E-Bike-Entwickler im Gespräch mit ElektroBIKE

Experten-Gespräch: Was steckt hinter der Entwicklung von E-Mountainbikes?


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Die Haibike E-Bike Neuheiten 2014
Foto: Haibike

 

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Worauf es bei der E-Bike-Entwicklung ankommt, und warum E-MTBs nicht einfach Mountainbikes mit Motor sind, erklären die E-Bike-Experten Christian Malik und Ingo Beutner von Haibike.

Lesen Sie in diesem Artikel:


ElektroBIKE: Die ersten E-Mountainbikes waren normale Mountainbikes mit einem "nachgerüsteten" E-Antrieb. Reicht das eigentlich nicht aus?

Ingo Beutner: Generell wirken auf E-Bikes im Vergleich zum klassischen Fahrrad wesentlich stärkere Kräfte auf Rahmen und Fahrwerk. Es geht dabei in erster Linie um das zusätzliche Drehmoment vom Motor und das Mehrgewicht. Hinterbau und Gabeln werden dabei je nach Antriebsart sehr schnell in Mitleidenschaft gezogen und natürlich sind auch zum Beispiel die Bremsen für die zusätzliche Power in der Regel unterdimensioniert. Im sportlichen Einsatz mutet man seinem Bike zudem generell noch weitaus mehr zu, was sich in der Stabilität der Rahmen und Komponenten widerspiegeln muss. Von simplen Nachrüst-Kits insbesondere im ePerformance Bereich raten wir unseren Kunden also entschieden ab.

ElektroBIKE: Wenn E-Mountainbikes mehr sind als ein MTB + Motor, reden wir überhaupt noch von Mountainbikes oder nicht sogar von einer eigenen Radgattung?

Christian Malik: Eigentlich ist bereits der Gattungsbegriff E-Mountainbike schon etwas unglücklich gewählt, weil er einen additiven Charakter suggeriert. Eben als ob tatsächlich nur ein Mountainbike mit einem Elektroantrieb versehen wurde. Realität aber ist, dass wir mittlerweile von einer Gattung sprechen, die wir bei HAIBIKE ePerformance genannt haben. Dabei geht es um E-Bikes, die entgegen dem klassischen eher kompensierenden Charakter, tatsächlich ein auf sportliche Leistung und Range-Extension ausgelegtes Fahrverhalten anbieten. Diese neue Gattung hat viel mit dem klassischen MTB gemein, ihr Wesen steht aber für ein komplett eigenes Nutzungsprofil. Zwar teilen sich klassische Mountainbikes und E-MTBs viele Wege und Trails, es kommen aber jetzt gerade im Uphill neue Passagen hinzu, die mit einem klassischen MTB nicht machbar waren. Außerdem ist die sportliche Nutzung eines E-MTBs "intensiver" als die eines klassischen: Ich kann in kurzer Zeit mehr Trails fahren und meine Feierabendrunde damit ganz neu gestalten. Wichtig ist in jedem Fall, dass das Mountain-E-Bike parallel zum Mountainbike existiert und der Spaß an dem einen die Freude am anderen nicht ausschließt, sondern definitiv bereichert.

ElektroBIKE: Worauf muss man bei der Konstruktion eines E-Mountainbikes
achten? Welche Eigenschaften sind besonders wichtig?

Beutner: Generell muss man das E-MTB als Ganzes betrachten – es ist nicht einfach nur ein MTB mit Antrieb. Wir haben bei unseren neuen XDUROs zum Beispiel das Bike komplett neu konstruiert. Ausgehend vom Motor als zentralem Element haben wir – auch Dank einer im Fahrradbau revolutionären Technologie – ein Interface geschaffen, das sämtliche neuralgischen Punkte gerade auch im Fully-Bereich vereint. Zusätzlich muss man sämtliche Rohre, Rohrquerschnitte und Materialstärken überdenken und an den wichtigen Punkten verstärken. Hierzu half uns natürlich unsere jahrelange Erfahrung in diesem Bereich, um dem Bike genügend Stabilität zu verleihen, was eines der Hauptpunkte ist.

ElektroBIKE: Der Motor ist das zentrale Element. Welche Position ist für E-Mountainbikes die am Besten geeignet?

Beutner: Es gibt ja im Prinzip drei verschiedene Antriebskonzepte: Front-, Heck- und Mittelmotor. Bei den ersten beiden Varianten ist der Motor ins Rad integriert und somit einem großen Drehzahlbereich ausgesetzt. Auch wenn das ein Elektromotor relativ gut verkraften kann, ist die Positionierung im Tretlager wesentlich effektiver, da das Motorgetriebe unabhängig von der gefahrenen Geschwindigkeit auf den schmalen Trittfrequenz-Bereich des Menschen hin optimiert werden kann. Im ePerformance Bereich werden Frontmotoren eigentlich so gut wie gar nicht eingesetzt, da das Vorderrad schon die Lenkkräfte übertragen muss und ein zusätzlicher Antrieb hier eher stören würde. Hinterradmotoren kommen zwar öfter zum Einsatz, aber bedingt durch das hohe Systemgewicht eines solchen Nabenmotors leidet die Agilität und – besonders bei vollgefederten Rädern – die Sensibilität der Federung.

ElektroBIKE: Warum gerade der Mittelmotor?

Beutner: Für echte ePerformance ist ein Mittelmotor unabdingbar. Nur er ermöglicht eine relativ konstante Unterstützung bei gleichzeitig absolut neutralem Fahrverhalten. Zudem bietet er die Möglichkeit normale MTB-Komponenten und -Technik, wie Steckachsen oder die neuen 11-fach Antriebe, zu verwenden, was auch das Erscheinungsbild des gesamten Rades eher positiv beeinflusst. Zu guter Letzt bietet nur der Mittelmotor eine perfekte Massenverteilung am Bike – eine Eigenschaft, die vor allem im Gelände und insbesondere bei Fullys eine zentrale Rolle spielt.

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