Nur 14 kg: Das neue E-Hardtail Focus Raven²

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Das ist wirklich mal eine Ansage: Ganze 14 kg bringt das neue E-Hardtail Focus Raven² auf die Waage – und soll sich dabei bei ausgeschaltetem Motor wie ein ganz normales Bike fahren. Klappt das? Wir sind das Raven² bereits gefahren. Hier gibt’s Infos und Fahreindrücke.

Ihnen kommt das E-Mountainbike Focus Raven² bekannt vor? Sie haben ein gutes Auge für E-MTBs! Hintergrund: Bereits im vergangenen Jahr präsentierte Focus mit der Studie Project Y eine erste Version des neuen Raven².

Für die Studie gab’s 2016 einen Eurobike Award. Jetzt steht das E-Hardtail aus Carbon als Serienmodell kurz vor der Markteinführung.

Fazua-Motor am neuen Focus Raven²

In Sachen Motor und Akku geht Focus beim Raven² ganz neue Wege. Den Antrieb liefern nicht bekannte Marken wie Bosch, Shimano oder Brose - sondern ein Münchner Start-Up-Unternehmen namens Fazua. Der Clou: Motor, Akku und Getriebe bestehen aus einer Einheit, die im Unterrohr versteckt ist und per Knopfdruck entnommen werden kann.

Der Motor bietet drei Unterstützungsstufen (Rocket, River, Breeze), die durch unterschiedliche LED-Farben am Lenkerdisplay dargestellt werden. Zusätzlich gibt's eine Schiebehilfe. Das Display am Lenker fällt relativ schlicht aus. Neben den besagten farbigen LEDs für die Unterstützungsstufe wird der Akku-Ladestand angezeigt. Die Verantwortlichen bei Fazua arbeiten zudem an einer App, mit der sich in Zukunft zusätzliche Daten auf dem Samrtphone-Display anzeigen lassen.

Foto: Holger Schwarz Focus Raven2

Der Fazua-Antrieb - bestehend aus Motor, Getriebe und Akku - ist ins Unterrohr des Raven² integriert und kann komplett entnommen werden.

Wie funktioniert der Fazua-Motor am Focus Raven²?

Über zwei Drehmomentsensoren im Tretlager wird beim Fazua-Motor die Kraft gemessen, mit der der Fahrer in die Pedale tritt. Je stärker der Biker tritt, desto mehr Power liefert der Fazua-Motor hinzu. 400 Watt schießt der Motor maximal zu (bei 250 Watt Nennleistung), das maximale Drehmoment soll bei 60 Nm liegen. Seine optimale Leistung entfaltet der Fazua-Motor laut Hersteller bei 70 U/min.

3,2 Kilogramm soll der Motor/Akku/Getriebe-Strang wiegen. 1,4 kg entfallen davon auf den Akku, der eine Kapazität von 250 Wh hat. Eine Akkuladung dauert laut Fazua etwas mehr als 3 Stunden. Praktisch: Wird der Antrieb nicht benötigt, dann nimmt der Biker das Aggregat einfach aus dem Unterrohr und setzt stattdessen ein Abdeckblende, die optional erhältlich ist, auf das offene Rohr. Das 14 Kilogramm leichte Raven² wird dadurch zu einem knapp 11 Kilogramm leichten Hardtail.

Raven²: Focus verspricht natürliches Fahrgefühl

Fährt der Biker mit Motor und überschreitet er die 25 km/h-Grenze, dann entkoppelt die Fazua-Antriebseinheit vom unterhalb liegenden Tretlager. Vorteil: Der Fahrer muss nicht wie bei anderen Motoren gegen einen Widerstand treten, sondern hat oberhalb der 25 km/h-Grenze ein Fahrgefühl wie bei einem Hardtail ohne Motor. Das gleiche gilt bei ausgeschaltetem Motor. „Wir wollten beim Raven² ganz bewusst ein natürliches Bike-Feeling schaffen“, gab Focus Projektmanager Alexander Glink bei der Präsentation des neuen E-Hardtails zu verstehen.

Bis das Bike serienreif war, hatten die Ingenieure allerdings einiges zu tun. Vor allem die Antriebseinheit stellte die Focus-Crew vor große Aufgaben. Das Unterrohr des Carbonrahmens mit dem entnehmbaren Motor-Akku-Block musste in Sachen Wandstärke und Faserzusammensetzung mehrmals überarbeitet werden. Herausgekommen ist ein E-Hardtail mit 100 mm Federweg an der Front und 29“-Laufrädern. Bei der Geometrie orientierte sich die Focus-Crew am aktuellen Raven. Das Raven² soll lediglich 17 Millimeter länger sein als sein Pendant ohne Motor.

Das Focus Raven² wird laut Focus Ende 2017 in den Läden stehen. Zwei Versionen wird es geben: Das Raven² für 4999 Euro und das Raven² Pro für 5999 Euro.

