Pedelec: Das pedal electric cycle - was sich hinter dem Begriff versteckt

Pedelec: Was ist das eigentlich?

Pedelec
Foto: ElektroBIKE
Was ist ein Pedelec? Woher stammt der Begriff Pedelec? Was bedeutet er? Und: Gibt es Alternativen zum Begriff Pedelec? ElektroBIKE erklärt die Hintergründe.

Was ist ein Pedelec? Die Definition
Ein Pedelec ist ein Elektro-Fahrrad, das den Fahrer mit Motorkraft beim Pedalieren unterstützt. Die Unterstützung funktioniert nur, wenn der Fahrer selbst in die Pedalen tritt. In Deutschland darf ein Pedelec-Motor höchstens 250 Watt leisten. Bei 25 km/h muss die Unterstützung aufhören.

Auch der Duden kennt das Wort Pedelec. Als Synonym für das Wort Pedelec schlägt der Duden Elektro-Fahrrad vor. Die Herkunft erklärt das Wörterbuch so:

Zusammenbildung aus englisch pedal electric cycle = mit Pedal und Elektrizität angetriebenes Fahrrad.

Kleiner Exkurs: Sprachwissenschaftler sprechen bei einem Wort wie Pedelec von einem Kofferwort.

Rückblick: So entstand das Wort Pedelec

Großer Exkurs: Verantwortlich für die Wortschöpfung Pedelec ist Susanne Brüsch. Sie erfand das Wort Pedelec 1999 in ihrer Diplomarbeit “Pedelecs: Fahrzeuge der Zukunft” (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, April 1999; Institut für Übersetzen und Dolmetschen). In dieser wissenschaftlichen Arbeit etablierte Brüsch ein internationales Namenssystem für muskel-elektrische Fahrzeuge.

Wie es dazu kam, erklärte Brüsch einmal in einem Interview mit dem Internetportal E-Bike on tour: “Ich musste Pedelecs immer mit riesigen Worthülsen umschreiben, da es keinen einheitlichen Begriff gab.“

Brüschs Wort-Lösung heißt also Pedelec. Der Begriff konnte sich relativ schnell auf dem internationalen Markt etablieren, bekam allerdings mit der zunehmenden Popularität der Elektro-Fahrräder starke Konkurrenz durch das Wort E-Bike, das zwar nicht präzise beschreibt, um welchen Fahrzeug-Typ es sich handelt, aber wesentlich eingänglicher ist.

Ein Blick in das Tool Google Trends, mit dem man das Suchvolumen nach einzelnen Schlagworten analysieren kann, zeigt, dass in Deutschland mittlerweile ungefähr doppelt so oft nach dem Wort E-Bike gesucht wird - im Vergleich zum wissenschaftlich korrekten Begriff Pedelec.




Pedelecs aus der Sicht des Gesetzgebers

Das Pedelec ist rechtlich dem Fahrrad gleichgestellt. Dies geht aus dem Straßenverkehrsgesetz, Paragraf 1, Absatz 3 hervor:

“(3) Keine Kraftfahrzeuge im Sinne dieses Gesetzes sind Landfahrzeuge, die durch Muskelkraft fortbewegt werden und mit einem elektromotorischen Hilfsantrieb mit einer Nenndauerleistung von höchstens 0,25 kW ausgestattet sind, dessen Unterstützung sich mit zunehmender Fahrzeuggeschwindigkeit progressiv verringert und

1. beim Erreichen einer Geschwindigkeit von 25 km/h oder früher,
2. wenn der Fahrer im Treten einhält, unterbrochen wird.

Satz 1 gilt auch dann, soweit die in Satz 1 bezeichneten Fahrzeuge zusätzlich über eine elektromotorische Anfahr- oder Schiebehilfe verfügen, die eine Beschleunigung des Fahrzeuges auf eine Geschwindigkeit von bis zu 6 km/h, auch ohne gleichzeitiges Treten des Fahrers, ermöglicht. Für Fahrzeuge im Sinne der Sätze 1 und 2 sind die Vorschriften über Fahrräder anzuwenden.”

Im Vergleich zu den normalen Pedelec sind die so genannten S-Pedelecs, Fahrzeuge bei denen der Motor den Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h unterstützt, rechtlich keine Fahrräder mehr. Diese Fahrzeuge sind den Kleinkrafträdern zugeordnet. Daraus ergeben sich für den Betrieb von S-Pedelecs besondere Bedingungen:

  • Ein S-Pedelec braucht eine Betriebserlaubnis beziehungsweise eine Einzelzulassung beim Kraftfahrtbundesamt durch den Hersteller.
  • S-Pedelecs brauchen ein Versicherungskennzeichen.
  • Ein Rückspiegel gehört zur Pflichtausstattung.
  • Wer ein S-Pedelec fährt, muss im Besitz eines Mofa-Führerscheins sein (Klasse M).
  • Wer ein S-Pedelec fährt, muss einen geeigneten Helm tragen und mindestens 16 Jahre alt sein.

In Abgrenzung zu Pedelecs und S-Pedelecs gibt es auch die Gruppe der E-Bikes. Als E-Bikes bezeichnet man im engen Sinne Fahrzeuge, bei denen man mit einem Gasgriff beschleunigt. Der Fahrer selbst muss für eine Unterstützung durch den Motor nicht selbst in die Pedale treten. Rechtlich sind diese Fahrzeuge Kleinkrafträdern, wenn die Motorleistung 500 Watt und die Höchstgeschwindigkeit nicht 20 km/h übersteigt.




Pedelec vs. E-Bike: der Unterschied in Bildern

 

Das ist ein Pedelec
Foto: Norbert Haller / CC0 Pedelec: Die Motorunterstützung bei einem Pedelec setzt ein, wenn der Fahrer in die Pedale tritt, die Kurbel nach vorne bewegt wird.

 

Wie funktioniert ein E-Bike?
Foto: Norbert Haller / CC0 E-Bike: Bei E-Bikes gibt der Fahrer mit einem Gasgriff am Lenker Gas. Der Motor funktioniert unabhängig von der Kurbelbewegung. Trotzdem werden die Begriffe Pedelec und E-Bike synonym verwendet.

Pedelec oder E-Bike: Was ist der richtige Begriff?

Interessanterweise hat sich mit E-Bike der eigentlich falsche Begriff durchgesetzt und wird von Herstellern, Medien (auch ElektroBIKE) und umgangssprachlich als Synonym verwendet. Es ließe sich trefflich streiten, ob dies gut oder schlecht, falsch oder richtig ist.

Mittlerweile existieren zwei Begriffe, die das gleiche Produkt beschreiben. In einem Interview mit ElektroBIKE stellte Rainer Jeske, ehemaliger E-Bike-Boss bei Bosch, die These auf, dass das Pedelec (oder E-Bike) in der Zukunft einfach nur noch Fahrrad heißen wird. Eindeutig wäre dann aber immer noch nichts.

13.07.2016
Autor: Björn Gerteis
© ElektroBIKE online