Teherani im Interview: "In Kopenhagen gilt ein schickes Stadtfahrrad mehr als ein teures Auto"


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E-Bike Pedelec Teherani Design
Foto: Hadi Teherani AG

 

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Warum kommt ein Architekt und Designer auf die Idee, ein E-Bike zu bauen. In einem interessanten Interview erläutert Hadi Teherani die Hintergründe des Projekts, seine Sicht auf die urbane Mobilität von morgen und er erklärt, was wir von Nachbarländern wie Dänemark noch lernen können.

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Wie kam es zu der Idee, im gedanklichen Umfeld einer Küche für Poggenpohl und einer Universität für Abu Dhabi ausgerechnet ein Designer e-bike zu entwickeln?

Ist im boomenden Markt dieser Fahrradgattung die Konkurrenz nicht schon fast unübersehbar?Als Designer und Architekt beschäftige ich mich mit dem gesamten Umfeld des Menschen, ganz gleich, ob es sich um einen kleinen Türbeschlag handelt oder um eine komplette Universität, für die ich die Architektur wie das Interiordesign festlege. Nicht zuletzt spielen dabei ökologische Belange eine große Rolle. In diesem Zusammenhang ist die individuelle Fortbewegung in der Stadt eine der brennendsten und interessantesten Fragen. Weil wir hier, anders als beim energetisch ausgetüftelten Bauen, noch ganz am Anfang stehen. Mein Fahrrad ist seit zwanzig Jahren ein Rad des dänischen Designers Jan Herskind, dessen Form noch heute Gültigkeit hat. Darum kam mir sehr schnell der Gedanke, ein e-bike zu entwerfen, dem man diese motorische Unterstützung nicht ansieht. Nur so kann es in meinen Augen bei der zeitlosen Schönheit eines Fahrrads als sportliches Fortbewegungsmittel bleiben. Mit Jan Herskind hatte ich für derartige Pläne den richtigen Ansprechpartner. Wir haben vieles zusammen ausgetüftelt. Die ersten Prototypen entstanden in einer Hamburger Fabrikhalle. Vorher hatte ich die aktuellen Trends auf vielen Messen beobachtet. Für mich geht es nicht darum, aus dem Fahrrad ein Motorrad zu machen. Ich sehe den elektrischen Antrieb als zeitlich begrenzte Unterstützung für einen Alltagsgebrauch, der auch Steigungen oder längere Strecken umfasst. Der elektrische Antrieb senkt die Schwelle, sich ganz und gar auf das Fahrrad zu verlassen. Wer das wie ich einmal ausprobiert hat, wird auf diese spontane Individualität des Stadtverkehrs ohne Fahrplan und Parkplatzsuche nicht mehr verzichten wollen. Die eigene Bewegung auf dem Rad ist ein Pluspunkt, kein Mangel.

Worin sehen Sie den Sinn einer Motorisierung des Fahrrads? Welche Zukunft geben Sie dieser Technik?

Spätestens seit dem Reaktorunfall in Japan spitzt sich die Wende der Energiepolitik und damit auch der Verkehrspolitik dramatisch zu. In Kopenhagen zum Beispiel - um nicht immer nur die Niederlande zu nennen – ist die Zielsetzung, den Fahrradverkehr in der Stadt auszubauen, bereits seit langem verankert. Heute liegt dort der Anteil des Fahrrads am gesamten Verkehrsaufkommen bereits bei fast 40 Prozent, bis zum Jahr 2015 sollen es 50 Prozent sein. In Wien sind es heute dagegen erst 5 Prozent. Aus einer solchen Diskrepanz ergeben sich dramatisch unterschiedliche Voraussetzungen und Möglichkeiten für eine humane Stadtplanung. Von dem gesundheitlichen Effekt für die Anwohner wie für die Radfahrer gar nicht zu reden. In Kopenhagen gilt ein schickes Stadtfahrrad bereits mehr als ein ausgefallenes, teures Auto, dem die Radfahrer auf eigenen Trassen samt grüner Welle und einem Durchschnittstempo von 20 Stundenkilometern schon heute in der Stadt weit überlegen sind. Im e-bike sehe ich die Chance, die Akzeptanz für das Fahrrad als alltägliches Fortbewegungsmittel deutlich zu erhöhen. Eine Mutter mit Kind auf ihrem Rad kann so auch noch einen Anhänger für den Einkauf bewältigen. Der Bankangestellte erreicht sein Büro auch dann ohne Schweiß auf der Stirn, wenn er Steigungen oder starken Gegenwind überwinden muss. Als European Green Capital des Jahres 2011 muss sich Hamburg, der zweite Titelträger nach Stockholm, mit diesem Thema beschäftigen. Mobilität und Luftqualität sind dabei von erheblicher Bedeutung. In seinem metropolitanen Großraum ist Kopenhagen im Hinblick auf seine etwa 1,8 Millionen Einwohner gar nicht viel kleiner als Hamburg. Es bleibt also noch viel zu tun. Grün ist darum auch die Signalfarbe meines e-bike.

