Rocky Mountain Altitude Powerplay Carbon: Exklusiver Test des neuen E-Mountainbikes

Foto: Axel Brunst E-Mountainbike Rocky Mountain Altitude Powerplay Carbon

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Rocky Mountains E-MTB Altitude Powerplay bekommt einen E-Motor aus Eigenentwicklung, 160-mm-Federweg und soll Enduro-Fans und Trail-E-Biker begeistern.

kurz und knapp:

  • das erste E-MTB von Rocky Mountain heißt Rocky Mountain Altitude Powerplay
  • E-Antrieb Powerplay (mit 250 Watt): ist eine hauseigene Entwicklung, sitzt vor dem Tretlager
  • Federwege: 160 mm an der Front, 150 mm am Heck
  • erster Test: Das Altitude Powerplay Carbon überzeugt mit Reserven und agilem Fahrverhalten
  • Rocky Mountains Altitude Powerplay Carbon ist in 3 Varianten erhältlich, Preis: ab 6000 Euro

Altitude Powerplay Carbon heißt Rocky Mountains E-MTB-Erstlingswerk und wartet mit eigenem Motor (Powerplay genannt) und einem Fahrkonzept auf, dass so seines gleichen am E-Mountainbike-Markt sucht. Die Kultmarke Rocky Mountain sorgt mit einer kompletten Motor-Eigenentwicklung für Aufsehen im E-Mountainbike-Segment. Als Alleinstellungsmerkmal des Altitude Powerplay Carbon hebt Rocky Mountain die Geometrie hervor, die absolut identisch mit der des nicht-motorisierten All-Mountain/Enduro Altitude, welches erst vor ein paar Wochen vorgestellt wurde, sein soll.

Foto: Axel Brunst E-Mountainbike Rocky Mountain Altitude Powerplay Carbon

Rocky Mountains Altitude Powerplay Carbon im ersten E-MOUNTAINBIKE-Test.

Das ist neu bei Rocky Mountain: Hauseigener Motor mit 80 Nm Power

Dabei ist es nicht nur die Geometrie, die ein Alleinstellungsmerkmal sein dürfte. Rocky Mountain setzt nämlich auf einen hauseigenen Motor, der jedoch nicht ganz neu ist. Bereits 2011 begann die kanadische Pro Cycle Gruppe, zu der Rocky Mountain gehört, einen eigenen Motor für die City-Bike-Marke Evox zu entwickeln. Seit 2012 ist dieser im Serien-Einsatz und wird in einer Mietflotte in amerikanischen Großstädten eingesetzt. Der 250 Watt starke Motor, der in seiner 3. Generationsstufe 80 Newtonmeter liefern soll und auf eine Spannung von 48 Volt setzt, dient als Basis für das E-MTB-Debüt von Rocky Mountain und riegelt üblicherweise bei 25 km/h ab.

Rocky Mountain legt Augenmerk auf Geometrie und Kinematik

Auch wenn der Motor bereits existierte, wollten die Entwickler von Rocky Mountain es tunlichst vermeiden ein E-MTB um einen Motor herum zu konstruieren, und somit möglicherweise Kompromisse in Punkto Geometrie oder Kinematik eingehen zu müssen. Das Endergebnis ist, dass der Motor vor dem Tretlager sitzt und somit Platz für sehr kurze 425 mm Kettenstreben entsteht. Ein weiterer Vorteil des nach vorne verlagerten Motors soll sein, dass das Bike mit einem handelsüblichen Tretlager ausgestattet ist. Bei anderen Motoren lastet das gesamte Gewicht des Fahrers auf der Motoraufhängung – laut Rocky sollen so Knackgeräuche vorprogrammiert sein. Ein konventionelles Tretlager soll zum einen stabiler sein und ist zudem bei einem Lagerschaden leicht zu wechseln.

Foto: Axel Brunst E-Mountainbike Rocky Mountain Altitude Powerplay Carbon

Das Bedienelement zeigt Akkustand und die 3 Fahrmodi.