Die beiden Modelle im Überblick:

Focus Raven² Pro:

Foto: Focus Focus Raven2

Focus Raven² Pro

Focus Raven² Pro: Ausstattung (laut Hersteller)

MotorFAZUA evation, 60 Nm, 250 W
Akku FAZUA evation, 250 Wh, removeable
FedergabelFox 32 Float SC Performance, remote, 110x15 mm QR, 100 mm travel
Bremsen Shimano XT M8000 180 mm / 160 mm
SchaltungShimano XT 1x11, 11-46Z
LaufräderDT Swiss M1650, 622x25, Shimano Deore, 148x12 mm / 110x15 mm
ReifenContinental RACE KING 2.2 SL Folding
Gewicht14 kg
Preis5.999 Euro

Focus Raven²:

Foto: Focus Focus Raven2

Focus Raven²

Focus Raven²: Ausstattung (laut Hersteller)

MotorFAZUA evation, 60 Nm, 250 W
Akku FAZUA evation, 250 Wh, removeable
FedergabelFox 32 Rhythm, remote, 110x15 mm QR, 100 mm travel
Bremsen Shimano Deore M6000, 180 mm / 160 mm
SchaltungShimano SLX 1x11, 11-46Z
LaufräderRodi Ready 27, 662-27, Shimano Deore, 148x12 mm / 110x15 mm
ReifenContinental RACE KING 2.2 SL
Gewicht15,5 kg
Preis4.999 Euro

Foto: Christoph Laue Focus Raven² Fahrbild

ElektroBIKE-Redakteur Holger Schwarz auf erster Testfahrt mit dem Focus Raven².

Focus Raven²: Erste Fahreindrücke

ElektroBIKE-Redakteur Holger Schwarz konnte das neue Focus Raven² auf den Trails am Gardasee bereits testen. Die wichtigste Frage dabei: Wie fährt sich der Fazua-Motor? Unser Kollege war dabei angenehm überrascht über die harmonische Unterstützung des Motors im Vergleich zur Konkurrenz.

Der Fazua-Antrieb schaltet sich dezent zu - und oberhalb von 25 km/h auch wieder ab. Überschreitet man die 25 km/h-Grenze, dann hat man durch die Entkopplung des Motors vom Tretlager auch nicht das Gefühl, gegen einen Widerstand zu treten. Dasselbe gilt übrigens auch bei ausgeschaltetem Motor. Hier fährt sich das Bike wie ein ganz normales Hardtail ohne eingebauten Zusatzantrieb.

Die Power, die der Motor liefert, kann allerdings nicht mit der eines Shimano Steps E-8000 oder Bosch Performance Line CX verglichen werden. Hier bietet der Fazua-Motor gefühlt deutlich weniger Power. Auch liegen die drei Unterstützungsmodi recht eng beieinander, eine klare Abstufung war oft nur schwer zu erkennen.

Und wie sieht’s in Sachen Geometrie beim Focus Raven² aus? „Obwohl das Bike aus der Race-Ecke kommt, ist die Sitzposition nicht übermäßig gestreckt, eher komfortabel“, so Schwarz. Trotz seiner großen 29“-Laufräder zirkelte das Bike auch auf verwinkelten Trails gut „ums Eck“.

Wurde es zu verblockt - was am Gardasee öfters der Fall ist – kam das 100-mm-Hardtail allerdings schnell an seine Grenzen. Außerdem wünschte sich unser Kollege bei häufigen Uphill-Downhill-Wechseln eine Vario-Sattelstütze, die zwar nicht serienmäßig ist - aber nachgerüstet werden. „Auch die kleine 160-mm-Bremsscheibe am Hinterrad könnte ein bisschen größer sein, vor allem bei langen Abfahrten“, so unser Kollege.

Mehr neue E-Bikes für 2018:

Rückblick: Juni 2016 - Focus stellt seine E-Hardtail-Studie Project Y vor

Dass aus Konzepten auch Serien-Modelle werde, zeigt das Beispiel des Focus Raven². 2016 konnte man schon einen ersten Eindruck des neuen E-Mountainbikes bekommen, dass damals noch unter dem Namen Focus Projekt Y lief.

Die Hintergründe: Stärkerer Motor, Mehr Leistung. Laut Marc Faude, Produkt Direktor von Focus, entwickeln sich E-Bikes immer mehr zu Motorrädern mit Tretkurbel.

Um zu zeigen, was E-MTB auch bedeuten kann haben die Focus-Entwickler nun mit dem Projekt Y ein E-Mountainbike vorgestellt, das sich wie ein normales Mountainbike fahren soll und auch von der Motorleistung nicht in Dimensionen eines Mofas vorsticht.

Der Antrieb befindet sich im Unterrohr und kommt von dem noch sehr jungen Hersteller Fazua aus München. Er leistet max. 400 Watt und wird von einer Batterie mit 250 Wh Kapazität gespeist.

Laut Focus reicht das für eine Runde mit 800 HM. Allerdings, wenn man am Anschlag fährt. Bei gemütlicher Fahrweise sollte auch etwas mehr drin sein.

Focus Project Y: Ohne Motor wie ein "normales" Mountainbike

Der Motor soll über eineinhalb Stunden etwa 190 Watt zuschießen, was die Leistung normalen Hobby-Mountainbiker auf die eines Weltcupfahrers hebt. Dadurch soll sich der Radius der Feierabendrunde deutlich erhöhen, ohne dass das Mountainbike-Gefühl verloren geht.

Nimmt man den Akku und den Motor ab, wird das Bike drei Kilogramm leichter und lässt sich wie ein normales Mountainbike nutzen.

29.09.2017
Autor: Holger Schwarz
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