E-Fatbikes: Mehr als nur ein hipper Trend?


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E-Fatbikes 2015 Collage
Foto: Hersteller

 

Haibike Xduro Fatsix Fatbike 2015 E-Bike E-Mountainbike
Foto: Björn Gerteis

 

Haibike Xduro Fatsix Fatbike 2015 E-Bike E-Mountainbike
Foto: Björn Gerteis

 

Haibike Xduro Fatsix Fatbike 2015 E-Bike E-Mountainbike
Foto: Björn Gerteis

 

Moustache Bikes Starckbikes MASS Collection
Foto: Moustache Bikes
Fatbikes: Sie gelten als die SUVs der Fahrrad-Szene, vor keinem Untergrund machen sie halt. Mit ihren dicken Schlappen sind sie ein echter Hingucker – und jetzt mit unterstützendem Elektromotor als E-Fatbikes noch besser für den Alltag geeignet. Und für die Zukunft. Oder gibt es sie schon bald gar nicht mehr? Eine Analyse.

In den eisigen Schneewehen des Iditabike-Rennens 1987 in Alaska haben die Mountainbiker ein Problem. Ihre Bikes verlieren den Kampf gegen Schnee und Eis, die Reifen finden keinen Grip, versinken im Schnee und geben dem Fahrer kein Gefühl der Sicherheit. Viele Bikes werden öfter geschoben als gefahren.

Die Fatbike-Erfindung war kein Marketing-Gag

Ein Jahr später die Lösung: Größere Reifen, die aussehen wie Ballons. Sie bieten mehr Auflagefläche, viel Gummi und Profil. Das erste Fatbike war geboren. Mehr als 25 Jahre später ist es ein richtig fetter Trend. Die Räder mit den Ballonreifen signalisieren im normalen Straßenverkehr eher Gemächlichkeit, sind aber auch zu robusten Einsätzen fähig – ganz wie 1988 in Alaska oder nur kurze Zeit später in New Mexico.

Dort verhinderten die breiten Reifen das Einsinken in feinen Wüstensand. Damit wäre das Ziel-Einsatzgebiet der Fatbikes abgesteckt: Schnee, Eis, Sand und Matsch. Terrain, vor dem normale Mountainbikes kapitulieren. Kalt, heiß, gnadenlos, unbarmherzig.

Breitbau-Mountainbike mit Elektromotor

Dazu will die neueste Entwicklung irgendwie gar nicht passen: E-Fatbikes. Fattys mit Elektromotor. Dabei erweitert sie den Einsatzbereich für diesen doch sehr speziellen Typ von Fahrrad. Täglicher Nutzung stünde praktisch nichts mehr im Wege, auch anstrengende, lange Etappen auf Asphalt oder steile Uphill-Trails auf Schnee und Sand wären kein Problem mehr. „Für Offroad-Einsätze ist das Fatbike ideal, gerade für sehr schwieriges Gelände wie Schnee oder Sand“, erläutert Max Hilger, Redakteur bei der Zeitschrift MountainBIKE.

Das erste E-Fatbike weltweit stammt indes vom US-Spezialisten Felt und kommt in diesen Tagen in den Handel. Und hier offenbart sich ein Nachteil für den potenziellen Kunden: die Kosten. Das Felt „Lebowsk-e“ kostet saftige 3.799 Euro und wiegt fast 22 Kilo. Ganz schön teuer für ein mögliches Drittrad. Und schwer.

Fatbikes mit vielen Nachteilen im Alltag

Man stelle sich die täglichen Qualen vor, wenn das Fatbike ins Büro geschleppt werden will, weil es auf offener Straße nicht sicher ist. „Ein Fatbike, egal ob mit oder ohne Elektromotor, ist generell nicht optimal für den Alltag, ein ganz normales Mountainbike lässt sich einfacher, leichter und schneller bewegen“, erklärt Hilger. Die neuen E-Fatbikes wiegen – dank Kohlefaser und leichterer Motoren – schon etwas weniger, sind aber aufgrund der großen Reifen immer schwerer als vergleichbare E-Mountainbikes.

Auch das Fahrverhalten ist nach Expertenaussage nicht ansatzweise so quirlig wie mit manch leichtem Bike. Erschwerend kommt hinzu, dass das E-Fatbike oft teurer in Anschaffung und Unterhalt ist. Eine ganze Menge Nachteile also, doch wo sind die Vorteile?

Der oft unterschätzte „Haben-Will-Faktor“

Es gibt Vorteile gegenüber normalen Mountainbikes, und nicht mal wenige. „Zunächst fährt sich ein Fatbike wesentlich komfortabler – dank der dicken Reifen“, erzählt Mountainbike-Experte Christian Pauls. Ein weiterer wichtiger Punkt für alle Offroad-Fahrer: Mit den 4,8-Zoll (ca. 120mm) breiten Gummis erzielt ein ungeübter Fahrer schneller hohe Geschwindigkeiten in Kurven. Der Grip ist besser, das Limit wird viel später erreicht. Wie bereits erwähnt dringen Fatbikes in Gelände vor, das normale Mountainbikes nicht erobern können. Aber auch auf matschigem Boden haben die Fattys ihre Vorteile gegenüber Normalos, etwa das geringere Risiko sofort und heftig wegzurutschen. Kombiniert mit einem E-Motor sind sie fast nicht mehr zu stoppen.

Vielleicht setzen sich die E-Fatbikes aber aus einem ganz anderen Grund durch. „Momentan finden viele diese Art von Bike noch sehr peinlich“, sagt Max Hilger vom MountainBIKE-Magazin. Doch der Trend ändert sich, und Fatbikes werden langsam cool. Lässig durch die Stadt und über Land cruisen, statt mit einem Rennrad über die Straßen zu hetzen, das schindet Eindruck. Das signalisiert: „Hey, seht mich an, ich bin völlig entspannt.“ Und genau das wollen die Kunden, meist unterbewusst.

Der Beweis ist im Auto-Segment zu suchen. Große, schwere, scheinbar unpraktische Geländewagen, die niemand im Gelände nutzt, sind längst ein gigantischer Erfolg. Auch das hatte zunächst niemand für möglich gehalten. Vielleicht können die E-Fatbikes so ihre eigene Erfolgsgeschichte schreiben.

Für 2015 sind sie zumindest schon mal als Mega-Biketrend gesetzt. In der Bildergalerie stellen wir alle 2015er E-Fatbikes vor. Sie sind die wahren Alleskönner. Finden Sie nicht auch?

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09.10.2014
Autor: Roman Domes
© ElektroBIKE online