Der Vergleich: E-Bike vs Moutainbike

E-Bikes: Wie hoch ist der Trainingseffekt?

E-Bike E-Mountainbike E-MTB
Foto: Dennis Stratmann
Elektrobikes sind immer mehr im Kommen. Doch hat das E-Bike auch in Sachen Trainingseffekt seine Berechtigung? ElektroBIKE räumt mit Vorurteilen auf, stellt eine aktuelle Studie vor und hat bei Fitness-Experte Tim Böhme nachgefragt.

Man stelle sich einen jungen Familien-Vater vor. Mitte 30, berufstätig. Vor zehn Jahren war er noch fit, eine kleine Ausfahrt mit dem Rad kein Problem. Doch das Mountainbike steht mittlerweile nur noch einsam im Keller. Für regelmäßiges Training fehlt einfach die Zeit.

Zur Arbeit fährt der Familien-Vater 20 Minuten mit dem Auto. Gerne würde er auch etwas früher aus dem Haus und mit dem alten, aber immer noch intakten Bike zur Arbeit fahren – um zumindest etwas für den Körper zu tun. Doch der steile Anstieg auf halber Strecke treibt ihm schon beim bloßen Gedanken daran den Schweiß auf die Stirn.

Die Fitness alter Tage ist dahin und ab einem gewissen Alter ist die damalige Top-Form nur noch sehr mühsam wiederzuerlangen. Also bleibt es beim Auto. Heute, morgen und auch nächste Woche. In der Praxis sind diese Gedankenspiele allein in Deutschland wohl tausendfach an der Tagesordnung.

Dabei ist Bewegung für den Organismus überaus wichtig. Nicht nur für den Körperbau, auch für das Immunsystem. Wer sich viel bewegt, wird nachweislich seltener krank. Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Gesundheit wurde bereits durch eine Vielzahl von Studien belegt.

Wenn es nur eine Möglichkeit geben würde, den Weg zur Arbeit aus eigener Kraft, aber doch nicht zu großer Anstrengung zu meistern – das wär’s.

Und da gibt es ja noch die E-Bikes! Dabei gibt es die sogenannten Pedelecs, welche den Biker meist bis 25 Km/h unterstützen. Das heißt, man muss immer noch selbst treten, um voranzukommen. So könnte es für Freizeit-Sportler durchaus Sinn machen, sich ein solches E-Bike anzuschaffen – wären da nicht die Vorurteile. Hat es auch denselben Trainingseffekt wie ein unmotorisiertes Rad? Und ist das E-Bike auch für den fitten Biker eine sinnvolle Alternative? ElektroBIKE klärt auf.

5 Vorurteile gegenüber E-Bikes- was ist dran?

Studie belegt: E-Bike fahren macht fitter

Im Juni diesen Jahres wurde im European Journal of Apllied Physiology eine Studie veröffentlicht, in welcher sich Forscher der University of Colorado mit dem Thema E-Bikes befassten. Dabei ging es den Amerikanern vor allem darum, zu testen, ob das Fahren auf dem E-Bike für Menschen, welche sonst nicht oft trainieren, ein vollwertiges Workout sein kann.

20 Probanden - männlich wie weiblich - sollten mindestens drei Mal pro Woche 40 Minuten mit dem E-Bike unterwegs sein. Einen Monat lang. Die Geschwindigkeit sollte nach eigenem Wohlbefinden frei gewählt werden. Dabei benutzten die Teilnehmer der Studie Pedelecs, also E-Bikes, die nicht von alleine fahren. Im Voraus wurden die Probanden im Labor auf Herz und Nieren geprüft.

Das Ergebnis: Alle Teilnehmer hatten sich an die zeitliche Vorgabe gehalten, die meisten saßen sogar bis zu 50 Prozent länger im Sattel als verlangt. Auch die Intensität war durchaus hoch. Der durchschnittliche Puls lag bei 75 Prozent der jeweiligen Höchstgrenze. Die Probanden hatten also ein moderates Workout. Und am Wichtigsten: Jeder einzelne hatte deutlich bessere Fitness- und Gesundheitswerte im abschließenden zweiten Labor-Test.

Diese beiden Ergebnisse der Studie zeigen, dass das E-Bike allein schon durch die sich bietenden erweiterten Möglichkeiten positive Effekte mit sich bringt. Die Motivation, sich öfter und länger zu bewegen stieg bei allen Studienteilnehmern. Die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Gesundheit und Fitness sind ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Eine Studie aus dem Jahr 2015 zeigte außerdem einen weiteren positiven Effekt der elektrisch unterstützten Räder. Das norwegische Institut für Transportwirtschaft ermöglichte 66 Norwegern aus der Hauptstadt Oslo für zwei bis vier Wochen unbegrenzten Zugang zu E-Bikes und verglich im Anschluss deren Fahrgewohnheiten mit 160 Teilnehmern mit nicht-motorisierten Rädern.

Die Auswertung der Daten ergab, dass die Probanden mit Elektrobike-Zugang signifikant öfter und auch länger unterwegs waren. Der Studie nach war die durchschnittliche Anzahl an täglichen Fahrten mit dem E-Bike höher (1,4) als die Fahrten mit dem normalen Rad (0,9). Auch die durchschnittlich zurückgelegte Distanz betrug bei den E-Bike-Fahrern mit 10,3 Km deutlich mehr als die Fahrten mit dem unmotorisierten Pendant (4,8 Km).

