E-Bike-Entwickler im Gespräch mit ElektroBIKE

Trend E-Mountainbikes: Was unterscheidet E-MTBs vom klassischen Mountainbike?

Vollgefederte E-MTBs liegen sind einer der Trends 2014. ElektroBIKE hat nachgefragt, was bei der Entwicklung wichtig ist, und warum es sich lohnt E-MTB zu fahren.

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ElektroBIKE: Lassen Sie uns über E-Fullys reden. Wer braucht ein vollgefedertes E-Mountainbike?

Malik: Für alle E-Bikes gilt, dass der Rahmen wesentlich stabiler gebaut werden muss um die Sicherheit des Fahrers bei den erhöhten Kräften zu gewährleisten. Konstruktionsbedingt werden diese Rahmen also wesentlich härter, als man das von klassischen Bikes her kennt, was Fahrwerke in allen
E-Bereichen interessant macht, um mehr Fahrkomfort zu erhalten. Speziell beim Mountainbike haben wir durch die größeren Reifenvolumen ein besseres Dämpfungsverhalten als bei klassischen E-Bikes. Trotzdem sehen wir auch bei E-MTBs eine Diversifizierung der Federwegsklassen für den jeweiligen Einsatzbereich kommen. Wir haben mittlerweile E-Bikes mit 120 mm, 150 mm und 180 mm im Programm und decken damit vom Cross-Country-orientierten Biker bis zum Freerider alles ab.

ElektroBIKE: Gibt es einen Unterschied bei der Fahrwerkskonstruktion für ein Fully mit und ohne Motor?

Beutner: Selbstverständlich gibt es die: Im konkreten Falle hat zum Beispiel das kleine Antriebsritzel des neuen Bosch Motors mit nur 15 Zähnen in der gesamten Bike-Industrie völlig neue Denkansätze bei den Fullys gefordert. Wer hier einfach nur seine bisherige Kinematik verwenden würde, täte seinen Kunden keinen Gefallen, da es besonders beim E-Fully auf hohe Antriebsneutralität ankommt und die bisherigen Systeme eher auf 30-34 Zähne optimiert sind. Einfach gesagt genügt es nicht einem Rennwagen nur Profilreifen aufzuziehen, um ins Gelände gehen zu können – Es muss auch hier das Gesamtkonzept betrachtet werden! Daher haben wir für unser XDURO ein komplett eigenes Kinematik-System entwickelt, was ausschließlich für den verwendeten Motor optimiert wurde.

ElektroBIKE: Welches ist das wichtigste Bauteil bei einem E-Mountainbike?

Beutner: Genauso könnte man fragen: Welches ist das wichtigste Organ im Körper? Es trägt sicherlich jedes Teil zum Funktionieren des Bikes bei. Kernelement ist freilich der Rahmen, der alle Elemente einschließlich des Motors trägt und zu einem Ganzen verbindet. Hier trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen, denn von den Anbauteilen her sind die meisten Bikes ähnlich. Doch der Rahmen und mit ihm Dinge wie Geometrie und Kinematik entscheiden schließlich über Freude oder Frust beim Fahrer. Würde man fragen, welches das wichtigste Bauteil am Rahmen ist, würde ich sofort auf das Interface verweisen. Es bildet die Schnittstelle zwischen Motor und den übrigen Rahmenteilen und vereint die Anbindungen von Unterrohr, Sitzrohr und Kettenstreben beim Hardtail bzw. Hinterbau beim Fully. Hier Know-how einfließen zu lassen hat mit Sicherheit den größten Effekt, so verfügt beispielsweise unser XDURO dank der Gravity Casting Technologie am Interface über die mithin kürzeste Kettenstrebenlänge auf dem E-Bike-Markt – eine Kerngröße die maßgeblich über die We

ElektroBIKE: Ein wichtiger Punkt bei E-Bikes, gerade auch bei E-Mountainbikes ist das Gewicht. Wie schwer darf ein E-MTB sein, damit es uneingeschränkten Fahrspaß bietet?

Beutner: Man muss sich im Klaren sein, dass ein Mittelmotor-E-Bike systembedingt einfach 7-8 kg mehr auf die Waage bringt. Das ist ein Faktum, mit dem alle Hersteller zu kämpfen haben. Hier ist freilich der Motorenlieferant gefragt für die Zukunft Technologien zu entwickeln, die dieses Mehrgewicht niedrig halten. Nichts desto trotz ist auch der Rahmen eines E-Bikes bedingt durch die erwähnten höheren Belastungen durch den Motor schwerer ausgeführt als ein "normaler" MTB-Rahmen. Hier gehen wir aber den Weg die Sicherheit des Kunden nicht durch übertriebenen Leichtbau aufs Spiel zu setzen! Was bringen einem 200g Gewichtsersparnis am Rahmen, wenn er beim Fahren spürbar weich ist oder gar unter einem zusammenbricht und man immer mit Vorsicht oder einem mulmigem Gefühl unterwegs ist? Grade hier ist es wichtig, dass sich der Hersteller über die höheren Kräfte und auch den Einsatzzweck eines solchen E-Bikes im Klaren ist, damit der Kunde später im Gelände einfach nur Spaß haben kann. Zudem tut natürlich der Motor sein Übriges, dass man das Mehrgewicht nicht wirklich spürt.

ElektroBIKE: Riskieren wir einen kleinen Blick in die Zukunft. Die technische Entwicklung im E-Bike-Bereich hat den Höhepunkt noch lange nicht erreicht. Wie sieht ein E-Mountainbike in fünf Jahren aus?

Malik: Wir gehen davon aus, dass sich E-MTBs in fünf Jahren einen eigenen Markt geschaffen haben. Touristiker, Medien und sportliche Eventagenturen werden sich dem Thema annehmen und die neuen Potentiale nutzen. Produktseitig werden wir eine ähnliche Vielfalt wie wir sie aus dem klassischen MTB-Bereich her kennen, erleben. Dabei wird das Bike innerhalb seiner rechtlichen Vorgaben als Pedelec 25 immer leistungsfähiger: Gewichtsreduzierung und stärkere Batterien sind die kommenden Entwicklungen.

ElektroBIKE: Zum Abschluss lassen wir die technischen Details kurz außen vor. Warum lohnt es sich, E-Mountainbike zu fahren?

Malik: Der absolute Fahrspaß! Die Beschleunigung ist fantastisch, Bergaufpassagen erleben eine völlig neue Dynamik, die Bikes werden immer agiler und das Leistungsgewicht ist vergleichbar mit einer Motocross-Maschine. Durch den erweiterten Aktionsradius und die erhöhte Durchschnittsgeschwindigkeit lernt man seine Hometrails dabei neu kennen.

Fotostrecke: MTB-Pedelecs: Die wichtigsten E-Mountainbikes im Überblick

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Foto: Steppenwolf
Ebike Advanced Technologies E-Bikes Trekking-E-Bikes 2014 Foto: Ebike Advanced Technologies
Grace MXII E-Bike Pedelec Neuheiten 2014 Foto: Grace

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