E-Motor des Powerplay: Mit Antriebs- und Umlenkrollen unter der Carbon-Abdeckung

Um die Power aus dem Elektromotor auf die Kurbel und somit auf das Hinterrad zu übertragen, setzt Rocky Mountain auf ein Umlenkrollensystem, das unter einem Carbon-Deckel sitzt. Über eine Antriebsrolle wird die Kraft auf den Kettenstrang übertragen, die Kette läuft dann über eine weitere Rolle nach hinten zum 8-Gang-Ritzel. Eine weitere Rolle dient als Drehmomentsensor und soll für eine super sensible Kraftzugabe des E-Motors sorgen. Eine vierte Rolle ist als Kettenführung gedacht und sitzt unterhalb des Kettenblatts. So viele mechanische Berührungspunkte bringen natürlich eine gewisse Geräuschkulisse mit sich, dazu später mehr im ersten Fahrbericht des Rocky Mountain Altitude Powerplay.

Neu: Bedienteil I-Woc mit App-Steuerung

Bedient wird der Powerplay-Motor über das kleine Bedienelement I-Woc, das am Lenker links neben dem Griff sitzt. Über das I-Woc-Kästchen wird der Motor eingeschaltet und einer der drei Fahrmodi gewählt. Außerdem zeigt es über eine Vier-Balken-LED-Leuchte den Akku-Stand an und über eine Drei-Balken-LED-Leuchte den gewählten Fahrmodus.

Ein Display bietet das Bike nicht, es wird aber eine umfangreiche App geben, die ebenfalls über das Bedienelement gesteuert werden kann. Auf Knopfdruck sagt(!) einem zum Beispiel das Smartphone in der Tasche die noch zur Verfügung stehende Reichweite in Kilometer und Höhenmeter an. Wer ein Display möchte, der kann sein Handy am Lenker montieren und zum Beispiel die Navi-Funktion der App verwenden. Ein USB-Anschluss unterhalb des Vorbaus versorgt das Smartphone währenddessen mit Strom aus dem Akku des Bikes.

Was für einen Akku bietet Rocky Mountain am Altitude Powerplay?

Der Akku fällt am neuen Rocky Mountain Powerplay kaum bis gar nicht auf. Er sitzt im Carbon-Unterrohr und bietet an den zwei teuren Modellen 632 Wattstunden Kapazität und am preisgünstigsten Altitude Powerplay 500 Wh. Laut Rocky Mountain soll der Akku 250 g leichter sein als vergleichbare Akkus und zudem 37 % mehr Leistung bieten. Auch das Laden wurde optimiert. Der große Akku soll in 2 Stunden bis auf 80 % Kapazität geladen sein, so dass man schnell wieder ein fahrbereites Rad hat. Für die restlichen 20 % soll das Laden weitere 2 Stunden und 10 Minuten beanspruchen. Zum Laden oder Lagern kann der Akku nicht entnommen werden. Die Reichweite soll laut Rocky Mountain bei 1200 möglichen Höhenmetern liegen.

Mehr Details zum Rocky Mountain Altitude Powerplay: Gewicht, Größen, Federwege …

Alle drei Modelle kommen mit einem Carbon-Hauptrahmen und 27,5 Zoll Laufrädern sowie 2,5 Zoll breite Maxxis-Wide-Trail-Reifen. Das teure Altitude Powerplay Carbon 90 besitzt zudem einen Carbon Hinterbau und wird mit Carbon-Felgen und -Lenker ausgestattet.

Wie das Altitude ohne Motor bietet der Hinterbau 150 mm Federweg und die Geometrie-Verstellung Ride-9, über die Lenkwinkel und Tretlagerhöhe leicht verändert werden können. An der Front stehen 160 mm Federweg zur Verfügung. Ein von uns gewogenes Altitude Powerplay Carbon 90 in Größe L bringt ohne pedale 21,8 kg auf die Waage. Es werden die Rahmengrößen S, M, L und XL angeboten. Die Ausstattungs-Details und Preise befinden sich weiter unten im Artikel.

Foto: Rocky Mountain / Matt Wragg E-Mountainbike Rocky Mountain Altitude Powerplay Carbon

Im Test: Rocky Mountains erstes E-MTB Altitude Powerplay Carbon.