Böhme: "E-Bikes sind wie das Handicap beim Golf"

Wenn es um den Trainingseffekt von Elektrobikes geht, könnte man sich vorstellen, dass dieser lediglich für nicht ganz so fitte Hobbysportler relevant ist. Doch auch der Mountainbike-Marathon-Profi Tim Böhme vom Team Bulls, der zudem als Fitness-Experte für das Radlabor Frankfurt aktiv ist, sitzt immer wieder gerne auf dem E-Bike. So startete Böhme im April diesen Jahres auch bei einem E-Bike-Rennen in den USA.

"Das war ein großer Spaß", berichtet der MTB-Profi. "Zwar war es eher ein Show-Event mit noch relativ losen Regeln, doch da steckt unheimliches Potenzial darin." Vor allem habe er gemerkt, dass der athletische Anspruch auf dem Elektrobike "um einiges höher" als beim normalen Bike sei, da man Masse bewege. "Das habe ich auch am Muskelkater am Tag danach festgestellt", so der Fitness-Experte weiter, "außerdem hatte es den positiven Nebeneffekt, dass das normale Rad danach vom Handling her leichter wirkte."

Auch sonst sei der Trainingseffekt beim E-Bikefahren nicht zu unterschätzen - nicht nur für Hobbysportler. "Grundsätzlich ist es gleich anstrengend", vergleicht Böhme die beiden Rad-Typen. "Man ist auf dem E-Bike nur schneller unterwegs." Zwar verleitet die Motorunterstützung laut Böhme dazu, sich weniger anzustrengen und mit weniger Aufwand das gleiche Tempo wie sonst zu fahren, "aber es macht doch viel mehr Spaß mit 18 Km/h bergauf zu fahren als mit 10 Km/h oder weniger. Das spornt sogar an, noch eher an die Belastungsgrenze zu gehen."

Für sich selbst als MTB-Marathon-Fahrer könne er sich zudem durchaus einen positiven Effekt für die Rennvorbereitung vorstellen. "Downhill-Fahrer fahren ihren Kurs vor dem Rennen mit Motocross-Bikes ab, um die hohen Geschwindigkeiten zu trainieren", weiß der Fitness-Experte. "Als Marathon-Fahrer könnte man mit einem E-Bike die Strecke mit Trainingsanstrengung abfahren und durch die Unterstützung dennoch Renngeschwindigkeit fahren - und die richtige Linienwahl trainieren."

Von Vorurteilen gegenüber den elektrisch unterstützten Rädern hält Böhme nichts. "Mit dem E-Bike ist es im Prinzip wie mit dem Handicap im Golf, nur gesellschaftlich nicht so toleriert", so der Mountainbike-Profi. "Das muss jeder selbst mal probieren." Beim Golf bietet das Handicap schwächeren Spielern die Möglichkeit, mit stärkeren zusammenzuspielen.

Für Fahrten in Gruppen mit Sportlern auf unterschiedlichem Leistungsstand könnte das E-Bike genauso Abhilfe schaffen, spinnt Böhme den Gedanken weiter. "So könnte man ohne Probleme zusammenfahren und dennoch kann jeder seinen eigenen Möglichkeiten entsprechend fahren. Ich könnte mir auch vorstellen, dass das für Pärchen eine interessante Sache wäre." Nur, dass eben beim E-Bike der Profi nicht wie beim Golf ein Handicap bekommt, sondern der Hobbyfahrer einen unterstützenden Elektromotor.

Das Fazit

Bewegung ist für den Organismus wichtig. Doch genau davon haben viele berufstätige Erwachsene zu wenig. Nicht nur die mangelnde Zeit ist dabei ein Problem, auch die Motivation fehlt vielen. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass die Top-Form vieler längst in dunkler Vergangenheit liegt. Da fällt es schwer, sich zu einer Radtour aufzurappeln, wenn bereits eine kurze Ausfahrt anstrengend ist wie ein Marathon.

Die Vorteile der E-Bikes für untrainierte Hobbyfahrer liegen auf der Hand. Nachweislich erhöht die elektrische Unterstützung die Motivation zur Bewegung. Dies kann bereits nach einigen Wochen vieles bewirken. Gerade als Einstieg nach langer Zeit ohne Training ist das E-Bike eine gute Alternative, um spielerisch wieder eine gewisse Grundfitness aufzubauen.

Aber auch für trainiertere Fahrer kann das Pedelec in vieler Hinsicht eine Alternative sein. Der Trainingseffekt ist hier zwar nicht mehr ganz so hoch, doch für Regenerationsmaßnahmen ist das E-Bike ebenso denkbar als auch nach Verletzungen. Gesundheitlich haben die elektrisch unterstützten Räder nämlich den Vorteil, dass sie die Maximalbelastungen reduzieren und damit Gelenke und Kreislauf schonen.

Alles in Allem hat das E-Bike also in vielen Bereichen seine Daseinsberechtigung. Ob für jung oder alt, Mann oder Fra, fit oder untrainiert. Vorurteile sind zum fehl am Platz. Die positiven Effekte überwiegen - auch in Sachen Training.

Für den berufstätigen Familienvater wäre der Weg zur Arbeit mit dem E-Bike auf jeden Fall die perfekte Möglichkeit, um wieder fit zu werden. Und vor allem bieten E-Bikes eins: Spaß.

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23.11.2016
Autor: Daniel Drach
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