Auf welches Publikum zielt Ihr e-bike? Worin liegt der wesentliche Unterschied zur Konkurrenz?

Mein e-bike ist ein filigranes, leichtes Rad mit normalem Lenker, einem Rennrad formal dennoch sehr verwandt, das sich in der Stadt und für Ausflüge am Wochenende sehr einfach handhaben lässt. Es soll dazu animieren, auf das eigene Auto, aber auch Bus und Bahn möglichst oft zu verzichten, um seine Ziele ganz individuell und leichtfüßig an der frischen Luft zu erreichen. Den Akku am Lenker, mit dem integrierbaren iPhone als Tacho und Navigation, kann man sehr leicht abnehmen, um ihn im Büro, zu Hause oder wo auch immer ohne jeden Aufwand aufzuladen. Genauso leicht lässt sich damit auch die Akku-Technik den neuesten Entwicklungen anpassen. Sollte sich die Batterietechnik einmal revolutionär verändern, bleibt das e-bike mit dem vom Rahmen völlig unabhängigen Akku zukunftssicher. Andererseits treibt dieses Rad die neue Technik nicht in ihr Extrem. Es geht mir vielmehr um den Spaß, das Rad wirklich jeden Tag zu benutzen. Das klassische Erscheinungsbild des Fahrrads bleibt erhalten, aber es wandelt sich seine Funktionalität. Aus Gegenwind wird Rückenwind, aus der Bergaufstrecke eine Bergabstrecke. Der Aktionsradius des Fahrrads erweitert sich erheblich. Dabei gehört zu einem neuen Mobilitätsgefühl immer auch eine formale Lösung, die ein Zeichen setzt. Nach meiner Designphilosophie: klassisch, funktional, zeitlos, nachhaltig und dennoch einzigartig. Es ist ein sportliches Rad, dessen Nutzer aber keiner Altersbeschränkung nach oben oder unten unterliegen. Bei diesem ersten Modell handelt es sich um eine limitierte Auflage von 200 Exemplaren, erhältlich als Damen- und als Herrenrad. Ich hoffe, es werden weitere Modelle und Varianten folgen.

Wird Ihr e-bike ähnlich wie der Bürostuhl Silver zu einem Gegenstand auch Ihres Alltags?

Natürlich habe ich es mir genauso vorgenommen. Ohnehin leiste ich mir den Luxus, meine Arbeit immer an meinem persönlichen Anspruch zu messen. Es ist mein Rad, das auch andere kaufen können. Wie schnell ich mit diesem Rad zu einer Institution des Hamburger Stadtbilds werde, möchte ich aber lieber nicht versprechen. Dazu ist mein Arbeitstag zu hektisch, nicht zuletzt geprägt durch zahlreiche Auslandstermine. Ich werde mein neues Fahrrad also zunächst hauptsächlich in der Freizeit nutzen. Andererseits spiele ich mit dem Gedanken, zwei dieser e-bikes einzusetzen, um die Nutzungsmöglichkeiten zu verbessern. Eins im Büro, eins zu Hause. Dann kann ich jede Gelegenheit nutzen, die sich bietet.

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E-Bike Pedelec Design Studie Faraday Foto: Oregon Manifest
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Storck Voltist E-Bikes Prototyp Pedelec 2012  TU Chemnitz Foto: Mario Steinheil
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