Erster Test Rocky Mountain Altitude Poweplay Carbon: Ausgiebiger Fahreindruck

Wir hatten bereits die Möglichkeit das 27,5"-E-Rocky auf unseren Hometrails und auf alpinen Trails rund um das französische Bergdorf Valberg Probe zu fahren. Dabei zeigte sich das Powerplay trotz 21,8 Kilo Gewicht und der langen Federwege wunderbar agil und wendig, geradezu verspielt – der extrem tiefe Schwerpunkt des Bikes fällt sofort positiv auf. Vor allem in schnellem Kurvenwechsel lässt sich das Bike erstaunlich leicht bewegen. Kombiniert mit dem schluckfreudigen und ausbalancierten Fahrwerk kommt richtiges Freeride-Feeling auf. Die Power des Motors zeigt sich währenddessen unauffällig, selbst im stärksten Unterstützungs-Modi schiebt der Powerplay-Motor nie unangenehm oder überraschend nach. In jeder Situation, wie zum Beispiel Spitzkehren, reagiert der, sonst sehr starke, Motor feinfühlig und berechenbar. Bergab ist mit dem Rocky Mountain Powerplay Carbon nahezu alles möglich.

Aber auch bergauf arbeitet das Altitude Powerplay überzeugend. Trotz kurzer Kettenstreben ist die Geometrie so ausgewogen, dass sogar im steilsten Gelände angefahren werden kann. Das Bike mauserte sich während unserer ausgiebigen Testfahrten in alpinem Gelände zum wahren Kletterkünstler. Doch vor allem die fein dosierbare Power des Motors ist es, die das Powerplay zum sehr interessanten E-MTB für Trail-Enthusiasten macht. Die Motorkraft ist fein dosierbar über den Druck, den man auf das Pedal gibt. Schon bei niedrigen Trittfrequenzen zieht der starke Motor kräftig durch und entfaltet sein volles Potenzial bei ungefähr 75 U/min Trittfrequenz. Dazu passend: die unter Last schaltbare 8-Gang EX1-Schaltung von Sram. Einmal an die großen Gangsprünge gewöhnt, ist immer der Gang parat, den man braucht.

Doch ein Manko hat das neue Freeride-E-Bike aus Kanada dann doch. Die aufwendige Umlenkung am Motor sorgt für eine Geräuschkulisse, wie mancher Biker sie vielleicht von Downhill-Bikes, der Rohloff-Schaltung oder der Hammerschmidt-Getriebekurbel von Sram kennt. Anfänglich wirkte das rasselnde Mahlen noch störend, doch durch das überragende Gesamtbild des Bikes rückte das Summen immer mehr in den Hintergrund. Vor allem auf anspruchsvollen Trails steht der Fahrspaß so sehr im Vordergrund, dass man das Rasseln des sonst extrem leisen Motors kaum noch wahrnimmt. Doch eine E-Motor-Verleugner ist das Rocky Powerplay dadurch keineswegs.

Die App zum Steuern des Motors war zum Testzeitpunkt nur in einer Beta-Version vorhanden. Erste Blicke auf die umfangreiche App mit Reichweitenberechnung, Motor-Feinabstimmung, Daten-Analyse, Strava-Sync-Funktion, Sprachansage uvm. waren vielversprechend.

Das Bike soll schon ab Mitte Juni bei ersten Händlern in Deutschland stehen. Für einen schnellen Service soll ebenfalls gesorgt sein. Ein zentrales Service Center in Frankreich sowie speziell geschultes Personal beim Rocky Importeuer Bike Aktion stehen zu Verfügung, um die in Kanada gebauten Bikes zu warten.

Details Rocky Mountain Altitude Powerplay Carbon 90 (laut Hersteller)

MotorPowerplay, 250 Watt
Akku632 Wh
FedergabelFox 36 Float, 160 mm
DämpferFox Float, 150 mm
SchaltungSram EX1
BremseSram Guide RE
VariostützteTransfer
ExtrasRahmen, Laufräder, Lenker aus Carbon
Preis9700 Euro

Details Rocky Mountain Altitude Powerplay Carbon 70 (laut Hersteller)

MotorPowerplay, 250 Watt
Akku632 Wh
FedergabelFox 36 Float, 160 mm
DämpferFox Float, 150 mm
SchaltungSram EX1
BremseSram Guide RE
VariostützteTransfer
RahmenCarbon
Preis7000 Euro

Details Rocky Mountain Altitude Powerplay Carbon 60 (laut Hersteller)

MotorPowerplay, 250 Watt
Akku500 Wh
FedergabelRock Shox Yari, 160 mm
DämpferRock Shox Deluxe, 150 mm
SchaltungSram EX1
BremseSram Guide RE
VariostützteRace Face
RahmenCarbon
Preis6000 Euro

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26.05.2017
Autor: Chris Pauls / Christiane Rauscher
© ElektroBIKE online