dienstwagen den seit 2012 gültigen EU-Zielwert von 130 g CO2/km einzuhalten. 28 Spitzpolitiker bekommen von der DUH im Jahr 2013 die rote Karte gezeigt - die Emissionswerte liegen bei den entsprechenden Dientswagen über 175 g CO2/km.

Die Interessantesten Werte des Dienstwagen-Checks der DUH im Überblick:

  • Als „absolutes Highlight“ bezeichnete es Resch, dass mit dem Hamburger Senat erstmals ein ganzes Landeskabinett den EU-Zielwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer (gCO2/km) unterschreitet. Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) und seine Senatskollegen landeten bei durchschnittlich 128 gCO2/km. Obwohl die Senatorinnen und Senatoren durchweg in geräumigen Limousinen mit Spitzengeschwindigkeiten zwischen 212 und 250 Stundenkilometern unterwegs sind, liegt dieser Wert laut DUH sogar niedriger als der Durchschnitt aller in Deutschland im letzten Jahr neu zugelassenen Pkw (142 gCO2/km).
  • Das Bundeskabinett hat die Klimawende im Bereich der Dienstwagen noch nicht vollzogen. Mit 168 g CO2/km legen die Bundesminister im Vergleich zu den 252 gCO2/km, die sich bei der Ersterhebung vor sechs Jahren ergeben hatten, zwar einen bemerkenswerten Fortschritt hin, sind aber von den Hamburger Werten noch weit entfernt. Mit Bundesbildungsministerin Johanna Wanka erhält ein Mitglied des Bundeskabinetts die „Rote Karte“, die die DUH vergibt, wenn der EU-Zielwert um mehr als 40 Prozent überschritten wird.
  • Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), bereits letztes Jahr in der Spitzengruppe der Klimasünder, teilt sich laut DUH mit 277 Gramm den letzten Platz im Dienstwagen-Ranking mit den Innenministern Uwe Schünemann (CDU, Niedersachsen, inzwischen abgelöst) und Ralf Jäger (SPD, NRW). Bouffiers Audi A8 soll demnach innerstädtisch 16,6 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen.
  • Wie schlägt sich Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Dienstwagen-Vergleich? Als enttäuschend stuft die DUH sein Abschneiden ein - Kretschmann ist mit einem S-Klasse-Mercedes S350 BlueTEC 4MATIC und CO2-Werten von 193 g/km unterwegs und erhält dafür die „Rote Karte“.
  • Interessant ist das Ranking der Spitzenpolitiker nach Parteizugehörigkeit: Im Parteienranking landen die Spitzenpolitiker der Grünen (145 gCO2/km) vor denen der Linken (150 gCO2/km) und der SPD (159 gCO2/km). Die FDP-Minister kommen auf 167 gCO2/km, die der CDU auf 176 gCO2/km, das Schlusslicht bilden die Spitzenpolitiker der CSU mit 177 gCO2/km.

Das Fazit des Dienstwagenchecks

Resch nannte es einen Erfolg der alljährlichen Erhebungen der DUH, dass einerseits immer mehr Politiker bewusste Entscheidungen bei der Auswahl ihrer Dienstwagen treffen und andererseits die Premium-Hersteller mittlerweile eine breite Palette komfortabler Dienstwagen mit moderater Motorisierung anbieten. Resch: „Umso unverständlicher sind die Ausreißer nach oben. Es gibt für Politiker heute definitiv kein Argument mehr für den Einsatz von Klimakiller-Dinos als Dienstwagen.“

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